«Es gab sehr viele Hürden auf meinem Weg an die Spitze», sagte Ex-Skirennfahrerin Dominique Gisin. In ihrem Referat gestern am 20. Forum Wirtschaftsstandort Limmattal der Limmattaler Zeitung im Hotel Geroldswil liess Gisin die rund 140 erschienenen Gäste an ihrer Erfolgsgeschichte teilhaben. Trotz zahlreicher Rückschläge und Verletzungen gewann die 34-Jährige 2014 an den Olympischen Winterspielen in Sochi zeitgleich mit der Slowenin Tina Maze die Goldmedaille in der Königsdisziplin Abfahrt. Gisin verfolgte ihr Ziel mit Beharrlichkeit und Mut.

Diesen Themen widmete sich die Jubiläumsausgabe des Anlasses. Unter dem Motto «Courage und Unternehmerlust» diskutierte die Referentin im Anschluss mit der Zürcher Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), dem Limmattaler Unternehmer und Inhaber der Pestalozzi-Gruppe Matthias Pestalozzi sowie dem Verleger und Präsidenten des Verwaltungsrats der CH Media Holding AG Peter Wanner. Moderiert wurde das Podium von Rolf Cavalli, Leiter Online Publishing bei CH Media und Chefredaktor der Aargauer Zeitung.

Angst vor dem Versagen

Als Erfolgsbeispiel galt nicht nur Gisins Werdegang, sondern auch das Familienunternehmen Pestalozzi aus Dietikon. Inhaber Matthias Pestalozzi führt die Firma seit 2014 in neunter Generation. «Hatten Sie nie Angst vor dem Versagen? Dass Sie etwa ein so traditionsreiches Unternehmen zerstören könnten», wollte Cavalli von Pestalozzi wissen. Dieser verneinte. «Dem Entscheid, die Firma zu übernehmen, sind viele Überlegungen und Abwägungen vorausgegangen. In diesem Augenblick überwog die Zuversicht», sagte Pestalozzi.

Der innere Antrieb und der Glaube, dass es gut komme, seien wichtig. «Mut ist der Kern des Unternehmertums», sagte Pestalozzi. Noch mehr Mut als die Übernahme des Familienunternehmens kostete ihn aber etwas ganz anderes. Im Alter von 21 Jahren wurde er zum ersten Mal Vater. «Die Entscheidung, sehr jung eine Familie zu gründen, war im Nachhinein etwas sehr Mutiges. Meine Frau und ich hatten gerade das Studium begonnen. Doch wir sagten uns, wir schaffen das», sagte der diplomierte Physiker und Vater von vier Kindern.

Auch in der Politik ist Courage und Durchsetzungsvermögen essenziell, wie Carmen Walker Späh berichtete. «Man muss für seine Positionen kämpfen, auch wenn das manchmal heisst, dass man unpopuläre Entscheide trifft.» Ob speziell Frauen mehr Mut bräuchten, um gleich weit wie Männer zu kommen, fragte Cavalli die Regierungsrätin. «Frauen müssen sich mehr wehren und exponieren, damit man merkt, dass sie da sind», sagte Walker Späh.

Darauf zu warten, entdeckt zu werden, das sei der falsche Ansatz. «Frauen, die diesen Schritt wagen, erlebe ich als sehr tough, als starke Personen, die ihre Meinungen klar vertreten.»

«Seine Idee durchziehen»

Im Sport gilt Ähnliches. Frauen müssen sich behaupten. «In der Leichtathletik dauerte es zum Beispiel ewig, bis eine Frau einen Marathon laufen durfte», sagte Gisin. Zum Glück seien im Skisport die Unterschiede nicht so gross. «Es ist eine der wenigen Sportarten, in der die Frauen und die Männer gleichzeitig olympisch wurden.»

Und trotzdem könnten die genetischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht negiert werden. «Was mir früher am meisten wehtat, war der Fakt, dass mir, egal wie hart ich trainiere, nie eine Abfahrt so schnell gelingen wird wie einem Mann. Das empfand ich als unfair.»

Cavalli wollte von Peter Wanner wissen, was er als Unternehmer von Gisin lernen könne. «Nie aufzugeben und das Ziel mit einem unbändigen Willen zu verfolgen.» Er setze auf seine Intuition. «Je länger, je mehr, komme ich zur Überzeugung, dass man seine Ideen durchziehen sollte, auch wenn einem davon abgeraten wird.» Als Beispiel nannte er das Online-Nachrichtenportal Watson. «Man hat mich vor dem Projekt gewarnt. Nach fünf Jahren haben wir den Break-even erreicht, und die Kritiker sind verstummt.»

Walker späh will mit den Bären leben

An Mut und Courage fehlte und fehlt es den Podiumsrednerinnen und -rednern nicht. Und trotzdem gibt es noch einiges, was sie noch nicht umgesetzt haben. Wanner verriet, dass ihm bisher der Mut zum Gleitschirmfliegen gefehlt habe. Pestalozzi träumt vom Klavierspielen an einem eigenen Flügel, wenn er das Unternehmen dereinst an die zehnte Generation abgegeben hat.

«Ich will den Mut haben, mir eine Auszeit zu nehmen und die Antarktis zu besuchen», sagte Gisin. In die entgegengesetzte Richtung zieht es Walker Späh: «Ich würde gerne für drei bis vier Monate zu den Bären nach Alaska reisen und dort zeigen, dass ich fähig bin, in der Natur zu leben.»