Limmattal-Säuliamt

Hier finden Tiere in Not ein Zuhause

Seit über 20 Jahren kümmert sich Heidi Illi um Kleintiere. Im Tierschutz Limmattal-Säuliamt beherbergt sie unter anderem 36 Hasen.

Beim Tierschutz Limmattal-Säuliamt kommen Tiere unter, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden. Die Verantortliche Heidi Illi appelliert an zukünftige Tierhalter, es sich zweimal zu überlegen, bevor sie sich ein Tier zulegten.

Aus der Transportbox ertönt ein leises Miauen. Drinnen sitzt ein schwarzes Katzenbaby, kaum grösser als eine Handfläche. Es hat einen stressigen Tag hinter sich, denn es kommt gerade erst an. Davor hat das Katzenbaby zusammen mit seiner Mutter auf der Strasse gelebt. Auch die Mutter wird in den nächsten Tagen nach Bonstetten zum Tierschutz Limmattal-Säuliamt zu Heidi Illi kommen. Sie ist Vorstandsmitglied und Verantwortliche für die Auffangstation.

Dort wird die kleine Katzenfamilie nun mit 36 Kaninchen, 4 Meerschweinchen, 1 Hund, 2 Ziegen und 5 weiteren Katzen leben. «Hier haben sie es gut, wir haben viel Freilauf
und Natur», sagt Illi. Egal, wo man hinschaut, überall stehen Ställe in verschiedenen Grössen und Farben. Draussen im Garten stehen Ställe mit mehreren Hasenfamilien. Einige der Hasen wurden in den Ferien ausgesetzt. Das sei kein Einzelfall, so Illi. «Ich befürchte jedes Jahr, dass in den Ferien mehr Tiere ausgesetzt werden. Immerhin wollen die Leute dann weg und haben keine Zeit für ihre Haustiere.»

Jedoch sei die Situation hierzulande nicht mit dem Ausland zu vergleichen. Allzu oft passiere es nicht, dass Tiere einfach am Strassenrand ausgesetzt werden. «Das sind Einzelfälle – doch leider passiert es ab und zu», sagt Illi. Letztes Jahr habe sich die Polizei bei ihr gemeldet, weil ihnen ein Hase im Wald zugehoppelt sei. «Der Kleine ist jetzt bei mir. So ganz allein im Wald hätte er verhungern können», klagt sie. Viele der Besitzer seien unverantwortlich. Illi zeigt auf einen der Ställe, in dem ein langhaariger Hase an einem Rüebli kaut: «Der Kleine wurde gemästet. Die Besitzerin hat ihm immerzu Leckerlis gegeben und dementsprechend sah der Hase dann auch aus.»

Auch das Katzenbaby schaut dem Hasen interessiert zu. Mit grossen Augen nähert es sich dem Stall und versucht mit der Pfote den Hasen zu berühren. «Es ist immer speziell, ein neues Tier im Haus zu haben», sagt Illi. Doch das Haus in Bonstetten soll die vielen Tiere nur vorübergehend beherbergen. «Sie sollen natürlich weitervermittelt werden und ein tolles Heim kriegen – das ist aber schwierig, weil die meisten krank und angeschlagen sind», erklärt Illi. Nur die Katzen, der Hund und die Ziegen bleiben fest bei ihr und ihrem Mann in Bonstetten. «Das sind unsere Haustiere – die werden nicht weitervermittelt.»

Die Besitzer unterschätzen die Arbeit, die ein Haustier bringt

Die Ziegen waren schon in Glanzenberg in Dietikon bei Heidi Illi. Bis Ende 2016 war die Auffangstation dort auf einer Wiese zwischen der Limmat und den SBB-Geleisen. «Aus gesundheitlichen Gründen mussten wir dann zu mir nach Bonstetten zügeln», sagt Illi. Ihr Haus sei zwar der perfekte Platz für die Tiere, jedoch sei der Verein dadurch vom Radar verschwunden. «Früher waren wir gut sichtbar, jetzt ist das anders.» Das habe sich bemerkbar gemacht: «Die Mitgliederzahl ist leider gesunken.» Und gerade das sei ein grosses Problem, da Heidi Illi auf Spenden angewiesen ist. Die gelernte Maschinenzeichnerin arbeitet schon lange nicht mehr in ihrem eigentlichen Beruf. Sie kümmert sich ausschliesslich um ihre Tiere. «Der Verein lebt von den Beiträgen und den Spenden der Leute – ohne sie könnten wir das hier nicht machen», sagt Illi.

Und «das hier» erfordert viel Arbeit: «Fast alle Ställe sind voll. Wir haben immer einen Notfall-Stall, der leer ist – für alle Fälle.» Die Hasen und Meerschweinchen müssen mehrmals am Tag gepflegt, gefüttert, versorgt und bespielt werden. Das würden die Menschen oft vergessen. «Die Leute unterschätzen es, wenn sie sich ein Tier zulegen. Das erledigt sich nicht von selber. Ich wäre froh, wenn die Leute es sich zweimal überlegen würden, bevor sie sich ein Tier zulegen.» Heidi Illi rümpft die Nase. Das Thema belaste sie. Sie spricht auch von Fällen, in denen die Besitzer drohen, den Tiere etwas anzutun, wenn keiner sie übernimmt. Illi hat in den über 20 Jahren im Tierschutz schon viel gesehen und erlebt. Erpressungen und Aussetzungen, aber auch Besitzer, die zurückgeschreckt sind, als sie erfahren haben, dass sie einen Beitrag an die Auffangstation zahlen müssen, wenn sie ihr Tier abgeben. Für Illi ist das unverständlich: «Es macht mich traurig zu sehen, wie verantwortungslos Menschen sein können.»

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