Dem schönen Sommerabend zum Trotz konnte der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender (SVP) gestern 77 Stimmberechtigte im Gemeindesaal im Zentrum begrüssen. Hinzu kamen einige Gäste, die wegen der Abstimmung über den privaten Gestaltungsplan Lanzrain gekommen waren. So auch Roland Verardo. Er ist Präsident der Baugenossenschaft Schönheim. Diese will im Lanzrain verdichtet bauen. Konkret geht es um die Liegenschaften Zürcherstrasse 96, 98 und 100 und die Rebbergstrasse 79 und 81. Die fünf Gebäude mit total 44 Genossenschaftswohnungen sollen durch drei Gebäude mit total 69 Genossenschaftswohnungen ersetzt werden.

Nachdem der Gestaltungsplan letztes Jahr auflag – wozu auch ein Informationsabend durchgeführt wurde, kam es nun an der Gemeindeversammlung zur Diskussion und Abstimmung. Hochbauvorstand René Beck (CVP) erläuterte nochmals die wichtigsten Eckdaten. Dabei erwähnte er auch das Vorgehen bei den Bauarbeiten: Sowohl der Abriss als auch der Neubau soll in zwei Etappen geschehen. Dadurch entstehen der Bauherrschaft Mehrkosten von einer Million Franken. «So können bisherige Mieter bleiben», erklärte Beck, «nicht wie anderswo, wo alles aufs Mal plattgemacht wird.» Die neue Überbauung wird auch mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet sein, weitere Dachflächen sollen mit einheimischen Pflanzen begrünt werden. Zudem gibt es viele Veloabstellplätze sowie Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos. Geheizt werden soll die Überbauung mit Fernwärme der Limeco. Dies führte zur Frage eines Versammlungsteilnehmers – der das Schönheim-Projekt im Lanzrain lobte –, ob denn die Limeco-Leitungen schon bereit sind, bis die Überbauung gebaut ist. Bereits heute werden an der Rebbergstrasse, die zurzeit sowieso saniert wird, Leerrohre für die Limeco-Fernwärme eingebaut. «Bis 2021 sollte der letzte Meter Limeco-Leitung in Oberengstringen gebaut sein», sagte Beck, «das sollte eine Punktlandung geben.»

Streitpunkt Mehrwertabschöpfung

Während der Gestaltungsplan an und für sich kaum zu Gesprächen Anlass gab, sorgte die geplante 15-prozentige Mehrwertabschöpfung für so einige Fragen und Diskussionen. Die einen hätten sich gewünscht, dass der Gemeinderat mehr rausholt, die anderen würden am liebsten alles auf Eis legen, bis ein kantonales Mehrwertausgleichsgesetz vorliegt und wieder andere verstanden nur Bahnhof.

Und dann gab es noch die grosse Gruppe, die der Diskussion überdrüssig oder zum Schluss gelangt war, dass der Gemeinderat gut gearbeitet hatte. So kam es dann zu einem Antrag auf Diskussionsabbruch, dem mit 68 Ja-, 3 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen entsprochen wurde. Sodann nahm die Versammlung den Gestaltungsplan mit 73 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen an und die Mehrwertabschöpfung von 15 Prozent wurde wiederum mit 68 Ja-, 4 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen genehmigt.

Somit ist das Verdichtung auf dem Lanzrain weiterhin auf gutem Weg. 135'000 Franken Mehrwertabschöpfung hat die Gemeinde nun in Aussicht. Das Geld wird sie für städtebauliche Zwecke verwenden können. Sie profitiert auch davon, dass das Projekt Lanzrain in vielerlei Hinsicht hohe Standards erfüllt und den Zeitgeist trifft: vom Spielplatz, über die Unterflurcontainer und die Photovoltaikanlage bis hin zur Kostenmiete. Zudem kann die Genossenschaft Schönheim die Liegenschaft nicht verkaufen, das untersagen ihr ihre Statuten. «Das ist also kein Spekulant», erklärte Hochbauvorstand Beck. All das seien Gründe dafür, wieso der Gemeinderat die Mehrwertabschöpfung eher auf der defensiven Seite bemessen habe.

Zum Schluss der Versammlung erklärte Gemeindepräsident Bender, dass die revidierte Bau- und Zonenordnung zurzeit immer noch beim Kanton zur Vorprüfung liegt. Zudem stellte er das Leitbild 2018-2022 des Gemeinderats vor, das am Freitag veröffentlicht wird. Weiter wies er auch schon auf die Bundesfeier hin, die am 31. Juli um 19 Uhr beim Parkplatz zwischen den Hölzern stattfinden wird. Gastredner ist der Zürcher Stadtrat Richard Wolff (AL).