Es ist eine intensive Woche für Simon Schelling. Der Dietiker Handballtorhüter trainiert gegenwärtig für die Playoff-Viertelfinals, die für seinen Club Pfadi Winterthur am kommenden Dienstag beginnen. Dann treffen die Winterthurer als Ranglistenzweiter auf den Tabellensiebten Kriens-Luzern. Gegen die Luzerner haben die Winterthurer in der Saison einmal gewonnen und einmal unentschieden gespielt. Sie sind favorisiert. «Klar, es ist ein gewisser Druck da», sagt Schelling. «Aber ich denke, wir sind gut genug, um Kriens-Luzern zu schlagen. Wir müssen einfach unser Spiel durchziehen.»

Für Schelling ist es die erste Teilnahme in den Playoffs in der Nationalliga A. Und wie fühlt er sich vor seiner Premiere? «Ich bin schon etwas nervös», sagt er, «aber die Vorfreude ist auch sehr gross.» Nun gelte es, die richtige Balance zwischen Nervosität und Vorfreude zu finden. «Etwas Anspannung muss sein», sagt Schelling, «sonst geht es nicht. Aber zu angespannt darf man auch nicht sein.»

Ganz entspannt kann Schelling dagegen den Freitagmorgen angehen. Dann ist er beim sogenannten Handballsportmorgen dabei, der im Dietiker Schulhaus Steinmürli stattfindet. Es ist die zweite Ausgabe dieses Projektes, das er mitinitiiert hat. Die erste fand im vergangenen Monat in Urdorf statt und lockte rund 100 Kinder an. Beim Handballsportmorgen können Schulklassen einen Morgen lang Handball ausprobieren. «Das Ziel ist, dass der Handballsport im Limmattal verbreitet wird», sagt Schelling.

Doch woher nimmt er überhaupt die Zeit, einen solchen Anlass mitzuorganisieren? «Wir haben eine Vorlage erarbeitet, die wir jeweils anwenden können», sagt der 24-Jährige. «Deshalb ist der Aufwand nicht gross.»

Turbulenzen im Januar

Für Schelling ist der Handballsportmorgen also keine zusätzliche Belastung. Im Gegenteil: «Gerade vor den Playoffs ist so ein Anlass eine willkommene Abwechslung», so Schelling. «Es tut einem gut, die Unbeschwertheit der Kinder zu sehen.»

Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm also für Schelling. Einen Sturm haben Schelling und seine Teamkollegen auch schon früher in dieser Saison erlebt. Allerdings nicht aus sportlichen Gründen. Pfadi Winterthur gab Mitte Januar bekannt, in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, nachdem der Club über mehrere Jahre Schulden in Millionenhöhe angehäuft hatte. Den Winterthurern fehlten im Januar laut eigenen Aussagen 400 000 Franken, um die gegenwärtige Saison zu Ende spielen zu können. Hätte das Geld nicht bis Ende März aufgetrieben werden können, hätte man sogar um die Existenz des Vereins bangen müssen. «Das war natürlich keine einfache Situation», sagt Schelling. «Andererseits mussten wir Spieler uns auf den Spielbetrieb konzentrieren. So gesehen war das für uns nicht so belastend.»

Den Druck spürte vielmehr die Clubleitung, die reagierte und im Rahmen der Kampagne «PFADI4ever» Geld über Crowdfunding und verschiedene Aktionen sammelte. Bei diesen waren auch die Profispieler involviert, unter anderem eben Schelling. «Damit haben wir Spieler unseren Teil beigetragen», sagt der 24-Jährige.

Die Massnahmen wirkten: Ende März konnte der neunmalige Schweizermeister Entwarnung geben, Pfadi hatte das Geld zusammen. Damit ist zumindest die laufende Saison gerettet.

Die Geschehnisse hatten laut Schelling auch ihr Gutes: «Der Verein ist näher zusammengerückt.» Und die Winterthurer können sich wieder aufs Sportliche konzentrieren. Da haben sie hohe Ziele. «Wir würden gerne im Kampf um die Meisterschaft ein Wort mitreden», sagt Schelling. «Dafür werden wir alles geben und an unser Limit gehen.»