Artur Terekhov ist Billag-Gegner. Aber er hat überhaupt keine Lust, gross gegen das SRF zu wettern, auch auf mehrmaliges Nachfragen nicht. «Es gibt für mich keine Sendung, die ich vollumfänglich ablehnen würde», sagt der 23-jährige Student aus Oberengstringen. Nur dass viele SRF-Journalisten links seien, das kritisiert er.

Und es gibt mindestens zwei Sendungen, die er gerne schaut: die «Arena» und die «Tagesschau». Also schalten wir diese im Sitzungszimmer der Limmattaler Zeitung an, fürs Foto. Und sofort kommt ein Bild von US-Präsident Donald Trump, der die Moderatorin Cornelia Boesch skeptisch anzuschauen scheint. Ein Bericht über Trumps anstehenden Davos-Besuch. «Ich kann gerne vor der ‹Tagesschau› posieren. Aber mit Donald Trump dürfen Sie mich nicht in Verbindung bringen», sagt Terekhov, dem Trump nicht grundsätzlich missfällt: «Aber er mischt sich beispielsweise zu oft im Ausland ein. Das ist mir zu interventionistisch.»

Unabhängig und frei wie wir sind, wählen wir natürlich trotzdem dieses Bild aus. Denn zumindest das Land, das Trump repräsentiert, hat einen Bezug zu Terekhov. Dort wird das Gedankengut, das er pflegt, viel stärker ausgelebt. «Es könnte auch in der Schweiz gut eine Art evangelikale Tea-Party vertragen, die christliches Gedankengut, Prinzipientreue und Wirtschaftsliberalismus verbindet», sagt Terekhov.

Einst glaubte er, diese Mischung bei der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) gefunden zu haben, für dessen Zürcher Sektion er 2013 nach der altsprachlichen Matur eineinhalb Jahre als politischer Mitarbeiter tätig war, bevor er wieder aus der Partei austrat. «Die EDU ist schon bürgerlich, christlich und für weniger Staat, aber am Schluss ist sie mir dann doch etwas zu staatsgläubig», sagt Terekhov, der sich heute wieder als Parteiloser engagiert. Und nach wie vor Ron Paul bewundert, der dreimal als US-Präsident kandidierte: einmal für die Libertäre Partei und zweimal für die Republikaner. Paul gilt vielen als Vater der amerikanischen Tea-Party-Bewegung.

Wie er Olivier Kessler kennenlernte

Terekhov ist also kein Anarcho-Libertärer, der den Staat ganz überwinden will. «Es braucht neben dem Freiheitsprinzip auch den gesunden Menschenverstand», sagt er. Um Leib, Leben, Freiheit und Eigentum zu schützen, brauche es den Staat. «Und auch die basale Infrastruktur sollte der Staat bereitstellen können, also zum Beispiel Strassen», sagt Terekhov weiter. Bei schönen Plätzen oder Parks höre es dann aber auf: «Das können Private genauso gut.»

Keine Frage: Auch im Bereich Fernsehen und Radio soll sich der Staat nach der Meinung von Terekhov möglichst zurückhalten. Und so trat er 2014 dem No-Billag-Initiativkomitee bei. Sein Name stand auch auf den Bögen mit den über hunderttausend Unterschriften für die Initiative. Terekhov hatte den Chef des Komitees, Olivier Kessler, beim Magazin «Schweizerzeit» kennengelernt. Kessler war Chefredaktor, Terekhov freier Mitarbeiter. Unter anderem schrieb er auch für die freikirchliche Zeitschrift «Idea Spektrum».

Wenn die Gegner Kesslers und Terekhovs Anliegen als «Medienzerschlagungsinitiative» bezeichnen, die die freie und unabhängige Meinungsbildung gefährde, missfällt das Terekhov. Es gehe ihm ja genau um das Gegenteil, sagt er. Eine wirklich freie und unabhängige Meinungsbildung gewährleiste nur der freie Wettbewerb mit mehreren Medienhäusern.

Wenn die Gebühren abgeschafft werden, gäbe es dank den neuen Versteigerungen von Konzessionen für Fernseh- und Radiostationen auch in diesem Bereich verschiedene gleich starke Akteure auf nationaler Ebene, ist Terekhov überzeugt. «So kann man sich wie heute schon im Print- und Digitalbereich viel breiter informieren», glaubt Terekhov. Die No-Billag-Initiative als Befreiungsschlag, als Triebfeder für eine viel grössere Medienvielfalt: So sieht es der Rechtsstudent aus Oberengstringen.

Neben seinem Studium arbeitet er etwa im 40-Prozent-Pensum als selbstständiger Rechts- und Steuerberater – eine seltene Erscheinung. Und das als 23-Jähriger. Man kauft es ihm sofort ab, wenn er von Eigenverantwortung spricht. «Ja, ich bin nicht 08/15. Und das gefällt mir so», sagt er.

Kritik an Hans-Ulrich Biglers Plan B

Rückblende: Am Dienstag stellte Hans-Ulrich Bigler, der Direktor des Schweizer Gewerbeverbands (SGV) einen Plan B für die SRG vor, basierend auf Zahlen des «Weltwoche»-Medienkolumnisten Kurt Zimmermann. Die Devise: Die SRG werde bei der Annahme von No-Billag überleben, zum Teil dank Subventionen von Bund und Kantonen. Dieser Vorschlag passt Terekhov nicht.

«Das beisst sich ganz klar mit dem Initiativtext. Darin steht, dass der Bund Radio und Fernsehen nicht subventioniert, ausser für die Ausstrahlung dringender amtlicher Mitteilungen wie zum Beispiel Fahndungsaufrufe. Und dieses Subventionsverbot in Friedenszeiten meinen wir ernst», sagt er. «Ganz allgemein ist Biglers Plan B eine rein finanzielle Betrachtung, die mit unserem Medienfreiheitsanliegen nicht zu vereinbaren ist», ergänzt er. Trotzdem habe er Bigler eine E-Mail geschrieben und ihm gratuliert: «No-Billag ist kein klassisches Gewerbeverbandsthema, und trotzdem setzt sich Bigler ein. Diesen Mut, sich nicht nur im Kerngeschäft zu engagieren, würde ich mir auch von anderen Organisationen wünschen.»

Terekhov lebt es vor, hat sich selbst schon in verschiedensten Bereichen engagiert. Als Latein-Freund setzt er sich für alte Sprachen ein. In seiner Matura-Arbeit befasste er sich mit dem Thema Abtreibung, da er selbst ein Abtreibungsgegner ist. Beisst sich das nicht mit seinen freiheitlichen Prinzipien? «Überhaupt nicht. Embryos sind Personen mit eigenen Interessen. Da ist es nur logisch, dass das Gesetz ihr Leben schützen muss», führt Terekhov aus. 2014 machte er als Co-Präsident eines Initiativkomitees von sich reden, das forderte, dass nur noch jene Länder Schweizer Entwicklungshilfe erhalten, die bei Ausschaffungen kooperieren und ihre Bürger zurücknehmen. Eine weitere Forderung war, den Aufwand für Entwicklungshilfe ganz allgemein zu halbieren.

Auch das italienische und rätoromanischsprachige Fernsehen sieht Terekhov nicht in Gefahr. «Ich bin Patriot und dezidiert der Meinung, dass das Rätoromanische zu unserer Kultur gehört und jemand Verantwortung übernehmen und eine regionale Konzession für Graubünden ersteigern wird», sagt Terekhov.

Überhaupt legt er viel Wert darauf, dass die Menschen selber Verantwortung übernehmen. «Ohne das würde unsere Willensnation als staatenlose Anarchie enden. Das ist wie beim Liberalismus ohne christliche Grundsätze: Der läuft auch auf eine Mehrheitsdiktatur oder eine Anarchie hinaus – also ins Verderben.»