Zürich

Palliative Pflege: Zürcher Kantonsrat unterstützt Idee eines Kinderhospizes für unheilbare kranke Kinder

Der Zürcher Kantonsrat unterstützt die Idee eines Kinderhospizes. In anderen Ländern gibt es bereits solche Einrichtungen für unheilbar kranke Kinder. (Symbolbild)

Der Zürcher Kantonsrat unterstützt die Idee eines Kinderhospizes. In anderen Ländern gibt es bereits solche Einrichtungen für unheilbar kranke Kinder. (Symbolbild)

Der Zürcher Kantonsrat unterstützt die Idee eines Kinderhospizes für unheilbar kranke Kinder, die palliative Pflege brauchen. Ein solches Angebot gibt es bisher nicht in der Schweiz. Nun muss sich der Regierungsrat damit befassen.

Im Zivildienst im Zürcher Waidspital wurde Nick Glättli bewusst, wie wichtig für todkranke Menschen ein guter Umgang mit ihrer Krankheit und ein würdevolles Sterben ist. Und er stellte fest: «Wir haben in der Schweiz  kein einziges Kinderhospiz, wo unheilbar kranke Kinder betreut werden können», so der 20-jährige Politik- und Wirtschaftsstudent gestern im Zürcher Kantonsrat. Mit einer Einzelinitiative will er dies ändern.  Sie wurde gestern vom Kantonsrat vorläufig unterstützt.

Glättlis Initiative verlangt, dass der Kanton Zürich ein Kinderhospiz für die palliative Begleitung und Pflege von unheilbar kranken Kindern mit kurzer Lebenserwartung schafft. Auch deren Familien sollen dort Unterstützung erhalten.  Mit dem Kinderspital habe Zürich für ein solches Angebot gute Voraussetzungen. Doch die nötige stationäre palliative Pflege könne nicht einfach in einem Akutspital angeboten werden, sagte Glättli.

«Ein Hospiz wäre eine wichtige Ergänzung»

Unterstützung erhielt er aus den Reihen von SP, GLP, Grünen und AL. Todkranke Kinder seien eine Zerreissprobe für die betroffenen Familien, sagte Brigitte Röösli (SP, Illnau-Effretikon), Co-Präsidentin der Patientenstelle Zürich. Und weiter: «Ein Hospiz wäre eine wichtige Ergänzung zu den jetzigen Angeboten.»

Wilma Willi (Grüne, Stadel) verwies auf eine Studie, wonach in der Schweiz etwa 5000 Kinder unter 18 Jahren palliativer Pflege bedürfen. In England sei bereits 1982 ein Kinderhospiz eröffnet worden, in Österreich 1999. Laut Glättli gibt es in Deutschland bereits 13 solche Einrichtungen.

Auch die Grünliberalen sprachen sich dafür aus, das Anliegen näher zu prüfen. Allerdings seien noch viele Frage offen, wie Nathalie Aeschbacher (GLP, Zürich) sagte. So wären die Schnittstellen mit bestehenden Institutionen wie dem Kinderspital zu klären, ebenso die Frage nach dem zahlenmässigen Bedarf – und nach den Kosten.

Klar gegen Glättlis Anliegen ist die SVP: «Die Initiative ist unnötig», sagte Lorenz Habicher (SVP, Zürich). Der Bedarf sei abgedeckt durch das Kinderspital, das Stadtzürcher Triemlispital, das Kantonsspital Winterthur, die niedergelassenen Ärzte und Institutionen wie die Spitex.

Ohnehin sei es in den meisten Fällen ein Bedürfnis der Kinder und ihrer Eltern, dass todkranke Kinder in ihrer vertrauten Umgebung sterben könnten, wie Habicher weiter sagte. Ausserdem könnte auch eine private Stiftung bei Bedarf ein entsprechendes Angebot schaffen.

Die CVP sei sich nicht einig, sagte Lorenz Schmid (CVP, Männedorf).  Seine Nachfragen bei verschiedenen Institutionen hätten ergeben, dass der Kanton vor allem bei den ambulanten Angeboten zulegen müsse. Statt gleich den Auftrag für die Schaffung eines Kinderhospizes zu erteilen, wäre es laut Schmid besser gewesen, durch ein Postulat zunächst die Ausgangslage zu klären.

Mit 79 Stimmen unterstützte der Kantonsrat Glättlis Einzelinitiative vorläufig. Nötig gewesen wären dafür 60 Stimmen aus dem 180-köpfigen Parlament. Nun muss der Regierungsrat einen Bericht und Antrag dazu erarbeiten, über den dann erneut das Parlament befinden wird.

Für Glättli ist offen, wie gross das von ihm geforderte Kinderhospiz sein müsste, wie er auf Anfrage sagte. Ein riesiges Haus brauche es wohl nicht, meinte der Student und Präsident der SP-Sektion Lägern.

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