Sie hat fünf Jahre lang im Limmatfeld gewohnt und ist auch heute noch regelmässig dort anzutreffen. Hedwig Fimian aus Unterengstringen kennt das Neubauquartier mit seinen Vor- und Nachteilen wie ihre Hosentasche. Aber an der Parkplatzsituation hat sie nach wie vor zu nagen. «So wie es jetzt ist, ist es einfach keine saubere Lösung», sagt sie zur Limmattaler Zeitung. Kürzlich war sie bei einer ihr bekannten Familie zu einem schönen Znacht eingeladen. Mit dabei war auch ihr Hund, den das Mädchen der im Limmatfeld wohnhaften Familie so liebt. So gastfreundlich wie die Familie ist, stand das Mädchen schon neben einem Parkplatz bereit, als Hedwig Fimian um 16 Uhr in die Limmatfeldstrasse einbog, und warf für den gern gesehenen Gast einen Zweifränkler in die Parkuhr. Die Gastgeberfamilie hätte dem Mädchen gerne einen Fünfliber für die Parkuhr in die Hand gedrückt. Doch bringt das nichts. Denn die maximale Parkzeit beträgt zwei Stunden. Mehr als zwei Franken darf man gar nicht zahlen – ausser am Sonntag und zwischen 20 und 8 Uhr.

Um 18 Uhr war der schöne Abend noch nicht zu Ende, aber die Parkzeit abgelaufen. So ging Hedwig Fimian nach unten, parkierte das Auto um und warf auch bei der Parkuhr des neuen, zweiten Parkplatzes die zwei Franken für die maximale Parkzeit ein. Kurz vor 20 Uhr machte man sich an die Verabschiedung. Was unter guten Bekannten nach einem schönen Abend gerne mal länger dauern kann, sieht man sich doch nicht alle Tage.

«Viele Leute nerven sich»

Als Fimian gegen 20.10 Uhr beim Auto eintraf, lag dann schon ein Zettel unter dem Scheibenwischer: 50 Franken Umtriebsentschädigung forderte die Winterthurer Firma, die das private Parkplatzregime kontrolliert. «Natürlich habe ich die Zeit überschritten, dazu stehe ich. Aber ich hätte noch so gerne mehr Geld eingeworfen, doch leider geht das nicht», sagt Fimian.

Sie äussert grundsätzliche Kritik an der Art, wie die gelben Parkplätze bewirtschaftet werden. «Das Limmatfeld hat sowieso bei vielen einen schlechten Ruf. Wenn man dann auch noch so mit den Besuchern und Gästen der Bewohner umgeht, muss man sich nicht wundern», sagt sie. «Viele Leute nerven sich darüber.» Für sie ist klar: «Man muss weiterbohren, bis es endlich eine saubere Lösung gibt.»

Darauf angesprochen, dass es unter dem Rapidplatz eine stets zugängliche Tiefgarage ohne Parkzeitbeschränkung gibt, sagt sie: «Ich bin eine alte Frau, ich will am Abend nicht alleine durchs Limmatfeld in eine Tiefgarage gehen. Da fühle ich mich unsicher.»

Hinzu kommen die Preise der Tiefgarage: Tagsüber sind es drei Franken für die ersten zwei Stunden, je zwei Franken für die dritte, vierte und fünfte Stunde und dann drei Franken für jede weitere Stunde. In der Nacht ist es zwar günstiger. Wer von 20 Uhr bis 8 Uhr parkiert, zahlt aber 20 Franken, während in anderen Siedlungen keine Kosten entstehen, da die Eigentümer kostenlose oder preisgünstige Besucherparkplätze eingerichtet haben.

«Was sollen Bewohner des Limmatfelds tun, wenn sie Besuch erhalten, der zwei Nächte bleibt?», fragt Fimian. Je nach Parkdauer könne man sich ja genausogut eine Hotelübernachtung leisten, hält sie fest.

Hedwig Fimian sieht im Limmatfeld zwar auch viel Gutes. So spricht sie das Gewerbe im Limmatfeld an, dessen Angebot sich von der Bäckerei über entspannende Massagen bis hin zu Migros und Lidl erstreckt. «So richtig geniessen kann man es aber nicht, schliesslich muss man immer wieder auf die Uhr schauen, weil die Parkzeit auf zwei Stunden beschränkt ist», sagt Fimian.

Weitere Aktionen der Bewohner?

Die Parkplatzsituation sorgte letztmals Ende März für Aufsehen, als der Quartierverein in einer Guerilla-Aktion die gelben Parkplätze mit Kreidefarbe blau färbte und die Parkuhren mit Müllsäcken umhüllte. Der Verein will, dass die Parkplätze der Stadt gehören und zur blauen Zone werden. Die Stadt ist auch der Meinung, dass die Parkplätze ihr zustehen. Im Gestaltungsplan hiess es, der Strassenraum gehe nach dem Bau ins Eigentum der Stadt über. Aus Sicht der Halter AG ist damit nur die Fahrbahn gemeint, ohne Parkplätze.

Aus gelben Parkplätzen wurden blaue.

Aus gelben Parkplätzen wurden blaue.

Bis dato hat sich nichts geändert. «Wenn sich nichts bewegt, wird der Quartierverein weitere Aktionen machen, denn das wird von Mitgliedern und der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht», sagt Peter Metzinger, Präsident des Quartiervereins Limmatfeld.

Als FDP-Gemeinderat hat er auch eine Interpellation zum Thema eingereicht, die der Stadtrat beantwortet hatte. In der Parlamentssitzung vom 7. Februar sagte Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) zudem, dass die Stadt intern verwaltungsabteilungsübergreifend eine Auslegeordnung mache. «Wir wissen um das Problem fehlender Besucherparkplätze. Wir sind dran und hoffen, dass wir eine Lösung finden», so Bachmann. «Wir vertrauen darauf, dass hier etwas passiert», sagt Metzinger heute dazu.

Gemeinderat Anton Felber (SVP) empfahl den Bussen-Betroffenen damals im Februar, den Park-and-rail-Parkplatz der SBB beim Bahnhof zu benutzen, der pro Tag maximal acht Franken kostet. «Wir hoffen, dass die Firma Halter endlich einlenkt und man das Problem lösen kann», sagte Felber.

Ein Sprecher von Halter hält auf Anfrage fest: «Die Parkzeiten sind so geregelt, um die Bedürfnisse von Anwohnern und Gewerbe möglichst gut zu vereinbaren.» Es handle sich um ein in Städten übliches Parkplatzregime.