Dietikon

Ein Drogenhändler meint vor Gericht, er hätte keinerlei Gewinn erzielt

Der Angeklagte wird zitiert: «Ich hatte keinen Erlös. Ich habe nichts verdient. Ich habe das Kokain für 57 Franken pro Gramm gekauft und für 57 Franken verkauft.»

Der Angeklagte wird zitiert: «Ich hatte keinen Erlös. Ich habe nichts verdient. Ich habe das Kokain für 57 Franken pro Gramm gekauft und für 57 Franken verkauft.»

Das Bezirksgericht Dietikon verurteilt einen Slowaken zu einer bedingten Strafe und verweist ihn für sechs Jahre des Landes.

«Das stimmt überhaupt nicht», sagte der Beschuldigte vor dem Dietiker Bezirksgericht in der Befragung durch Bezirksrichter Benedikt Hoffmann. «Das waren nicht mehr als 30 Gramm.» Gemäss Anklage hatte der knapp 30 Jahre alte Slowake, der seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz lebt, aber immer demselben «Kunden» insgesamt 70 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgrad von «mindestens 86 Prozent» verkauft.

Auf die Fragen, wie er zum Drogenhandel gekommen sei und woher der Stoff stamme, wollte der Mann nichts sagen. Auch den Reinheitsgrad des Kokains wollte er nicht gekannt haben. Zu seinem Profit erklärte er: «Ich hatte keinen Erlös. Ich habe nichts verdient. Ich habe das Kokain für 57 Franken pro Gramm gekauft und für 57 Franken verkauft.» Auf den Einwand des Vorsitzenden, wieso man denn so etwas mache, meinte der Beschuldigte, dass er seinem Kunden nur habe helfen wollen.

Über die Pillen machte er sich keine Gedanken

Vorgeworfen wurden dem Beschuldigten zudem Verstösse gegen das Heilmittelgesetz. Gemäss Anklage hatte er via Internet ein Billiggenerikum eines Potenzmittels an eine Adresse in der Slowakei bestellt und dann selber in die Schweiz gebracht. Dazu sagte er, dass er sich keine grossen Gedanken darüber gemacht hätte, ob das Mittel illegal sei. Es stimme aber nicht, dass er eine Pille seinem Kokain-Abnehmer geschenkt hätte.

Zu seinen persönlichen Verhältnissen sagte der Beschuldigte, der verheiratet und Vater eines kleinen Kindes ist, dass er grundsätzlich plane, in einigen Jahren wieder in sein Heimatland zurückzukehren.

Der Staatsanwalt forderte wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen Verstössen gegen das Heilmittelgesetz eine bedingt zu vollziehende Freiheitsstrafe von 16 Monaten, eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 90 Franken, eine Busse von 300 Franken sowie eine Landesverweisung für acht Jahre. «Der Beschuldigte hat ohne Not zu seinem finanziellen Vorteil gehandelt», so der Ankläger. Dass er das Kokain nur verschenkt haben will, sei eine reine Schutzbehauptung. Eine Geldstrafe von insgesamt 900 Franken sei für die Verstösse gegen das Heilmittelgesetz angemessen. Zur Landesverweisung stellte der Ankläger fest, dass diese zwingend sei und dass kein Härtefall vorliege.

Der Verteidiger beantragte hingegen einen Freispruch von den Vorwürfen der Verstösse gegen das Heilmittelgesetz. Er verwies auf die Verordnung über die Bewilligungen im Arzneimittelbereich, wonach Einzelpersonen verwendungsfertige Arzneimittel, die in der Schweiz nicht zugelassen sind, in der für den Eigengebrauch erforderlichen kleinen Menge einführen dürfen. Sein Mandant sei wegen mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer bedingten Freiheitsstrafe von maximal acht Monaten zu bestrafen. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

Es spricht alles für eine Landesverweisung

Das Gericht sprach den Beschuldigten des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig, in allen anderen Punkten nicht schuldig. Es sprach eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten aus, wobei der Vollzug aufgeschoben wird. Zudem verhängte es eine Landesverweisung für sechs Jahre.

Das Gericht sei zum Schluss gekommen, dass die Aussagen des Belastungszeugen – des Abnehmers des Kokains – glaubhaft seien, so der Vorsitzende in der Kurzbegründung des Urteils. Der Sachverhalt gemäss Anklage sei ohne weiteres erstellt.

Etwa anders sehe das Gericht den Sachverhalt beim Heilmittelgesetz, sagte der Richter. Die Verteidigung habe zu Recht argumentiert, dass nicht jede Einfuhr von Arzneimitteln a priori verboten sei. Zur Landesverweisung erklärte der Vorsitzende, dass sie aufgrund des Schuldspruches obligatorisch sei. Es gäbe überhaupt keinen Grund, der gegen eine Landesverweisung sprechen würde.

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