Im Stall schien sich die ganze Hitze des Tages gesammelt und angestaut zu haben, fast schon infernalische Verhältnisse. Trotzdem drängten sich darin über ein Dutzend Personen. Sie hatten aber auch einen guten Grund dazu: Nach über 15 Jahren ging am Freitag das vorläufig letzte Konzert im Dietiker Kulturstall Fondlihof über die Bühne. Und es entschädigte reichlich für die Strapazen. Das Trio Ruedi Häusermann (Blasinstrumente), Marco Käppeli (Bass) und Claude Meier (Schlaginstrumente) liess sich von der Hitze nicht aus dem Konzept bringen.

Es spielte nicht nur einen erstklassigen, sondern einen absolut einzigartigen Jazz. Ausgehend von einfachen Melodien traten die Musiker weitläufige musikalische Wanderungen an. Nicht selten schienen sie dabei diesen Planeten zu verlassen und die Winkel exotischer Klangwelten zu erkunden.

Gleich ob sie gerade einen Gasnebel durchstreiften oder – die Klänge stark zerdehnend – um ein schwarzes Loch zu rotieren schienen: Stets hatten sie bei ihren Wanderungen ein bisschen Schweiz im Rucksack. So konnte man während der abenteuerlichen Expeditionen Fetzen von Kinderliedern hören oder mal hier, mal dort das Bimmeln von Kuhglocken vernehmen. Indem sich das Trio musikalische Ideen zuspielte und kongenial zusammen entwickelte, entstand eine packende Kunst des Augenblicks. Sie hielt nicht zuletzt die Musiker selbst in Atem, die sich ob der neu gefundenen Pfade immer wieder freudig-verblüfft ansahen.

Der Bass kann auch eine Trommel sein

Dabei schien sich das Trio noch über die Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente hinauszusehnen. So kam der Bass auch mal als Trommel zum Einsatz oder eine Stimme vermischte sich verfremdend mit dem Klarinettenklang. Schniefend, brummend und naserümpfend konnte das dann klingen.

Als am Schluss eines Stückes zufällig ein Hund zu hecheln begann, hätte man dieses Hecheln ohne weiteres als Fortsetzung der Musik begreifen können. «Es ist eine ganz eigene Klangwelt», kommentierte nach dem Konzert Ruedi Häusermann. «Mehr als die Hälfte davon ist improvisiert. Immer wieder werfen wir Geplantes über den Haufen. Dabei versuchen wir aber stets aufeinander zu hören und miteinander sozusagen ein Gespräch zu führen. In gewissen glücklichen Momenten kann man dann kaum glauben, wie gut alles zusammenstimmt.»

Das Publikum war vom Konzert sehr angetan. Hans Martin Ulbrich aus Zürich sagte: «Das Trio war kreativ und stellte nicht sich, sondern die Musik in den Vordergrund.» Zum vorläufigen Ende des Kulturstalls meinte er: «Es ist immer ein Kommen und Gehen, genauso wie im Leben.» Ines Bauer aus Zürich zeigte sich angesichts des Endes des Kulturstalls etwas wehmütig: «Diese Art, Kultur in einem alltäglichen Raum zu erleben, ist für mich eine besonders schöne Erfahrung. Einerseits finde ich es schade, wenn das nun aufhört, und ich wünsche mir, dass es in irgendeiner Weise fortgeführt wird. Andererseits», so sagte sie, «müssen auch die schönsten Geschichten irgendwann ein Ende haben.»

Samuel Spahn, der zusammen mit seiner Frau Anita Le für den langjährigen Betrieb des Kulturstalls verantwortlich war, äusserte sich ebenfalls positiv über das Konzert: «Es war ein wunderschöner Abschluss: witzig, überraschend und sehr passend zum Ort.» Darauf angesprochen, ob es nun wirklich das letzte Mal gewesen sei, bestätigte er: «Ich höre nun wirklich auf als Veranstalter. Wir haben den Betrieb verpachtet und wollen ihn in absehbarer Zeit verkaufen.» Aber: «Der Raum bleibt bestehen, und vielleicht gibt es Leute, die hier wieder etwas veranstalten wollen.»