Mode

Professionelle Stilberatung: So kleidet man sich wie ein Influencer

Sie teilen sich die Arbeit nach Fähigkeit: Marketingleiterin Lena Koschek und Projektverantwortliche Antonia Maiwald.

Sie teilen sich die Arbeit nach Fähigkeit: Marketingleiterin Lena Koschek und Projektverantwortliche Antonia Maiwald.

Mit ihrem Start-up «myProfashional» verbindet die Zürcherin Antonia Maiwald Stylisten mit Modesuchenden.

Die Start-up-Lounge am Tessinerplatz in Zürich ist eine Mischung aus gemütlichem Wohn- und Sitzungszimmer. Antonia Maiwald trinkt einen Cappuccino mit Hafermilch. «Wir wollten eigentlich nicht unbedingt ein Start-up gründen, doch nun gehören wir dazu. Es passt so einfach am besten», sagt die 29-jährige Zürcherin. Sie hätte sich nicht vorstellen können, einmal den Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen. Das dies trotzdem so gekommen sei, verdankt sie ihrem Team und einer Idee, die sie schon seit einigen Jahren begleitet.

«Wir konnten es einfach kaum mehr mitansehen, dass manche Verkäuferinnen ihren Kunden einen absoluten Quatsch verkaufen», sagt Maiwald, die ehemalige Marketing- und Produktmanagerin bei Swarovski war. So sei die Idee von myProfashional entstanden. Auf der Website des Start-ups werden ausgesuchte Mode-Influencer sowie Stylistinnen und Stylisten (Profashionals) mit Einkäuferinnen und Einkäufern (Shoppern) verbunden, die sich entweder stiltechnisch neu inspirieren lassen wollen, oder auf der Suche nach dem perfekten Outfit für wichtige Anlässe Zeit sparen und Experten-Tipps in Anspruch nehmen möchten.

Grosse Hemmungen

Anders als bei klassischen Modellen der persönlichen Verkaufsberatung ist der beratende Profashional hier nicht an eine spezielle Marke oder an ein bestimmtes Einkaufszentrum gebunden, sondern agiert unabhängig. Bereits im Vorfeld besprechen die Profashionals und ihre Shopper den Budget- und Zeitrahmen. Beides kann jedoch während des Einkaufens flexibel ausgebaut werden. «Die Hemmschwelle der Schweizer ist noch gross, ein solches Angebot wahrzunehmen, doch wer es getan hat, ist begeistert», sagt Maiwald. Die Bewertungen der Kunden auf ihrer Plattform geben ihr recht.

Nach dem anfänglichen Höhenflug, der Gründung der Aktiengesellschaft, den vielen Einladungen an Konferenzen und den ersten Buchungen auf der Plattform, steht das Unternehmen nun vor der Hürde, selbsttragend zu werden. Laut der eigenen Zielsetzung sollen die Buchungen auf der Plattform von myProfashional pro Monat um zehn Prozent zunehmen. «Das erreichten wir in den letzten Monaten», sagt Maiwald.

Trotzdem ist der Weg, bis das Unternehmen «fliegt», noch lange und steinig. Laut Experten scheitern neun von zehn Start-ups. Bis die gegründeten Unternehmen rentabel sind, geht es meist lange: Der Taxidienst Uber beispielsweise war 2015 das wertvollste Start-up der Welt, schreibt aber heute immer noch tiefrote Zahlen.

Keine halben Sachen

Maiwald hat ein Studium in Betriebswirtschaft und einen Master in Mode- und Desinmanagement erreicht. In Bezug auf die Zahlen mache sie keine halben Sachen. «Da waren wir schon vom ersten Tag an sehr genau und transparent», sagt sie.

Und es steht viel Zahlenarbeit an: die Kreditkartenabrechnungen über die Plattform, die technische Instandhaltung der Website und die Kosten für die rechtliche Absicherung. Für die vier Mitglieder der Aktiengesellschaft springt noch nichts raus. «Wir haben alle Einnahmen wieder in das Unternehmen investiert», sagt Maiwald. Nach zwölf Monaten, die sie vollumfänglich in das Projekt investierte, suchte sie sich wieder eine Arbeitsstelle. «Ich hatte anfänglich Angst, dass ich nun eine Lücke im Lebenslauf habe.» Doch ihre Befürchtung habe sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Sie hat nun die Jobzusage für eine wesentlich höhere Position, als sie vor einem Jahr gehabt habe. «Das alles verdanke ich meinen Erfahrungen mit dem Start-up.»

Das Leitungsteam von myProfashional hat eine klare Rollenaufteilung: Co-Founderin Lena Koschek führt das Marketing, Iwan Lottenbach ist für das Controlling zuständig und Maiwald managt das Produkt. «Die Bekanntmachung ist zur Zeit unser Fokus, eine 100 Prozent Aufgabe», sagt sie. Das Meiste laufe über Instagram. Über das soziale Netzwerk kommen täglich Dutzende Nachrichten. Da sei es auch nötig, sich einmal abzugrenzen. «Ich habe privat kein Instagram, sonst könnte ich kaum mehr abschalten», so Maiwald. Wenn sie, wie vor einigen Wochen, einmal in den Ski-Ferien ist, übernimmt Koschek ihren Teil.

Das Team als Erfolgsmotor

Das Team ist ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts von myProfashional. «Wir wurden sogar vom Versicherungsanbieter Generali eingeladen, um die Diversität unseres Teams und die Form unserer internen Zusammenarbeit vorzustellen», sagt Maiwald. Dabei sei es ihr vor allem wichtig, dass jeder die Kompetenzen des anderen respektiere. Im Team von myProfashional herrsche so etwas wie blindes Vertrauen. Jeder sei sich bewusst, dass der andere ein Profi auf seinem Fachgebiet sei. «Deshalb reden wir da einander auch nicht drein«, sagt Maiwald.

Gegen aussen mussten sie diese Kompetenz immer wieder unter Beweis stellen. «Sich als Frau mit dem Thema Mode im Techbereich durchzusetzen, war wirklich schwierig», sagt Maiwald. Wenige hätten sie anfänglich ernst genommen. Die beiden Faktoren Frau und Mode hätten den meisten Investoren eher ein mitleidiges Lächeln entlockt. Geholfen habe einerseits, dass sie ihren Businessplan immer zur Hand hatten, und andererseits, dass sie sich für kein Start-up-Meeting zu schade waren. «Wir mussten einfach immer wieder Gesicht zeigen.» So hätten sie sich in der ständig wandelnden Start-up-Szene Respekt verschafft.

Nun muss das Unternehmen ein weiteres Hindernis überwinden: Maiwald tritt bald ihre neue Stelle an. Dadurch hat sie weniger Zeit für die Produktentwicklung und es wird sich zeigen, ob das Projekt das Fliegen gelernt hat. Doch auch wenn die Idee nicht überleben kann, ist sich Maiwald sicher: «Durch die vielen unbezahlbaren Erfahrungen, die ich machen durfte, hat es sich für mich bereits gelohnt.»

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