Im Anschluss an den heutigen Tag der Biodiversität findet vom 24. bis 26. Mai in Zürich das Festival «Abenteuer Stadtnatur» statt. Das Spektrum der Veranstaltungen reicht vom Basteln eines Insektenhotels über den Sensen-Mähkurs bis zur Führung im igelfreundlichen Garten. Die Anlässe sind auf die ganze Stadt verteilt. Zu den Referenten zählt Christoph Küffer, Professor für Siedlungsökologie an der Hochschule für Technik in Rapperswil. «Siedlungsräume sind eine Chance für die Biodiversität», sagt er. In der Landwirtschaft würden oft Pestizide und Monokulturen die Artenvielfalt verringern. In den Siedlungsräumen sei die Biodiversität durch die bauliche Verdichtung zwar ebenfalls zunehmend bedroht. Gleichzeitig wachse jedoch das Bewusstsein, etwas dagegen zu tun. Was also können die Bewohner der Siedlungsräume zu Hause für die Artenvielfalt tun? Küffer nennt zunächst drei Ansatzpunkte, was zu vermeiden ist:

  • Auf Pestizide und Kunstdünger sollte man im Garten und auf dem Balkon verzichten.
  • Zu starke Beleuchtung in der Nacht schadet ebenfalls: Nachtaktive Tiere werden dadurch in ihrem Biorhythmus gestört und so geschwächt. Und: Glühwürmchen kommunizieren mit Licht. Bei künstlichem Licht verlieren sie die Orientierung.
  • Zu viele Katzen in einer Siedlung beeinträchtigen die Biodiversität. Denn Katzen sind Raubtiere, die auf viele kleinere Tiere losgehen.

Nicht zu sehr aufräumen

Daneben nennt der Siedlungsökologe auch positive Ansatzpunkte:

  • Gärten, in denen das ganze Jahr hindurch etwas blüht, bieten immer Nahrung für Insekten und Schmetterlinge. Dabei ist es sinnvoll, mehrheitlich auf einheimische Pflanzen zu setzen.
  • Der Rasen sollte nicht vor Mitte Juni gemäht werden. Am besten ist es, zumindest teilweise Blumenwiesen im Garten hoch wachsen zu lassen und erst nach der Blütezeit zu schneiden. Dafür ist die Sense das geeignete Werkzeug. Ganz schlecht für die Artenvielfalt sind Roboter-Rasenmäher.
  • Überhaupt sollte der Garten nicht allzu aufgeräumt sein. Totholz, verwilderte Sträucher und Bäume stellen wichtige Lebensräume dar.
  • Unversiegelte Böden sind für Regenwürmer und andere Bodenbewohner lebenswichtig. «Schottergärten sind der Tod der Biodiversität», sagt Küffer. Auch auf Bodenplatten sei zu verzichten. Sonst fänden beispielsweise Amseln zu wenig Nahrung.


Veranstalter des Festivals «Abenteuer Stadtnatur» ist der Verbund Lebensraum Zürich (VLZ), ein Dachverband diverser Vereine und Organisationen. Dessen Präsident ist Ueli Nagel, der vor seiner Pensionierung Umweltbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich unterrichtete. Er hat ebenfalls Tipps zur Förderung der Biodiversität auf dem Balkon oder im eigenen Garten auf Lager:

  • «Basteln Sie ein Insektenhotel», rät Nagel. Am einfachsten geht dies mit Holz, in das verschieden grosse Löcher gebohrt werden. Auch Röhren aus Stauden und etwas Sand bieten Nistplätze für Wildbienen. Für deren Nahrung sorgen beispielsweise Rosmarinsträucher oder Oregano sowie einheimische Wildpflanzen.
  • Der igelfreundliche Garten zeichnet sich dadurch aus, dass zumindest stellenweise Sträucher und Gräser hoch wachsen dürfen. Zudem bieten Stein- und Asthaufen dem Igel passenden Lebensraum. Und: Da und dort sollte mindestens ein faustgrosser Durchgang im Gartenzaun vorhanden sein.
  • Eine Kompostanlage bringt nicht nur nährstoffreiche Erde hervor und macht so Kunstdünger überflüssig. Sie trägt auch zum Lebensraum für Würmer, Mäuse, Blindschleichen und Eidechsen bei. Letztere schätzen zudem kleine Steinmauern.

«Insekten und Kleintiere sind die Basis der Nahrungspyramide», gibt Nagel zu bedenken. «Viele Vögel leben von Insekten.» Nicht nur die Vielfalt, auch die Masse der Insekten habe in der Schweiz stark abgenommen. Um die Fortpflanzung der Vögel zu unterstützen, seien daher Nistkästen sinnvoll – am besten in nicht zu stark ausgeputzten Gärten. Auch auf das menschliche Konsumverhalten komme es an: «Wer Bioprodukte einkauft, trägt dazu bei, dass in der Landwirtschaft weniger Pestizide eingesetzt werde», sagt Nagel.