Unweit des Schulhauses Reitmen fuhren diese Woche erneut die Bagger auf. Gebaut wird jedoch nicht am erst im September eingeweihten Schulbau, sondern einige Meter weiter westlich. Genau geht es dabei um die zweitletzte Parzelle, die im Rahmen des Gestaltungsplans Schlieren West bebaut werden kann. Das Areal gehört den Anlagestiftungen Turidomus und Adimora, die für zwischen 90 und 100 Millionen Franken die Stadtsiedlung Reitmen, so der Name des Projekts, bauen. Auf dem 20 000 Quadratmeter grossen Gebiet entstehen 177 Wohnungen für rund 350 Bewohner.

Derzeit werde das Gelände für die Bauarbeiten vorbereitet, sagt Michel Schneider. Er ist stellvertretender CEO und Portfoliomanager bei der Pensimo Gruppe, zu der die Anlagestiftungen gehören. Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, wird eine teilweise Altlastensanierung vollzogen und eine Schutzmauer Richtung Norden zu den Bahngleisen erstellt. Noch bis vor rund anderthalb Jahren wurde auf diesem Gelände mit Autos gehandelt. Für nationale Schlagzeilen sorgte die Parzelle in Schlieren West im Jahr 2013, als ein Grossbrand für Aufregung sorgte. Wegen diesem musste der Zugverkehr unterbrochen werden. Die Rauchsäule des Grossbrandes war weit über die Grenzen der Region zu sehen und er richtete einen Schaden von rund 100 000 Franken an.

Ein Haus auf Stelzen

Ab kommendem Frühling entsteht dann Grosses: «Herz des Areals wird das erhöhte, im Zentrum des Gebiets liegende Wohngebäude. Da dieses quasi auf Stelzen steht, bietet es einen überdachten Aussenraum für die Bewohner», so Schneider. Im Inneren werden unter anderem Clusterwohnungen erstellt, die sich gut für Wohngemeinschaften eignen. Zwei langgezogene Gebäude entlang der Gleise sind reine Wohnbauten, die durch eine drei Meter hohe Lärmschutzwand gegen Norden geschützt sind.

Neben Wohnungen sollen in den sechs unterschiedlich grossen und hohen Gebäuden auch Gewerbeflächen entstehen. Jener Bau entlang der Badenerstrasse ist nur dreigeschossig und verfügt im Parterre über sieben Ateliers mit Schaufenstern. Im östlichen Gebäude hat es im Erdgeschoss Büros der Hauswartung, eine Werkstatt für Bewohner und Platz für Läden, Büros und Praxen. In den Obergeschossen sind ebenfalls Wohnungen. Im Haus 1, einem eingeschossigen Holzgebäude, gibt es in den fünf Meter hohen Hallen Platz für sechs Geschäfte oder Gewerbebetriebe. Das Projekt «Schwarm» der Architekten Haerle Hubacher ging aus dem Studienauftrag mit 20 Teams als Gewinner hervor.

Preise sind noch offen

Nun geht alles Schlag auf Schlag: Nachdem die Vorbereitungsarbeiten vollendet und die Schutzmauer erstellt ist, geht es im Frühjahr 2018 mit den Bauarbeiten los. Ein Jahr später starte man mit der Vermarktung und im Sommer 2019 ist die Aufrichte geplant. Ein Jahr später sollen Wohnungen und Gewerberäume bezugsbereit sein.

Zu welchen Preisen die Wohnungen dereinst vermietet werden, könne man noch nicht sagen, so Schneider. Fest steht jedoch: «Luxuswohnungen wären an diesem Standort eine Fehlplanung.» Die Preise würden sich aber auf einem für Neubauten vergleichsweise günstigen Niveau bewegen. Die Herausforderung habe darin bestanden, an diesem nicht ganz einfachen Standort ein attraktives Wohnumfeld zu schaffen, führt Schneider aus. Einen grossen Vorteil ortet er darin, dass ab 2022 das Gebiet mit der Tramhaltestelle Reitmen direkt an die Limmattalbahn angeschlossen ist.

Erst vergangenes Jahr wurde bekannt, dass die AXA Winterthur, die das benachbarte Gelände entwickeln wollte, ihr Projekt sistierte. Es wurde bereits ein Architekturwettbewerb durchgeführt und ein Sieger erkoren. Doch die AXA Winterthur stoppte das Projekt mit der Begründung, dass die Absorptionszeit, also die Dauer zwischen Fertigstellung und Vermietung der Wohnungen, zu lange sei. Auch fanden Gespräche mit der Stadt statt, welche das Areal für den Bau eines Alterszentrums ins Auge fasste. Dieses soll nun aber im Zentrum unweit des Geissweid-Platzes erstellt werden. Die Versicherer aus Winterthur verkauften ihre Parzelle schliesslich an den Immobilienentwickler Ecoreal.

Man plane langfristig

Bei Schneider löst die Skepsis gegenüber der benachbarten Parzelle keine Besorgnis aus. «Ich bin zuversichtlich, dass es nicht mehr allzu lange geht, bis auch dort ein passendes Projekt umgesetzt wird», sagt er. In diesem Fall würden noch mehr Wohnungen auf den Schlieremer Immobilienmarkt gespült. Wird dieser bald gesättigt sein? «Vor fünf oder sechs Jahren war es sicherlich einfacher, Mieter für eine derart grosse Anzahl an Neubau-Wohnungen zu finden», sagt Schneider. Doch investierten die Anlagestiftungen auf langfristige Sicht und legten den Fokus bei ihren Projekten auf eine hohe Lebensqualität. «Ziel ist es, ein attraktives, lebendiges Quartier zu gestalten», so Schneider. «Das Zürcher Zollfreilager dient hier ein Stück weit als Inspiration, da dort für viele verschiedene Bewohner unterschiedliche Wohnungstypen gebaut wurden.»

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