Dietikon
Umstrittene Bänkli sind wieder da: Dafür will die Stadt nachts alle Lärm-Hotspots vermehrt kontrollieren

Der Konflikt um nächtliche Ruhestörungen an der Limmat im Altbergquartier ist stellvertretend für viele andere in Dietikon. Deshalb soll ein Sicherheitsdienst neu regelmässig an den städtischen Hotspots patrouillieren.

Florian Schmitz
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Am Donnerstagnachmittag wurden die im Frühjahr 2020 entfernten Sitzbänke an der Limmat wieder aufgebaut. Damit sich nicht wieder eine Szene bildet, will die Stadt vor Ort vermehrt kontrollieren.

Am Donnerstagnachmittag wurden die im Frühjahr 2020 entfernten Sitzbänke an der Limmat wieder aufgebaut. Damit sich nicht wieder eine Szene bildet, will die Stadt vor Ort vermehrt kontrollieren.

zvg

Am Donnerstagnachmittag hat die Stadt Dietikon drei umstrittene Sitzbänke an der Limmat wieder montiert. Im vergangenen Monat ist das Bänkligate nicht nur im Altbergquartier zum Politikum geworden. Sogar Fernsehkameras waren schon vor Ort, um über den Konflikt zu berichten. Doch der Reihe nach: Während des Lockdowns im Frühjahr 2020 wurden die Bänkli an der Limmat auf Höhe der Buchsackerstrasse 20 abgebaut. Vor Ort habe sich eine kleine Szene gebildet und die Polizei sei immer wieder ausgerückt wegen nächtlichen Lärms, Alkohol- und Drogenkonsums, erklärte Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) im Mai an der Fragestunde im Parlament.

Diese Begründung habe in der Nachbarschaft für Zweifel gesorgt und die Gerüchteküche angeheizt, schrieb SP-Gemeinderätin Kerstin Camenisch kurz darauf in einer Kleinen Anfrage an den Stadtrat. Auch kam die Anschuldigung auf, dass Illi, der selbst in der Nähe wohnt, aus Eigeninteresse handelte. «Ich finde es unfair, mir so was vorzuwerfen», sagt Illi. Er sei als Stadtrat stets bemüht, im Interesse der gesamten Bevölkerung zu handeln und die Probleme aller Dietiker zufriedenstellend zu lösen. Und er ergänzt: «Das habe ich in den letzten 16 Jahren als Stadtrat gezeigt.»

Der Konflikt betrifft viele städtische Quartiere

«Ich war überrascht über die heftigen Reaktionen aus der Bevölkerung», sagt Illi. Die starken Emotionen hätten ihn nicht kalt gelassen.

«Offensichtlich haben viele Leute die Bänkli tagsüber vermisst.»

Natürlich seien die hintergründigen Probleme damit nicht gelöst. Denn der an der Limmat entstandene Konflikt ist symbolisch für das ganze Stadtgebiet: Wie bringt man in und in der Nähe von Wohnquartieren die Bedürfnisse nach Ruhe und Ausgelassenheit unter einen Hut? Das sei angesichts der 24-Stunden-Gesellschaft zu einer zunehmenden Herausforderung geworden, erklärt Illi. So erinnerte eine Leserin der «Limmattaler Zeitung» kürzlich in einem Leserbrief daran, dass die Anwohner der Grunschen schon seit Jahrzehnten stark lärmgeplagt seien.

In der Grunschen wird nicht nur am 1. August gerne und lange gefeiert.

In der Grunschen wird nicht nur am 1. August gerne und lange gefeiert.

Archivbild: Florian Schmitz

Die Stadt will sich dem Problem annehmen. Deshalb habe die Sicherheitsabteilung gleichzeitig ein neues System auf die Beine gestellt, um die Nachtruhe an den städtischen Lärmhotspots besser durchzusetzen, sagt Illi. Ab sofort werde der private Sicherheitsdienst OE Investigation Services, der über eine Zweigstelle in Dietikon verfügt, in enger Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei an belasteten Orten regelmässig patrouillieren. Sie sollen vor allem präventiv arbeiten und Präsenz markieren, aber könnten notfalls immer die Polizei beiziehen. Zu den einschlägigen Plätzen an der Limmat zählen neben der Bänkligate-Wiese auch flussaufwärts die angrenzende Nötzliwiese und flussabwärts das Chänzeli gegenüber dem Wehr. Zudem erwähnt Illi neben der Grunschen an der Reppisch auch die Hundshütte und den Sportplatz Hätschen als Beispiele. «Wir wollen aber flexibel bleiben, um auch auf künftige Entwicklungen reagieren zu können», sagt er.

Nur die unmittelbaren Anwohner seien betroffen gewesen

Illi selbst war vom nächtlichen Lärm der drei Sitzbänke an der Limmat nicht so stark betroffen. Obwohl er in der Nähe wohne, sei sein Haus durch einige Bäume vom Platz etwas abgeschirmt, erklärt er. Auf Facebook berichtet eine Anwohnerin, dass sie sich zu Hause in rund 50 Meter Entfernung noch nie vom Lärm gestört gefühlt habe, obwohl sie schon seit 20 Jahren dort lebe. Unter der regelmässigen Ruhestörung würden nur wenige Anwohner in unmittelbarer Nähe zu den Sitzgelegenheiten leiden, erklärt der betroffene Albert Isler, der seit fast 50 Jahren im Altbergquartier wohnt. «Der Abstand zu den nächsten Wohnhäusern beträgt nur 12 Meter», gibt er zu bedenken.

Albert Isler wünscht sich mehr Solidarität und Verständnis.

Albert Isler wünscht sich mehr Solidarität und Verständnis.

Florian Schmitz

Isler, der sich lange im Quartierverein Altberg für seine Nachbarschaft einsetzte und heute Ehrenpräsident ist, wünscht sich deshalb mehr Solidarität und Verständnis im Quartier. In den vergangenen 15 bis 20 Jahren habe der nächtliche Lärm auf der kleinen Wiese stetig zugenommen. Ruhestörungen seien vor der Bänklientfernung immer mehr zum Alltag geworden und er habe selbst über die Jahre auch schon mehrmals die Polizei verständigen müssen, nachdem er erfolglos das Gespräch mit dem Partyvolk gesucht habe. «Aber das können und wollen wir ja nicht jede Woche machen», sagt er.

Jugendliche in den frühen Stunden, Clubbesucher später in der Nacht

Mit der Zeit habe er ein Muster festgestellt: In den früheren Nachtstunden seien vor allem Jugendliche vor Ort am Musik hören, was angesichts der immer lauter werdenden mobilen Musikboxen und Handys zunehmend zu Spannungen geführt habe. Später in der Nacht sei er regelmässig von Autos aus dem Schlaf gerissen worden. Weil die Buchsackerstrasse fast an die Limmat grenzt, sei sie attraktiv für Clubbesucher, die auf dem Heimweg noch ein wenig am Wasser entspannen wollen. Auch als Rastplatz werde die Strasse immer wieder genutzt. 2019 habe er einmal nachts um drei zwei Radio hörende Männer in einem Auto mit Neuenburger Nummernschild beim Picknicken beobachtet:

«Später stellte sich heraus, dass es Kriminelle waren, die das Auto in Neuenburg gestohlen hatten.»

Isler will der neuen Lösung mit zusätzlichen Kontrollen eine Chance geben und ist optimistisch, dass die Situation sich nicht wieder so verschärfen wird wie vor der Coronapandemie. Aber eine grundsätzliche Standortproblematik bleibe: Weil viele Bänkli heute im Gegensatz zu früher rund um die Uhr benutzt werden, stünden mittlerweile viele ehemals bewährte Sitzgelegenheiten zu nahe an Wohnhäusern, sagt er. Er hoffe, dass die städtische Politik diese Problematik auch angehe. Illi bestätigt, dass die Bänklistandorte ein wichtiges Hintergrundthema seien, dem sich die Stadt mittelfristig annehmen wolle.