Geroldswil

Namenswirrwarr um Patentier: Warum Wolf Geri nicht mehr Geri heissen darf

Geroldswil darf dem Mongolischen Wolf im Zoo Zürich keinen Namen geben.

Geroldswil darf dem Mongolischen Wolf im Zoo Zürich keinen Namen geben.

Der Zoo Zürich benennt seine Tiere nach klar definierten Kriterien. Daher duldet er die Namensgebung des Geroldswiler Gemeinderats nicht.

Mit dem Namen Geri wird ein Wolf in der nordischen Mythologie bezeichnet. Dass Geroldswil ihren Patenwolf ebenso Geri getauft hat, dürfte ein amüsanter Zufall sein. Der Gemeinderat übernahm im Februar eine Patenschaft für einen Mongolischen Wolf, der im Zoo Zürich lebt. Mit einem Betrag von 900 Franken im Jahr wird das Futter des Tieres gesponsert. Passend zum Gemeindenamen taufte man den Wolf Geri. Damit tappte der Gemeinderat jedoch in ein Fettnäpfchen. Die Benennung des Tiers kommt beim Zoo Zürich nämlich nicht gut an.

«Die Gemeinde Geroldswil hat ihre Patenschaft etwas eigenwillig , wenn auch kreativ interpretiert», sagt Rita Schlegel, Public Relations Managerin des Zoo Zürich, auf Anfrage. Man freue sich über den Enthusiasmus, den die Geroldswiler für ihren Wolf aufbringen würden. «Eine Patenschaft im Zoo Zürich hat allerdings nichts zu tun mit einem Recht auf Namensgebung», betont Schlegel. Die Namen würde der Zoo selber vergeben. Dabei folgt er genau definierten Kriterien. Man orientiert sich am Anfangsbuchstaben nach Jahr. Berücksichtigt wird zudem der Bezug zum ursprünglichen Lebensraum.

Die Patenschaft ist zeitlich begrenzt

Der Zoo verzichtet auch auf eine externe Namensvergabe, weil die Patenschaft zeitlich begrenzt ist. «Eine Patenschaft hat jeweils für ein Jahr Gültigkeit und stellt keine lebenslange Unterstützung des Tiers dar», sagt Schlegel. Diese Regeln seien für alle der zahlreichen Tier- und Pflanzenpaten gleich.
Geri darf deshalb nicht mehr Geri heissen. Doch welchen Namen trägt der Geroldswiler Wolf denn tatsächlich? «Unsere Mongolischen Wölfe heissen Laijla, Khentii, Samija, Sonam und Sukh», sagt Schlegel. Eine Wolfspatenschaft unterstütze eines der Tiere, aber kein spezifisches. Tierspezifische Patenschaften würden nur bei ausgewählten Tierarten, zum Beispiel beim Asiatischen Elefanten, vergeben.

Der Geroldswiler Gemeinderat reagierte auf den Rüffel des Zoos. Eineinhalb Monate nach Bekanntgabe der Patenschaft sucht man auf der Gemeinde-Website vergeblich nach dem Eintrag zum Wolf. Zum Namenswirrwarr will er sich nicht äussern. Von den vier Zoo-Zürich-Jahresbilletten, die der Gemeinderat gleichzeitig mit der Patenschaft besorgte, kann die Bevölkerung derzeit nicht profitieren. Der Zoo bleibt in Coronazeiten bis auf Weiteres geschlossen. Und auch digital haben die Geroldswiler derzeit nichts von ihrem Patentier. Eine Webcam im Wolfsgehege gibt es nicht.

Autor

Sibylle Egloff

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