Bezirksgericht Dietikon
Langjähriger Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher tritt 2022 zurück

Der Geroldswiler Stephan Aeschbacher präsidiert das Bezirksgericht Dietikon, seit es 2008 gegründet wurde. Nächsten April ist Schluss.

David Egger
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«Frei von äusserem Druck und gesundheitlichen Zwängen» wird ­Stephan Aeschbacher 2022 das Bezirksgericht Dietikon in neue ­Hände über­geben.

«Frei von äusserem Druck und gesundheitlichen Zwängen» wird ­Stephan Aeschbacher 2022 das Bezirksgericht Dietikon in neue ­Hände über­geben.

David Egger (Dietikon, Juli 2018)

Stephan Aeschbacher hat seinen Rücktritt als Bezirksrichter und Gerichtspräsident des Bezirksgerichts Dietikon eingereicht. Am 30. April 2022 wird er sein Amt abgeben – zehn Tage nach seinem 63. Geburtstag. Es ist also eine Frühpensionierung.

2007 erstmals gewählt, danach zweimal bestätigt

Seinen Rücktrittsentscheid begründet Aeschbacher damit, dass die Zeit gekommen sei, das Präsidium in jüngere Hände zu legen. «Frei von äusserem Druck und gesundheitlichen Zwängen zwei Jahre vor dem ordentlichen Pensionierungsalter aufhören zu können, betrachte ich als Privileg, für welches ich sehr dankbar bin», sagt Aeschbacher. Das Privileg ermöglicht hat nicht zuletzt das Volk – es hat SP-Mitglied Aeschbacher im Herbst 2007 gewählt und 2013 sowie 2019 in stiller Wahl bestätigt.

Der erste Präsident des Dietiker Gerichts überhaupt

Aeschbacher trägt einen Titel, den es kein zweites Mal gibt: Er ist der erste Gerichtspräsident des Bezirksgerichts Dietikon. Zwar wurde der Bezirk Dietikon bereits am 1. Juli 1989 vom Bezirk Zürich abgespaltet. Doch über Recht und Unrecht entschied noch jahrelang das Bezirksgericht Zürich – bis am 1. Juli 2008 das Bezirksgericht Dietikon gegründet wurde. Dieses war zuerst noch im Bezirksgericht Zürich untergebracht, bis es 2010 die eigenen Räume im Bezirksgebäude am Dietiker Bahnhofplatz beziehen konnte.

In seinen Anfangszeiten befand sich das Bezirksgericht Dietikon noch im Bezirksgericht Zürich, wie auch dieses Bild aus dem Jahr 2009 zeigt.

In seinen Anfangszeiten befand sich das Bezirksgericht Dietikon noch im Bezirksgericht Zürich, wie auch dieses Bild aus dem Jahr 2009 zeigt.

Jürg Krebs

Der Beton-Bau ist über die Region hinaus bekannt, wurde hier doch schon der eine oder andere Fall behandelt, der die ganze Nation interessierte. Wie der Fall von Gefängnisaufseherin Angela Magdici (heute Kiko), die 2016 ihrem Geliebten Hassan Kiko die Flucht aus dem Gefängnis Limmattal ermöglichte hatte.

Angela Magdici (roter Mantel) verlässt das Bezirksgericht Dietikon – zahlreiche Medien kamen wegen dieses Falls nach Dietikon; auch solche aus dem Ausland.

Angela Magdici (roter Mantel) verlässt das Bezirksgericht Dietikon – zahlreiche Medien kamen wegen dieses Falls nach Dietikon; auch solche aus dem Ausland.

David Egger (Dietikon, Januar 2017)

Aeschbacher und seine Richter-Kollegen verurteilten sie 2017 zu 15 Monaten Freiheitsstrafe bedingt. Wenn er zurückblickt, ist für ihn klar:

«Dieser Fall hat von all meinen Fällen für das grösste öffentliche Interesse gesorgt – was aber nicht bedeutet, dass er juristisch am anspruchsvollsten war»,

sagt Aeschbacher. Wenn er weiter zurückblickt, offenbart sich, welche Entwicklung er im Gerichtssaal miterlebt hat:

«In meiner Anfangszeit wurden die Protokolle noch auf ein Foliengerät diktiert, um danach extern auf der Schreibmaschine abgetippt zu werden. Das ist sicher die gewaltigste Veränderung, die ich mitgemacht habe.»

Hinzu kamen gesetzliche Veränderungen, die die Rechtssprechung anspruchsvoller gemacht haben. «Urteile müssen heute viel detaillierter begründet werden», sagt Aeschbacher. Geschätzt hat er in seiner Laufbahn eine vierstellige Anzahl Urteile gefällt.

Das Bezirksgericht Dietikon beschäftigt total 35 Personen

Nach dem Abschluss seines Studiums 1983 folgten zuerst die üblichen juristischen Stationen, so war er beispielsweise von 1985 bis 1989 Auditor und juristischer Sekretär am Bezirksgericht Zürich. 1988 machte er das Anwalts­patent und von 1990 bis 1997 war er vollamtlicher Ersatzrichter am Bezirksgericht Zürich, ehe er 1997 ordentlicher Bezirksrichter wurde. 2002 wurde er Leiter der vierten Abteilung des Bezirksgerichts Zürich und 2008 dann eben Bezirksrichter und Präsident des Bezirksgerichts Dietikon, das heute 35 Personen beschäftigt.

Bezirksgebäude Dietikon: Hier wirkt Stephan Aeschbacher seit 2010.

Bezirksgebäude Dietikon: Hier wirkt Stephan Aeschbacher seit 2010.

Severin Bigler

Seine Nachfolge müsse eine «fachlich und persönlich ausgewiesene Persönlichkeit» sein, die den Anforderungen des ­Amtes entspricht – «unbesehen der Parteizugehörigkeit», sagt Aeschbacher.

Auch ausserhalb des Gerichtssaals engagiert

Als Frühpensionierter will Aeschbacher vor allem die zusätzlichen Freiheiten geniessen. Aber nicht nur:

«Vielleicht werde ich mich im karitativen Bereich betätigen oder mich als nebenamtlicher Ersatzrichter für einzelne Fälle zur Verfügung stellen.»

Dass er sich vielseitig engagieren kann, hat Aeschbacher bereits bewiesen. So war er unter anderem von 2008 bis 2017 Präsident der kantonalen Prüfungskommission für Betreibungsbeamte und von 1999 bis 2008 hatte er sich als Gemeinderat von Geroldswil engagiert. Aufgewachsen im Thurgau, war er nach einem Zwischenhalt in Zürich 1986 ins Dorf gezogen.

Seit 1986 lebt Stephan Aeschbacher in Geroldswil. Von 1999 bis 2008 engagierte er sich auch als Gemeinderat für das Dorf.

Seit 1986 lebt Stephan Aeschbacher in Geroldswil. Von 1999 bis 2008 engagierte er sich auch als Gemeinderat für das Dorf.

Sandra Ardizzone