Mit gelber Warnweste, Gehörschutz und Schutzbrillen ausgerüstet, stehen die beiden Kinder in der Mitte des Spielplatzes, der nunmehr einer Baustelle gleicht. Sie schauen staunend zu, wie sich die Kettensäge durch das Holz frisst, und dürfen dann selbst die abgesägten Holzbretter am Baumstamm anschrauben. Sie sind nicht die einzigen jungen Helfer, die an diesem Morgen auf der Baustelle mitwirken. Gestern Freitag und heute Samstag darf die Bevölkerung jeweils von 9 bis 16 Uhr bei der Neugestaltung des Spielplatzes Schärerwiese in Schlieren mithelfen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Bevölkerung bei der Sanierung eines Spielplatzes einbezogen wurde. Schon beim Spielplatz Schönenwerd nahm man auf die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner Rücksicht. «Das Spezielle hier ist, dass die Leute beim Bau mithelfen können und so bis zum Schluss am Prozess mitwirken», sagt Roger Gerber, Leiter der Abteilung Werke, Versorgung und Anlagen bei der Stadt Schlieren, der für das Projekt verantwortlich ist.

Im Workshop entstand der definitive Plan

Dieses nahm im Sommer 2018 seinen Anfang, als auf dem Spielplatz 150 Kinder, Jugendliche und Eltern an einem Nachmittag ihre Ideen und Wünsche den Mitarbeitenden der Planungs- und Werkabteilung der Stadt vorbringen konnten. Aus Holz und Karton wurden damals schon erste Elemente umgesetzt. Das erlaubte eine Veranschaulichung, wie der Spielplatz einst aussehen könnte. Anschliessend wurde die Firma Kukuk Schweiz, die sich auf den partizipativen Aufbau von Spielräumen spezialisiert hat, mit der Projektierung beauftragt. An einem Workshop im vergangenen Dezember stellten sie ihre Pläne den rund 30 Interessierten vor. Aus den Diskussionen resultierte ein Plan für einen naturnahen Spielplatz mit einem Baumhaus, einer Seilbahn, verschiedenen Schaukeln, einem Kletterbereich, einer Sand- und Wasserlandschaft für die jüngeren Kinder sowie einem Aufenthaltsort mit Tischen und Bänken. Das erarbeitete Bauprojekt und der dazugehörige Kostenvoranschlag wurden im Frühling vom Stadtrat bewilligt, und so stand dem Bau des neuen Spielplatzes Schärerwiese nichts mehr im Weg.

Vorfreude aufs Rutschen und Klettern

Gerber ist mit dem Projekt sehr zufrieden, auch wenn das Interesse der Bevölkerung mit der Zeit etwas abgenommen habe. «Die vielen Inputs am Ideennachmittag vor einem Jahr haben gezeigt, dass das Bedürfnis der Leute nach Mitbestimmung vorhanden ist.» Auch seien die einzelnen Rückmeldungen auf den endgültigen Bauplan durchweg positiv ausgefallen. Wie das definitive Urteil der Schlieremerinnen und Schlieremer zu der Anlage ausfällt, zeige sich erst, wenn sie ganz fertiggestellt sei. Obwohl die etwa zehn Freiwilligen, die sich an diesem Morgen auf der Baustelle eingefunden haben, mit viel Eifer am Sägen, Schrauben und Schleppen sind, wird der Spielplatz wohl erst nach den Herbstferien für die Benutzung freigegeben. «In zwei Wochen werden zwar die Spielplatzelemente fertig aufgebaut sein, aber dann folgen noch die Gartenbauarbeiten», sagt Heiko Peters von der Firma Kukuk Schweiz. «Dass wir vorher nicht wussten, welche Personen mithelfen werden, erlebte ich noch nicht so oft. Aber es macht sehr viel Spass», sagt Peters und zeigt der sechsjährigen Lea und dem gleichaltrigen Cosmo, wie sie den Schraubbohrer richtig halten.

Ebenfalls fleissig am Arbeiten sind die Brüder Silas und Luis aus Birmensdorf. Mit Harken humusieren sie den Boden neben der Seilbahn. «Ich selbst werde hier vermutlich nicht spielen, aber vielleicht komme ich mal mit meinen jüngeren Verwandten hierher», sagt der 13-jährige Silas. Die neunjährige Mariam und der siebenjährige Mahdi aus Schlieren tragen Holzklötze umher. Sie freuen sich besonders auf die Kletteranlage und die Rutschbahn.

An diesem Morgen stattet auch Stadtrat Andreas Kriesi (GLP) der Baustelle einen Besuch ab. Er zeigt sich überrascht, wie gross die Anlage wird. Dass die partizipative Spielplatzgestaltung ein Modell für die Zukunft ist, bezweifelt er. «Die Kosten sind doch höher ausgefallen, als es das eingeplante Budget vorsah. Das bedeutet nun, dass bei der Sanierung eines anderen Spielplatzes weniger Geld zur Verfügung steht.» Trotzdem zeigt er sich mit dem Projekt sehr zufrieden und ist sich sicher, dass sich Schlieren dadurch noch kinderfreundlicher gestaltet.