Corona
Die Zürcher Spitäler sind voll belegt, auch Unfallopfer finden kaum noch Platz

Die Coronalage spitzt sich zu: Auf den Intensivstationen der Zürcher Spitäler gibt es praktisch keine freien Plätze mehr. Es zeichnet sich ab, dass Operationen verschoben werden müssen. Das verursachte schon vor einem Jahr zum Teil bleibende Schäden bei Patientinnen und Patienten.

Matthias Scharrer
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Volle Spitäler wegen Corona: Die Folgen bekommen auch Unfallopfer und Krebspatienten zu spüren. (Symbolbild)

Volle Spitäler wegen Corona: Die Folgen bekommen auch Unfallopfer und Krebspatienten zu spüren. (Symbolbild)

Keystone

Jetzt tritt ein, wovor Experten seit langem warnten: Wegen steigender Corona-Fallzahlen kommt es zu Engpässen in den Zürcher Spitälern. 190 zertifizierte Betten gibt es auf den Intensivstationen kantonsweit. Davon waren am Mittwochnachmittag noch 8 frei, wie Ronald Alder, Sprecher des Verbands Zürcher Krankenhäuser, auf Anfrage sagte. Mit anderen Worten: «Wir sind voll.»

Er bestätigte damit einen Bericht von Radio SRF. Darin hatte Peter Steiger, stellvertretender Direktor des Instituts für Intensivmedizin am Universitätsspital Zürich (USZ), die aktuelle Lage so geschildert: «Patienten, die auf die Intensivstation mussten, hatten einfach kein Bett mehr zur Verfügung.» Und es habe auch keine Möglichkeit mehr gegeben, sie in anderen Spitälern im Kanton unterzubringen.

Zahl der Coronapatienten in Spitälern verdoppelt

Von den 190 Zürcher Intensivstationsbetten sind laut Alder derzeit 42 durch Covid-Patienten belegt, Tendenz steigend. Und: «Es ist leider damit zu rechnen, dass diese Entwicklung nicht aufhört.» Insgesamt liegen derzeit 176 Covid-Patienten in den Zürcher Spitälern, mehr als doppelt so viele wie vor einem Monat.

Schon vor einem Jahr waren die Spitäler voll. Damals seien rund 100 Covid-Patienten auf den Intensivstationen gelegen, sagt VZK-Sprecher Alder. Behandlungen mussten verschoben werden, auch von Krebspatienten. «Zum Teil resultierten daraus Folgeschäden, leider», so Alder weiter. «Es zeichnet sich nun ab, dass so eine Situation wieder eintritt.» Denn: Einfach die Spitalkapazitäten aufzustocken, sei wegen des Mangels an qualifiziertem Intensivpflegepersonal nicht möglich.

Aufgrund der vollen Spitäler sei es auch für Rettungsfahrzeuge schwierig, Unfallpatienten unterzubringen. Bislang finde man aber immer noch irgendwie einen Platz in einem Spital für sie. Die Spitäler seien sehr solidarisch und glichen die Belastung untereinander aus. Was für das Spitalpersonal aber zusätzlich belastend sei:

«Drei Viertel der Covid-Patienten auf den Intensivstationen sind ungeimpft»,

sagt Alder. Und weiter:

«Der grösste Teil von ihnen wäre nicht dort, wenn sie sich hätten impfen lassen. Daher einmal mehr der Appell: Wer noch nicht geimpft ist, soll sich impfen lassen.»

Bei der Medienstelle des Universitätsspitals Zürich hiess es auf Anfrage, die Intensivstationen und die Normalbettenstationen seien aktuell sehr stark ausgelastet. Und: «Wegen personeller Engpässe mussten mehrere Intensivbetten gesperrt werden. Um die Situation zu bewältigen, wird täglich neu beurteilt, ob Massnahmen wie beispielsweise das Verschieben von Operationen angezeigt sind.»

Auch im Spital Limmattal sind alle acht Betten auf der Intensivstation belegt. «Die Lage ist angespannt, aber unter Kontrolle», sagte Spitalsprecher Stefan Strusinski am Mittwoch auf Anfrage.

Die Ostschweizer Kantone St.Gallen, Thurgau und beide Appenzell haben wegen der sich zuspitzenden Coronalage ihre Massnahmen verschärft, wie Radio SRF weiter meldete: Maskenpflicht gilt dort ab Freitag auch bei Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten.

Der Kanton Zürich plant vorerst ausser dem Wiedereinsetzen seines Corona-Sonderstabs keine weitergehenden Massnahmen auf eigene Faust, wie der Regierungsrat am Abend mitteilte. Im Zuge der Vernehmlassung des Bundes sprach er sich aber für eine Ausweitung der Zertifikatspflicht ausser bei Treffen im Familien- und Freundeskreis aus, ebenso für eine Ausweitung der Maskenpflicht in Innenbereichen. Zudem befürwortet die Zürcher Regierung Kontaktdatenerhebung bei Kultur- und Sportaktivitäten und eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz für Leute ohne Zertifikat.

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