Tatort Dietikon: Ein Audi bretterte die kurvige Viaduktstrasse empor. Von der anderen Seite des Viadukts kam ein Polizeifahrzeug entgegen. Der Tempobolzer drückte zwar auf die Bremse, aber zu spät: Schon von blossem Auge sahen die Polizisten, dass er mit rund 100 Kilometern pro Stunde fuhr – erlaubt wären deren 50. Also ab in die Untersuchungshaft. Die Ermittlungen ergaben dann, dass der Verkehrssünder mit 95 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Nach zehn Tagen kam der Junglenker des Audis wieder frei.

Mit 154 km/h über die A1

Er hat schon einiges auf demKerbholz. Einen Monat vor dem Vorfall auf der Viaduktstrasse bretterte er mit 154 Kilometern pro Stunde über die A1 in Dietikon (erlaubt sind 100).
Ein anderes Mal fuhr er auf der A3 in Stallikon mit 130 Kilometern pro Stunde (erlaubt sind 100). Als die Ermittler sein Handy durchsuchten, fanden sie zudem Videos, auf denen zu sehen ist, wie er an anderen Tagen auf der A1 in Weiningen und Dietikon zwar die
Tempolimite beachtete, aber nur fünf Meter Abstand zum vorderen Fahrzeug einhielt. Weiter hat der Schweizer im Kanton Luzern einen Mann tätlich angegangen und ihm
auf Tamil gedroht, dass er ihn zusammenschlagen werde.

Immerhin: Im Rahmen der Untersuchung machte der Mann von Anfang an reinen Tisch, gab alles zu und zeigte sich einsichtig. Gestern Nachmittag, rund 15 Monate, nachdem er über die Viaduktstrasse gebrettert ist, erschien der Junglenker am Dietiker Bezirksgericht. Der Schweizer, aufgewachsen im Zürcher Limmattal und heute wohnhaft im Raum Wettingen, akzeptierte den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis.

Haarscharf an einer härteren Raser-Strafe vorbei

Wegen Drohung, Tätlichkeit, Verletzung der Verkehrsregeln und mehrfachen groben Verletzungen der Verkehrsregeln sollte er verurteilt werden zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 80 Franken, einer Busse von 100 Franken und der Teilnahme am Zürcher Lernprogramm für risikobereite Autofahrer. Die Bewährung dauert drei Jahre. Gerichtsvizepräsident Bruno Amacker verkündete dann genau dieses Urteil, machte aber klar: «Wir haben etwas damit gerungen, diesen Urteilsvorschlag so zu genehmigen.» Denn ein härteres Urteil war in Griffnähe: Hätte der Tacho auf der Viaduktstrasse 100 statt 95 Kilometer pro Stunde angezeigt, wäre wegen der Raser-Gesetzgebung eine Freiheitsstrafe zwingend.

Neben der Busse von 1000 Franken kommen auf den Mann 1200 Franken Gerichtsgebühr und 4320 Franken Verfahrenskosten zu. Für das Lernprogramm muss er dem Zürcher Amt für Justizvollzug 500 Franken zahlen. Das Aargauer Strassenverkehrsamt hat ihm den Führerauweis auf unbestimmte Zeit entzogen. Um wieder fahren zu dürfen, muss er einen verkehrspsychologischen Test bestehen.