Birmensdorf

Er war der letzte Hufschmied im Dorf – nun zeigt er im Ortsmuseum, wie man ein Pferd beschlägt

Wieder einmal am Amboss: Fritz Klossner in der alten Schmiede im Ortsmuseum Birmensdorf.

Wieder einmal am Amboss: Fritz Klossner in der alten Schmiede im Ortsmuseum Birmensdorf.

Jahrzehnte lang vertrauten die Bauern Fritz Klossner ihre Pferde an. Ursprünglich wollte er einen anderen Beruf erlernen.

Die kräftigen Hände von Fritz Klossner haben das Handwerk auch nach 30 Jahren nicht verlernt. Sie packen das Hufeisen und fast scheint es, als springe der Hammer unter seiner Führung von alleine über den Amboss in der alten Schmiede im Birmensdorfer Ortsmuseum. Dort wird der letzte Hufschmied des Dorfs am Samstag Interessierten zeigen, wie man ein Pferd beschlägt.

«Die Arbeit mit den Pferden hat mir Spass gemacht», sagt Klossner. Ursprünglich wollte er einen anderen Beruf erlernen: «Ich wäre gerne Mechaniker geworden. Doch ein Freund erhielt die Stelle», sagt der 87-Jährige. Bis er die Lehre als Hufschmied anfangen durfte, musste er zwei Jahre warten. «Zuerst mussten meine Brüder aus der Schule sein.» Das sei damals so üblich gewesen, auf dem Hof seiner Eltern im Emmental. Über seine Lehre findet Klossner gute Worte, auch wenn er viel gearbeitet habe: «Schon nach dem ersten Lehrjahr durfte ich einfache Pferde selbst beschlagen.» Mit einfachen Pferden meint er solche, die beim Beschlagen nicht treten und beissen. Mit 28 Jahren bekam er das Angebot, die Schmiede in Birmensdorf zu übernehmen. Der Berner liess sich von den ehemaligen Besitzern überzeugen und zog ins Limmattal.

Von Emmental ins Züribiet

«Besonders für meine Frau war der Umzug ein grosser Schritt», sagt er. Die gelernte Damenschneiderin erledigte in Birmensdorf die Buchhaltung seiner Schmiede. Klossner kümmerte sich im Dorf nicht nur um Pferde, sondern engagierte sich bald auch in der Gemeinde. Zwölf Jahre sass er in der Sekundarschulpflege und acht Jahre im Gemeinderat. Daneben hämmerte er in seiner Schmiede weiter. Um 1959 gab es 78 Bauern und rund 65 Pferde in der Region. Diese mussten alle paar Monate neu beschlagen werden. Zu seiner Kundschaft zählten vor allem Pferde, die den Pflug durch die Erde zogen und die Bauern so bei ihrer Arbeit unterstützten. Das war auch der Grund, weshalb sich seine Arbeit in den kommenden Jahren veränderte. «Die Maschinen hielten Einzug», sagt er. So sattelte auch Klossner von einer Pferdestärke zu mehreren Hundert PS starken Maschinen um. Er begann als Landmaschinenmechaniker und Schlosser zu arbeiten. Damit er Lehrlinge ausbilden konnte, drückte er mit über 40 Jahren noch die Schulbank und holte sein Diplom sowie den Meistertitel nach.

Die Pferde, die heute noch über die Wiesen und Hürden galoppieren, werden von Hufschmieden beschlagen, die mit ihrem Lieferwagen von Hof zu Hof fahren. «Das kam für mich nicht in Frage», sagt Klossner. Obwohl er die Arbeit und besonders den Kontakt zu den Tieren vermisse. «Ich würde die Ausbildung nochmals machen, wenn die Voraussetzungen dieselben wären wie damals», sagt er. Doch heute könne man kaum von diesem Handwerk leben. Klossner blieb das eiserne Handwerk erhalten: nun aber in der Form von Landmaschinenreparatur, dem Verlegen von Wasserrohren und Schweissarbeiten. Er wurde immer mehr zu einem Allrounder in der Region.

Doppelter Abschied

«Das einzige, was ich nicht gern machte, war aufhören», sagt Klossner. Bei ihm sei es besonders schwer gewesen, da vieles gleichzeitig kam: Im selben Jahr, als er seine Werkstatt verpachtete, wanderte sein Sohn nach Australien aus und seine langjährige Ehefrau starb. Klossner blieb in Birmensdorf, auch dann, als seine Tochter dem Sohn nachzog. Er habe ja noch seine Brüder und Kollegen hier. Nebst dem geht er hie und da selbst auf Reisen. «Ich habe immer etwas Cheibs los», sagt er.

Auch nachdem er längst pensioniert war, arbeitete Klossner in seinem «Schopf» weiter. Er flickte Rasenmäher und schmiedete Geländer. «Sachen, auf die sonst keiner Lust hatte», wie er sagt. Viele wussten das zu schätzen: «Wenn man etwas Spezielles wollte, musste man einfach den Fritz rufen», sagt ein Freund. Sein Werkzeug für das Schmiedhandwerk trat immer mehr in den Hintergrund und verschwand schliesslich ganz in einer Abstellkammer. Bis zum Tag, als er seine ganze Ausrüstung dem Ortsmuseum Birmensdorf überreichte. Albert Wey, Restaurateur und Kurator des Museums, brachte die Werkzeuge wieder in Schuss und stellte sie im Museum aus. «Letztes Jahr besuchten rund 600 Leute das Museum», sagt Wey. Jeden Monat können historisch Interessierte einen anderen Schwerpunkt erleben. «Diesen Samstag geht es um das Thema Schmiede», sagt Wey. Fritz Klossner, einer der erfahrensten Vertreter dieses Handwerks, wird dabei Auskunft geben. Doch es geht um mehr als nur Theorie: Die Besucher können ihm dabei zuschauen, wie er wohl zum über hundertsten Mal ein Pferd beschlägt.

Die Hufschmiedausstellung findet diesen Samstag, 7. Juli, um 14 bis 16 Uhr im Ortsmuseum an der Kirchgasse 14 in Birmensdorf statt.

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