Wer zuletzt lacht...

Der erste Bundesrat aus Schlieren? – deshalb ist der Weg in die Politik für unseren Kolumnisten ein Tabu

Der völlig verwaiste Bundesplatz zu Corona-Zeiten vor dem Bundeshaus in Bern.

Der völlig verwaiste Bundesplatz zu Corona-Zeiten vor dem Bundeshaus in Bern.

In dieser Folge seiner Corona-Kolumne «Wer zuletzt lacht…» erzählt unser Kolumnist von seinen Berufswünschen – und deren Entwicklung, seit Corona unseren Alltag beherrscht.

Als ich zur Schule ging, beherrschte unter uns Knaben ein Berufswunsch die Szene: Lokführer. Was absolut verständlich war. Ein toller Beruf. Und vor allem krisensicher. Eine Minderheit allerdings dachte daran, Pilot zu werden. Auch eine gute Wahl. Und ebenfalls krisensicher. Ich war der einzige weit und breit, dessen Traum es war, Fussballer zu werden. Was auf Grund der heutigen Gehälter sicherlich alle verstehen. Leider hat es nicht ganz gereicht, meinen Traum zu leben. Doch zum Glück hatte ich einen Plan B! Ich wurde Lehrer.

Eine gute, wenn auch nicht ganz freiwillige Entscheidung. Zu bedenken ist vor allem, dass es der einzige der oben erwähnten Berufe ist, der aus heutiger Sicht wirklich krisensicher ist. Die meisten Lokführer sind zum Rumsitzen verdammt, weil kaum mehr Züge fahren. Auch die Piloten heben nicht mehr ab. Und die Fussballer haben seit Wochen keinen Ball mehr gesehen. Einzig die Lehrer sind noch gefragt. Und werden mehr und mehr geschätzt, weil viele Eltern gemerkt haben, wie nervenaufreibend Homeschooling sein kann.

Zurück zu mir: Nachdem es also mit Plan A nicht geklappt hat, wären mir natürlich auch noch andere Möglichkeiten offen gestanden, die ich auch in meine Entscheidungsfindung einbezog. Nur über eine Richtung habe ich keinen Augenblick lang nachgedacht: über den Weg in die Politik, vielleicht gar in den Bundesrat. Nein, nur das nicht.

Vielleicht hätte ich dieses Amt ja einigermassen ausfüllen können. Zumindest in ruhigen Zeiten. In einer Krise wie der jetzigen jedoch, wenn verrückte Entscheidungen zu fällen sind, die ganze Menschengruppen in ihren Grundfesten erschüttern, hätte ich wohl mehr als nur Bauchschmerzen gekriegt.

Natürlich wäre es verlockend gewesen, der erste Bundesrat aus Schlieren zu werden. Aber doch nicht jetzt. Und überhaupt: Das Fähnlein der sieben Aufrechten macht einen guten Job. Da braucht es mich nicht auch noch. Und einige andere, die immer alles besser zu wissen meinen, braucht es erst recht nicht.

Zur Person:

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

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