Drogen

Kokain im Denner-Sack, die Kinder auf dem Rücksitz — Landesverweis für Drogenkurier?

Der Mann kam sofort in Untersuchungshaft und blieb während fast neun Monaten dort. (Themenbild)

Der Mann kam sofort in Untersuchungshaft und blieb während fast neun Monaten dort. (Themenbild)

Im Juli 2018, als die Polizei das Auto einer Schaffhauser Familie durchsuchte, wurde Kokain in einer Denner-Einkaufstasche gefunden. Wieder stellte sich vor Gericht die Frage: Landesverweis für einen Drogenkurier? Oder ist es ein Härtefall?

Als die Polizei das Auto der Schaffhauser Familie im Juli 2018 in Winterthur einer Kontrolle unterzog, zeigte sich folgendes Bild: Die Frau lenkte den Wagen. Die drei Kinder sassen auf der Rückbank in Erwartung eines Zoobesuchs. Und der Vater und Ehemann, ein Nigerianer, war auf dem Beifahrersitz, zu seinen Füssen eine Denner-Einkaufstasche voller sogenannter Fingerlinge mit Kokain drin.

Der Mann kam sofort in Untersuchungshaft und blieb während fast neun Monaten dort. Die Ehe geriet in eine Krise, die Kinder wuchsen weiter und sind heute zwölf, sieben und fast drei Jahre alt.

Nun stand der Vater, Ehe- und Hausmann als Drogenkurier vor dem Bezirksgericht Winterthur. «Yes, I did it», sagte er zu dem, was man ihm vorwarf. Einige Male habe er solche Kokainfingerlinge ausgeliefert an Abnehmer in der Schweiz, insgesamt rund 1,5 Kilo reines Kokain.

Seine Auftraggeber waren Landsleute, denen er Geld schuldete. Er hatte sich von ihnen 9000 Franken geliehen, um nach Nigeria zu fliegen und seinem diabetes- und krebskranken Vater einen Spitalaufenthalt zu ermöglichen.

All das wurde vor Gericht nicht infrage gestellt. Die grosse Frage war; wird der Mann des Landes verwiesen? Für den Staatsanwalt war dies keine Frage: Es liege eine sogenannte Katalogtat vor, und um einen Härtefall gehe es nicht. Der Verteidiger sah hingegen einen Härtefall vorliegen: Der Tätersorge fürs Familienleben und sei die engste Bezugsperson der Kinder. Durch einen Landesverweis würden primär die Kinder bestraft.

Das Gericht folgte im Wesentlichen dem Staatsanwalt: vier Jahre Gefängnis unbedingt, fünf Jahre Landesverweis. Die Vorsitzende sagte zwar, die Kinder hätten «ein Recht auf Familienleben» und dieses könne kaum in Nigeria stattfinden. Denn dort sei die Kriminalität hoch, die Versorgungslage schlecht. Doch gelte es den Drogenhandel einzudämmen und die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten. Dies habe zum Resultat geführt: «Sie müssen die Schweiz verlassen.» Der Verteidiger will das Urteil anfechten.

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