Stäfa

Missbrauchsvorwürfe: Hortmitarbeiter wird entlastet

Die Untersuchung zeigt auf, dass der beschuldigte Mitarbeiter zwar im Umgang mit Nähe und Distanz nicht immer die notwendige Sensibilität gezeigt habe, aber dass die im Februar bekannt gewordenen Vorfälle eben nicht strafrechtlich relevant sind. (Symbolbild)

Ein Mitarbeiter des Kinderhorts Mikado in Stäfa hat sich im Umgang mit Kindern nichts strafrechtlich Relevantes zu Schulden kommen lassen. Die Schule Stäfa will trotzdem die Hortstrukturen professionalisieren.

Die Stäfner Schulpräsidentin Cristina Würsten (FDP) ist erleichtert. In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Vorwürfe eines möglichen sexuellen Missbrauchs im Kinderhort «Mikado» die Schulbehörden auf Trab gehalten. «Es freut mich, dass nichts gewesen ist», sagt Würsten. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch eine externe Administrativuntersuchung hatten die Vorwürfe gegen einen Hortmitarbeiter abgeklärt.

Die Untersuchung zeigt auf, dass der beschuldigte Mitarbeiter zwar im Umgang mit Nähe und Distanz nicht immer die notwendige Sensibilität gezeigt habe, aber dass die im Februar bekannt gewordenen Vorfälle eben nicht strafrechtlich relevant sind. Die Vorwürfe einer «Turnübung» mit dem 12-jährigen Mädchen oder ein Gespräch hinter verschlossener Tür hätten tatsächlich stattgefunden. «Allerdings waren andere Mitarbeitende über das Gespräch informiert», sagt Würsten. Nicht erhärten konnte die Untersuchung den Vorwurf, der Betreuer habe die Brüste des Mädchens berührt. «Dazu gibt es widersprüchliche Aussagen.»

Der Betreuer hat sich entschieden, nicht mehr für die Schule Stäfa weiter zu arbeiten. Er war während der Untersuchung bereits krankheitshalber abwesend. «Wir hätten ihn weiterbeschäftigt», sagt Würsten. Die fehlende Sensibilität bei Nähe und Distanz hätte man weiterbilden können, meint die Schulpräsidentin. Nicht zuletzt, weil der Mitarbeiter durch die Untersuchungen seine Lehren daraus gezogen habe.

Schule muss sich verbessern

Die externe Administrativuntersuchung zeigt auch für die Schule Stäfa Handlungsbedarf auf. Die Professionalisierung der schulergänzenden Betreuung muss vorangetrieben werden. «Uns fehlen noch gewisse Konzepte», sagt die Schulpräsidentin. Bereits angepackt worden sei ein Präventionskodex. Darin geregelt werde der Umgang mit Nähe und Distanz, das Fotografieren von Kindern im Hortalltag oder die Frage, was man mache, wenn Kinder im Hort «Doktorspiele» ausführen. Man habe eine erste Version abgenommen, werde den Kodex aber nach Feedbacks der Mitarbeiter und den Inputs aus der Administrativuntersuchung im Sommer nochmals präzisieren. Der Kodex soll danach in den Grundzügen auch publiziert werden. Weil man die erste Version unter hohem Zeitdruck erarbeitet habe, will die Schule Stäfa den Kodex zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht offenlegen. Auch die Administrativuntersuchung will die Schule mit Hinweis auf die Privatsphäre der Betroffenen nicht aktiv publizieren.

Einige Details nennt Würsten aus dem Kodex aber dennoch: Sie macht etwa deutlich, dass es richtig ist, in gewissen Situationen mit Kindern unter vier Augen zu sprechen. Der Kodex lege aber fest: «Wenn man solche Gespräche führen will, muss man das mindestens gegenüber einer oder einem Mitarbeitenden kommunizieren.»

Leitungsstelle geschaffen

Dass die Hortbetreuung in der Gemeinde professionalisiert werden muss, hat die Schule bereits früher bemerkt. 2017 habe eine Analyse über die Schulorganisation ergeben, dass die stetig wachsende und komplexere schulergänzende Betreuung bessere Strukturen brauche. Daraufhin seien das entsprechende Stellenprofil erarbeitet worden. Im August 2018 hat die Gesamtleitung der Mikado-Horte ihre Arbeit aufgenommen. Im September 2018 beobachteten Mitarbeitende beim Betreuer und dem Mädchen erstmals ein ihm später vorgeworfenes «Begrüssungs- und Umarmungsritual». Innerhalb eines Monats könnten natürlich neue – und gar zu erarbeitende – Konzepte und Massnahmen noch nicht greifen, meint Würsten.

Schule sucht Gespräch

Der Schule Stäfa sei es wichtig, dass bei der Arbeit mit Kindern stets kritisch hingeschaut wird. Der Kodex lege fest, dass die Vorgesetzten bei Vorfällen oder Beobachtungen informiert werden sollen. Die Administrativuntersuchung attestiere der Gemeinde aber grundsätzlich, dass das Vorgehen schon in diesem Fall korrekt war. Mit den Mitarbeiterinnen, welche die Vorfälle meldeten, will die Schule ein Gespräch führen, um auch deren Befindlichkeit nach Abschluss der Untersuchungen abzuholen. Ob die massiven Vorwürfe an den Hortmitarbeiter für sie Konsequenzen haben, lässt Würsten offen. «Geplant ist aber derzeit nichts.»

Ob der Mitarbeiter selbst juristische Schritte gegen die Mitarbeiterinnen oder die Vertrauensperson, welche die Gerüchte gegen ihn – auch medial – in die Welt gesetzt haben, einleitet, ist noch offen. Seine Rechtsanwältin, Tanja Knodel, will nicht per se verhindern, dass sich Mitarbeiter mit Verdachtsmomenten bei Vorgesetzten oder der Polizei melden. «Schwierig wird es für mich aber, wenn eindeutig nicht sexuell motivierte Handlungen als solche bei der Polizei angezeigt werden.» Die Vertrauensperson der Mitarbeiterin, welche die Vorwürfe publik gemacht hatte, liess mehrere Anfragen dieser Zeitung am Freitag unbeantwortet.

Auch wenn die Untersuchung den Mitarbeiter entlastet, ist die Gemeinde in der Bewertung der Vorfälle zwiegespalten. «Wir haben sehr viel gelernt», sagt Schulpräsidentin Cristina Würsten. Sie bedauert vor allem, dass der Fall in die Medien gelangt ist und dadurch dem betroffenen 12-jährigen Mädchen wie auch dem Mitarbeiter geschadet wurde. Aber: «Der Fall hat uns ein weiteres Mal bestätigt, dass der eingeschlagene Weg der Professionalisierung der schulergänzenden Betreuung richtig ist».

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