Dietikon
Für einmal sind es nicht die Bretter, die die Welt bedeuten

Von der Bühne auf die Leinwand – die Theateria betritt Neuland.

Olivier Meier
Merken
Drucken
Teilen
Silvan Fischbacher spielt im Film den Jugendlichen Coco, der einmal Clown werden will.

Silvan Fischbacher spielt im Film den Jugendlichen Coco, der einmal Clown werden will.

OME

Die Theateria Dietikon geht neue Wege. Statt wie üblich ein Theaterstück einzuüben, entschieden sich die Leiter Stefan Baier und Heidi Christen dafür, in diesem Jahr erstmals einen Kurzfilm zu drehen. «L’enfance est morte... es lebe das Kind» heisst das Werk und handelt von einem Jugendlichen, der nicht wie von seinem Vater vorgesehen Banker, sondern Clown werden will.

Die Voraussetzungen für die Produktion waren bescheiden: Kleines Budget und wenig Zeit. Doch das stellte für Baier kein Hindernis dar. «Wenn man gute Schauspieler zur Verfügung hat, läuft vieles von alleine», sagt er. Der Startschuss für den Film fiel im Mai. Wie rettet man einen Teil der eigenen Kindheit in die Welt der Erwachsenen? Diese Frage interessierte auch den Filmemacher Marcos Ramirez. In einer kreativen Zusammenarbeit mit den Leiter der Theateria war das Drehbuch bald geschrieben.

Erste Drehtage im Sommer

Im Sommer folgten die ersten Drehtage mit den Kindern und Jugendlichen. Alle KursteilnehmerInnen standen zum ersten Mal vor der Kamera und packten die neue Herausforderung mit viel Spielwitz an. Die Hauptszene spielt im Sandkasten der Freizeitanlage Chrüzacher. Ein Kindergericht klagt die Hauptfigur Coco des Verrates an der Kindheit an.

Damit auch die kleinen Kinder das Geschehen verstanden, arbeiteten die Verantwortlichen nicht in kurzen Sequenzen, wie im Film üblich, sondern studierten mit ihnen eine Theaterszene ein. Diese wurde mehrmals gefilmt, in der Postproduktion in kleine Teile zerlegt und wie ein Puzzle wieder zusammengefügt. So entstand ein Rohschnitt, der am Freilufttheatertag erstmals gezeigt wurde. Danach aber fing die akribische Feinarbeit erst an. Stundenlang wurden Ton und Bild nochmals bearbeitet.

Willkommene Abwechslung

Hauptdarsteller des Filmes ist Silvan Fischbacher. Der 18-Jährige spielt im Film den Jugendlichen Coco, der unbedingt Clown werden will. Dies ist allerdings gar nicht nach dem Geschmack des Vaters.

Für Laienschauspieler Fischbacher ist es die erste Rolle in einem Film. «Für mich war es eine willkommene Abwechslung zum Theaterspiel», sagt der Jugendliche. Er war vor allem beeindruckt von den Kindern, die teilweise unglaublich authentisch wirkten, ohne sich gross auf die Arbeit am Filmset einzustellen.

Zu sehen ist der Film im Rahmen der diesjährigen Schaufenstergeschichten in der Theteria. Premiere feiert er diesen Freitag. Dann wird der rote Teppich für die Kinder und Jugendlichen ausgerollt. Die Leiter sind gespannt auf die Reaktionen des Publikums. «Wird der Film die Herzen der ZuschauerInnen erreichen», fragen sich die Macher.

Im ersten Teil der Veranstaltung wird das Theateria TriOhhh mit Heidi Christen, Thomas Lutz und Stefan Baier seine neusten Geschichten und Lieder zum Besten geben. «Lügen haben kurze Beine», heisst das neue Programm. Doch der Fokus liegt ganz klar auf dem Kurzfilm, in den Baier und Christen viel Arbeit hinein gesteckt haben. Denn: «Den Kindern gebührt der Schlussapplaus, denn sie haben einen super Job gemacht und unsere Erwartungen übertroffen,» sagt Baier.