Weil der kantonale Ombudsmann Thomas Faesi Ende August in Pension geht, muss der Kantonsrat schon vor den Sommerferien eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger wählen, um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen. Die Geschäftsleitung (GL) des Kantonsrates hat kürzlich eine fünfköpfige Findungskommission eingesetzt, präsidiert von AL-Kantonsrat Markus Bischoff. Der Kommission gehören Roman Schmid (SVP), SP-Fraktionschef Markus Späth, Ann Barbara Franzen (FDP) und BDP-Fraktionschef Marcel Lenggenhager an. Ihre Aufgabe ist es, die offizielle Stellenausschreibung vorzunehmen, die eingehenden Dossiers zu beurteilen und der GL Wahlvorschläge zu machen. Am Ende wählt das Plenum des Kantonsrates.

Der Job, den der Kantonsrat zu vergeben hat, ist sehr attraktiv. Zum einen lockt die spannende Arbeit und das Prestige des Ombudsmannes, zum andern ist der Job mit rund 250'000 Franken Jahreslohn auch gut bezahlt. Entsprechend zahlreich sind jeweils die Bewerbungen. 2007, als Thomas Faesi gewählt wurde, gingen 54 Dossiers ein. Dieser machte das Rennen übrigens gegen zwei Frauen, unter ihnen Viviane Sobotich (SP), heute Ombudsfrau in der Stadt Winterthur. Die SVP stellte bis jetzt bereits zwei Ombudsmänner in Folge. Faesis Vorgänger war der heutige Baudirektor Markus Kägi. Vor ihm wirkte der CVP-Mann Adolf Wirth 18 Jahre – als erster Ombudsmann im Kanton.

Zwei Ämter im Visier

Die SVP würde als grösste Partei nun auch gerne den vierten Ombudsmann stellen und hat auch schon einen chancenreichen Bewerber: Jürg Trachsel, Fraktionschef im Kantonsrat, von Beruf Anwalt und Mediator. «Ich werde mich bewerben», sagt er auf Anfrage. Seine Partei hat eine eigene Findungskommission lanciert und in ihrem Parteiorgan bereits vor zwei Wochen ein Stelleninserat lanciert mit der Aufforderung, die Dossiers bis am 16. März einzureichen. Trachsel hält sich für geeignet, weil er nicht nur Anwalt und Mediator sei, sondern auch 12 Jahre in der Gemeindeexekutive von Richterswil wirkte.

Er macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er – im Falle einer Nichtwahl als Ombudsmann – auch gerne Regierungsrat würde, sollte sich Gelegenheit dazu bieten. Dass diese im Frühjahr 2019 kommt, ist ziemlich sicher, weil Regierungsrat Kägi vor dem Pensionsalter steht. Trachsel muss dann allerdings mit parteiinterner Konkurrenz von nationalen Grössen rechnen. Darum wäre es riskant, jetzt schon alles auf die Karte Regierungsrat zu setzen und die Chance als Ombudsmann fahren zu lassen. «Mich interessieren beide Ämter», gibt Trachsel unumwunden zu.

Für FDP-Fraktionschef Thomas Vogel, ebenfalls Jurist, ist der Fall klar: «Ich bewerbe mich nicht als Ombudsmann.» Er findet, nach zwei SVP-Ombudsmännern in Folge müsste nun eine andere Partei zum Zug kommen – am liebsten natürlich die eigene oder jedenfalls eine andere bürgerliche. Parteiintern hat er dazu aufgerufen, zu kandidieren. Schon abgesagt hat allerdings Kantonsrätin und Anwältin Sonja Rueff-Frenkel. Sie sei mit Beruf, Job und Familie bereits voll ausgelastet, schreibt sie auf Anfrage. Ist Vogel ebenfalls wie Trachsel an einem Regierungsamt interessiert? Er äussert sich dazu nur ausweichend, weil es derzeit keine Vakanz gebe. Vogel lässt aber durchblicken, dass er wie schon 2014 nicht abgeneigt wäre. Damals stand ihm die heutige Regierungsrätin Carmen Walker Späh vor der Sonne.

SP-Stellvertreter sagt ab

Nicht bewerben will sich der jetzige stellvertretende Ombudsmann Bernhard Egg. Der 59-jährige Jurist und ehemalige SP-Kantonsrat, der auch als Kirchenrat bei den Reformierten arbeitet, sagt, er wolle lieber Stellvertreter bleiben – auch in Anbetracht seines Alters.
SP-Fraktionschef Späth zweifelt nicht daran, dass seitens der SP-Kandidaturen eingehen werden, sobald die offizielle Ausschreibung startet. Er findet, es wäre an der Zeit, dass seine Partei zum Zuge käme. Bisher musste sie sich mit Stellvertreterposten zufrieden geben.

Eine parteiinterne Findungskommission wie die SVP will die SP aber nicht einsetzen. 2007 tat dies die SP – worauf der damalige SVP-Kantonsrat und heutige Nationalrat Alfred Heer (SVP) prompt gegen diese Parallelorganisation protestierte.