Bezirksgericht Dietikon

Fitnessgerät mit Honig beschmiert: Rache kommt Nachbarin teuer zu stehen

Eine Rentnerin hatte aus Rache ein Fitnessgerät mit Honig beschmiert.

Eine Rentnerin hatte aus Rache ein Fitnessgerät mit Honig beschmiert.

Die Einsprache gegen einen Strafbefehl wegen geringfügiger Sachbeschädigung kommt eine Rentnerin teuer zu stehen.

Seit 37 Jahren wohnt die Rentnerin, die am Mittwoch vor dem Bezirksgericht stand, in derselben Eigentumswohnung. «Das Pärchen wohnt erst seit 20 Jahren da, aber seither gibt es ständig ‹Chritz› mit denen.» Entrüstet sitzt die magere 71-jährige im Trenchcoat im Gerichtssaal. Sie trägt eine randlose Brille, die Lippen rot, das Haar gefärbt. Im Mai dieses Jahres hatte sie zu nächtlicher Stunde im Trockenraum der Liegenschaft ein – besagtem Pärchen gehörendes – Fitnessgerät und einen Hocker mit Honig beschmiert. Sie hatte dies unumwunden zugegeben und war wegen geringfügiger Sachbeschädigung per Strafbefehl zu 250 Franken Busse plus 350 Franken Gebühren verknurrt worden.

Die Antwort auf die Frage von Einzelrichter Bruno Amacker, warum sie dagegen Einsprache erhoben habe, ist klipp und klar: «Weil ich einen Freispruch will.» Was sie gemacht habe, sei schliesslich keine Sachbeschädigung. Eine solche sei doch nur, wenn man etwas gezielt kaputt mache. «Ich habe das Gerät im Nachhinein mehrfach kontrolliert, und da war rein gar nichts beschädigt.» Die Besitzer hätten, so der Richter, das Gerät und den Hocker aber mit ziemlichem Aufwand putzen müssen. «Das war ja auch meine Absicht», kontert die Rentnerin.

Eiswürfel in die Schuhe

Im Verlaufe der Jahre sei ein Haufen passiert mit dem Pärchen. «Die erlauben sich immer wieder Sachen, wie wenn das ganze Haus ihnen gehören würde.» Die Beschuldigte habe aber, so Richter Amacker, immerhin den Nachbarn auch schon mal Eiswürfel in die Schuhe gelegt. «Ja», gibt die Rentnerin unumwunden zu, «die haben Enkel und ständig Besuch, und da stehen dann jeweils vor ihrer Wohnung Schuhe kreuz und quer im Korridor. Das gehört sich einfach nicht.» Was sie sich denn von ihrer Honig-Aktion erhofft habe? «Gar nichts – ich habs einfach gemacht.» Wie denn momentan ihr Verhältnis zu dem Pärchen sei? «Halt grüezi und adieu. Einmal hat sie mich gefragt, wie es mir gehe. Aber das war nicht ehrlich, denn sie weiss genau, dass mein Freund praktisch im Sterben liegt.»

Legitimiert gefühlt

Das Urteil ist rasch gefällt. Die Rentnerin wird schuldig gesprochen. «Eine Sachbeschädigung muss nicht dauerhaft sein. Der Sachverhalt ist auch erfüllt, wenn eine vorübergehende Beeinträchtigung verursacht wurde», hält der Richter fest. Zudem sei die Rentnerin weder einsichtig noch zeige sie Reue. Im Gegenteil, sie habe sich für ihr Tun offenbar legimitiert gefühlt.

Die Busse bleibt bei 250 Franken. «Sie ist», so Bruno Amacker, «recht mild, das Stadthalteramt war wohlwollend.» Zu den im Strafbefehl aufgeführten Kosten von 600 Franken gesellen sich nun noch 1500 Franken für die Verhandlung. Mit dem Urteil sei sie nicht einverstanden, erklärte die Rentnerin nach der Verhandlung auf dem Korridor, «aber ich glaube, ich ziehe es nicht weiter».

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