Schlieren

Ein Statement gegen die Wegwerf-Gesellschaft – diese zwei Frauen bieten günstige Kinderkleider

Antonella Perrone (links) und Sarah Di Pasquale gaben dem Secondhandladen für Kinderkleider den Namen «Saranella».

Antonella Perrone (links) und Sarah Di Pasquale gaben dem Secondhandladen für Kinderkleider den Namen «Saranella».

Verkaufen statt wegwerfen: Zwei Schlieremerinnen eröffnen einen Secondhandladen an der Badenerstrasse.

Zwischen einer perfekt sitzenden Kinderhose und Hochwasserhosen liegen manchmal nur wenige Wochen. Oft wechseln die Jahreszeiten so schnell wie die Kleidergrössen der Kinder. Deshalb landen viele Kinderkleider ungebraucht oder kaum angezogen im Müll oder in der Altkleidersammlung. Das war einer der Gründe, weshalb die Schlieremerinnen Antonella Perrone und Sarah Di Pasquale den Secondhandladen Saranella in Schlieren eröffneten.

Von der Entstehung der Idee Ende des letzten Jahres bis zur Eröffnung von Saranella ging alles Schlag auf Schlag. «Wir wollten unsere Idee einfach einmal ausprobieren», sagt Di Pasquale. Der freie Raum an der Badenerstrasse in der Nähe von Dietikon war ein Glücksfall für die beiden Frauen. «Wir merkten gleich, dass der Raum gut passt», sagt Perrone.

«Ich verkaufe die Kleider meiner Kinder bereits seit einiger Zeit über Facebook. Dort sah ich, wie begehrt sie waren», sagt Di Pasquale, die früher als Verkäuferin arbeitete. Ihre Geschäftspartnerin verschenkte die Kinderkleider jeweils an andere Mütter, anstatt die Stücke verstauben zu lassen. Nun fanden sie einen Kompromiss: «Wir wollen in unserem Laden Kleider zu fairen Preisen anbieten», sagt Di Pasquale. Im Eingang des Ladens steht eine Kiste mit Gratisartikeln. «Diese haben beispielsweise ein kleines Loch oder einen Flecken», sagt Perrone. Das komme für den regulären Verkauf nicht in Frage. Aufgrund der Nachfrage muss auch diese Kiste regelmässig aufgefüllt werden.

Alte Kleider bringen und gebrauchte mitnehmen

Bislang mangelte es den Ladenbesitzerinnen nie an neuen Kinderkleidern. «Manchmal kaufen die Kunden ein und bringen gleich noch alte Kleider mit», so Di Pasquale. Doch auch, wenn die Kleider gratis geliefert werden, so sei der Aufwand, sie zu kontrollieren und zu sortieren, nicht zu unterschätzen. Jedes Stück im Regal soll gewaschen und intakt sein. «Es soll schön aussehen, wie in einem Kleiderladen», sagt Perrone.

Der Preis für diese Anforderung schlägt sich auch finanziell zu Buche. «Es ist gut, haben wir eine GmbH gestartet, denn wir hatten in der letzten Zeit einige Auslagen», sagt Perrone. Mit dem Mobiliar und der Miete des hohen Raumes sei einiges zusammengekommen.

Auch die Arbeitsbelastung war intensiv. So mussten sich die Frauen bereits zu Anfang gut organisieren, um sich daneben noch um ihre Familien und ihre anderen Jobs kümmern zu können. Eigentlich sollte der Laden bereits Anfang April eröffnet werden, doch aufgrund der Coronakrise verschob sich das Ganze auf den 11. Mai. «Leider konnten wir keine Einweihungsparty machen. Das war schade», sagt Perrone. Di Pasquale vermutet, dass während einer normalen Frühlingssaison mehr Käufer gekommen wären. Doch trotz des harzigen Starts blickt sie zuversichtlich in die Zukunft.

Besonders die Begegnungen mit den Kunden geben ihr Anlass dazu: «Letzte Woche kam eine Frau, die Kleider für ihre drei Kinder kaufen konnte», sagt Di Pasquale. Sie sei sehr froh über den günstigen Einkauf gewesen. «In diesem Moment habe gewusst, dass ich das Richtige gemacht habe.»

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