Corona-Virus

Erste Anfragen für die Freiwilligen: Hilfe für Senioren kommt in Fahrt

Ob Vereine, Facebook-Gruppen, Gemeinden oder die Kirche: Die Hilfsbereitschaft im Limmattal ist gross – zurzeit noch grösser als die Nachfrage.

Ob Vereine, Facebook-Gruppen, Gemeinden oder die Kirche: Die Hilfsbereitschaft im Limmattal ist gross – zurzeit noch grösser als die Nachfrage.

Viele Limmattaler Helferinnen und Helfer bieten an, Einkäufe für Ältere zu erledigen – einige Beispiele.

Einer für alle, alle für einen: Dass dieses eidgenössische Prinzip noch immer viel zählt, zeigt sich zurzeit gerade auch im Limmattal. Unzählige Personen möchten den Risikogruppen, für die das Corona-­Virus besonders gefährlich ist, helfen. Insbesondere zeigen sich viele Limmattalerinnen und Limmattaler bereit, Einkäufe für ältere Personen zu erledigen, damit diese zu Hause bleiben können und sich keinem Risiko aussetzen müssen.

So gründeten zum Beispiel Brigitte Becker, Harry Landis und Jack Haug die Gruppe Nachbarschaftshilfe Weiningen. Einkäufe und andere Besorgungen erledigen: Die Helfer können sich viele Einsatzmöglichkeiten vorstellen. Die Gemeinde nahm den Steilpass auf und verteilte kürzlich im ganzen Dorf ein Flugblatt, das auf das neue Angebot hinweist. Bisher hat die Gruppe nur erste vereinzelte Anfragen erhalten, sagt Haug. Womöglich hätten manche Senioren noch Hemmungen, sich zu melden. Haug hält fest: «In der Krise wollen wir füreinander da sein. Unser Ziel ist, dass die Älteren geschützt sind. Der Bund rät ihnen davon ab, selber einkaufen zu gehen. Dieser Empfehlung sollte man folgen. Wir helfen gerne freiwillig. Niemand muss sich genieren, die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn wir sind mehr als genug.» Das Angebot könne auch noch ausgebaut werden, sagt Haug.

In Bergdietikon sind es die Katholische Kirche und die Reformierte Kirche, die einen Einkaufsservice anbieten. Am Mittwoch wurde das Angebot im Altersgerechten Wohnen im Schlittental bekannt gemacht, am Freitag dann in der ganzen Gemeinde. Gestern hat nun die Katholische Kirche die ersten Einkaufszettel erhalten. «Bald werden sich mehr Leute getrauen, die Hilfe in Anspruch zu nehmen», sagt der Seelsorger Michael Jablonowski. «Den Menschen zu helfen, die sogenannte Diakonie, ist eine der wichtigsten Säulen der Kirche. Zudem haben wir jetzt zwar viel räumliche Distanz untereinander, aber wenn wir uns helfen, leben wir trotzdem als Gemeinschaft», sagt Jablonowski. Auch die Botschaft Jesu predigt er weiter: Da zurzeit keine Gottesdienste stattfinden, veröffentlichte Jablonowski am Wochenende stattdessen ein Impulsvideo. «Wir werden nun jedes Wochenende ein Video veröffentlichen. Vielleicht streamen wir auch mal einen Gottesdienst.»

Modern unterwegs ist beispielsweise auch der Frauenverein Aesch, der im Dorf wegen der Corona-Krise schon früh Unterstützung anbot. Um die Hilfsaufträge unter den Helfern zu koordinieren, benutzt der Verein ergänzend zu Telefon und E-Mail neu auch die App «Five up», wie Christina Hatz vom Frauenverein sagt. Um Unterstützung anzubieten oder in Anspruch zu nehmen, ist die App aber nicht zwingend.

«Seit dem Start haben wir schon zehn Aufträge vermittelt. Aber wir haben noch viel Potenzial, denn total haben sich schon über 40 Personen gemeldet, die ihre Hilfe anbieten», sagt Hatz. Neben Hilfe beim Einkauf und bei der Kinderbetreuung konnte der Frauenverein auch Fahrdienste vermitteln: «Viele Rotkreuzfahrerinnen und Rotkreuzfahrer sind über 65 Jahre alt und damit Teil der Risikogruppe. Da sie nicht mehr fahren dürfen, müssen sie ersetzt werden», erklärt Hatz, die für das Engagement des Frauenvereins schon viel positives Echo erhalten hat.

Urdorfer Freiwilligenplattform: schon 16 Personen unterstützt

Der Grund, wieso die Hilfsangebote bisher noch nicht allzu oft in Anspruch genommen wurden, könnte darin liegen, dass sich im Limmattal viele Nachbarn gut untereinander helfen, ohne eine spezielle Organisation dahinter.

Diese Art von Hilfe lebt beispielsweise der Schlieremer Marco Mordasini. Seine Nachbarn und er gingen schon mehrmals für Bewohner der gleichen Liegenschaft einkaufen, die der Risikogruppe angehören. Aber er will noch mehr helfen und hat die Facebook-Gruppe «Solidarität für Schlieren gegen Corona» gegründet. Auch hier kamen bisher noch nicht allzu viele Aufträge rein. «Am Samstag ging ich erstmals für einen Mann einkaufen, der sich aufgrund der Facebook-Gruppe bei mir gemeldet hatte. Er sagte, was er braucht, und legte das Geld vor die Tür, das ich durch die vollen Einkaufstaschen ersetzte. So konnten wir alle Abstandsregeln einhalten.» Für Mordasini ist klar: «Die Hilfe der verschiedenen Gruppierungen wird jetzt so richtig anlaufen.» Wie Michael Koger von der Stadt Schlieren gestern zur «Limmattaler Zeitung» sagte, wird die Stadt bald Flugblätter verteilen mit der Telefonnummer von Mordasini und einer weiteren Gruppe, die Hilfe anbietet.

Von Anfang an engagiert war beispielsweise auch die Gemeinde Urdorf, die auf www.urdorf.ch/freiwilligenarbeit die Hilfe gleich selber koordiniert. Derzeit zähle man 25 aktive Anbieter und «16 Personen haben Unterstützung gesucht und über die Plattform gefunden», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde. Auch die meisten anderen Gemeinden weisen auf Flugblättern und ihren Websites auf Hilfsdienste hin. Oft genügt ein Anruf, um mit Freiwilligen in Kontakt zu kommen.

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