Eine solch beherzte Stimmgewalt erleben die Gemäuer der reformierten Kirche Weiningen nicht alle Tage. Dafür aber alljährlich, wenn sich der siebzigköpfige Ad-hoc-Chor an einem Januarwochenende vor der Orgel aufbaut und Gospel-Songs anstimmt. «Wir glauben daran, was wir singen», sagt Dirigentin Rita Sidler. Die Gospelkonzerte leitet sie mittlerweile in der elften Saison, gemeinsam mit Susanne Dietze. Ihnen sei wichtig, auch die christliche Botschaft ihrer Songs zu vermitteln.

Am Sonntag ist die Kirche rappelvoll mit Besuchern. Ihre Gespräche verstummen, als sich die Türen öffnen und der Chor zu «Holy, Holy, Holy» in die Kirche einzieht. Begleitet wird er von einem grandiosen Instrumental-Ensemble, bestehend aus Denise Furler (Piano), Jürg Amacher (Gitarre), Roberto Carrasco (E-Bass), Urs Habegger (Schlagzeug) und Vasilisa Zakharoshka (Violine). Trotz dichtem Programm mit rund 15 Songs ist den Gesichtern auf der Bühne keine Spur von Anspannung anzusehen.

Starke Solisten

«Ich glaube, das Publikum spürt, dass wir es gut haben untereinander», sagt Sidler vor dem Konzert. Vom beschwingten «I’m willing to go», über das eingängige «God is my everything», bis zum peppigen «Come let us go into the house» – die Zuhörerschaft ist sichtlich bewegt. Einige recken sich, um über die Köpfe vor ihnen hinweg zu sehen. Andere bewegen sich im Takt. Und wieder andere lehnen sich zurück und geniessen mit geschlossenen Augen. Dies ist auch der starken Leistung der Solisten, Nicole Killer und Daniel Mark, zu verdanken. Zum Schluss gibt es eine verdiente Standing Ovation. Der Chor ist sich die positive Resonanz inzwischen gewohnt. Für die eingeplante Zugabe wird die Beleuchtung gedimmt. Einzige Lichtquelle sind die Lämpchen, die alle Chormitglieder in ihren Händen tragen. Mit vereinten Stimmen singen sie den Psalm «Thy word is a lamp unto my feet» und verlassen – ein Licht nach dem anderen – gemessenen Schrittes die Kirche. Die Besucher folgen ihnen und treten nach draussen in die Dunkelheit.

Ad-hoc Chor Reformierte Kirche Weiningen

Ad-hoc Chor Reformierte Kirche Weiningen

Der Ad-hoc Chor begeisterte in der Reformierten Kirche Weiningen etwa mit dem Gospel-Song "Come Let Us Go Into The House", Solist: Daniel Mark

Viel Lob vom Publikum

Auch Sidler zeigt sich rundum zufrieden: «Wir hatten den Plausch.» Und Dietze meint: «Es war sehr berührend für mich. Ich musste Tränen zurückhalten.» Nach den Herbstferien hatten die Vorbereitungen begonnen, insgesamt probte der Chor zehnmal. Die Ad-hoc-Formation erklärt Dietze so: «Die Leute arbeiten heute lieber während einer kurzen Zeit auf ein Ziel hin, anstatt dass sie das ganze Jahr über proben.» Sidler fügt mit einem Lächeln an: «Vielleicht ist man in der dunklen Jahreszeit ja auch empfänglicher für unsere Songs als im Sommer.»

Am Sonntag, 27. Januar um 17 Uhr tritt der Ad-hoc-Chor in der Kirche Niederweningen auf.