Weiningen

Kunstturnerin Emmi Schmid: «Ich musste mich bewegen, es ging nicht anders»

Emmi Schmid und ihre «Meitli»: Die kleine Riege will es in der nächsten Saison wieder an die Schweizer Meisterschaft schaffen.

Emmi Schmid und ihre «Meitli»: Die kleine Riege will es in der nächsten Saison wieder an die Schweizer Meisterschaft schaffen.

Die Kunstturn-Riege des TV Weiningen wurde 1969 gegründet; gross feiern will Initiantin Emmi Schmid aber nicht.

«Wenn eine alle paar Minuten auf die Uhr blickt, dann ist sie bei uns an der falschen Adresse. Wenn sie aber den älteren Turnerinnen bei deren Übungen zusieht und dabei etwas lernen will, dann darf sie gerne bleiben.» Emmi Schmid, geborene Schubiger, hat ihre klaren Vorstellungen davon, wie sich ein Mädchen zu benehmen hat, wenn es für ein Schnuppertraining in die Turnhalle Weiningen kommt.

Ein grosses Talent muss es nicht sein, aber sich für das Kunstturnen begeistern. So wie es die Trainerin seit Jahrzehnten tut. Wenn ein Mädchen neu zur Riege stossen möchte, absolviert es eine einmonatige Testphase. Dann entscheiden das Kind, die Eltern und Emmi Schmid zusammen, ob es sinnvoll ist, ins reguläre Training einzusteigen.

Natürlich gebe es Grenzen, sagt Schmid. Wenn beispielsweise ein 13-jähriges Mädchen noch nie vorher Sport betrieben habe, mache es keinen Sinn, mit Kunstturnen überhaupt zu beginnen. «Das gibt nichts», sagt Schmid. «Da kann man die Abläufe nicht mehr lernen.»

«Darf ich in einer Ecke meine Übungen machen?»

Das ideale Alter zum Einstieg in das Kunstturnen sei mit sechs, sieben Jahren. «Es braucht Durchhaltewillen, Talent und Selbstdisziplin», sagt Schmid. Sie weiss, wovon sie spricht. Schmid ist mehrfache Schweizer Kunstturnmeisterin, EM- und WM-Teilnehmerin Mitte der 1960er-Jahre und Beinahe-Olympiateilnehmerin 1968. Dass die damals 23-jährige Schmid nicht an die Olympischen Spiele nach Mexiko durfte, weil sie der nationale Verband trotz eindrücklichem Leistungsausweis nicht selektionierte, bedeutete das Ende ihrer Laufbahn als Leistungssportlerin. Und wurde gleichzeitig zum Startschuss für die Kunstturnerriege Weiningen.

Sie trainiert die Kunstturnerinnen seit 50 Jahren

Denn nach dem unschönen Ende ihrer Laufbahn wollte sie einfach weiterturnen. «Ich musste mich bewegen, es ging nicht anders», blickt sie zurück und schmunzelt. Doch wo sollte sie turnen? «Ich wandte mich an Werner Müller, den damaligen Oberturner des TV Weiningen, und fragte ihn, ob ich in der Schlüechti-Turnhalle in einer Ecke meine Übungen machen dürfte.»

Sie durfte, und schon bald drückten Schulkinder ihre Gesichter von aussen an die Fensterfront und schauten ihr einfach zu. «Bald kamen die ersten Anfragen von Eltern, ob ich nicht Trainings mit ihren Töchtern abhalten könnte.» Der Grundstein zur Gründung der Kutu Weiningen im Jahr der Mondlandung als Untersektion des Turnvereins war gelegt. Und so geht Emmi Schmid seit nunmehr 50 Jahren auf in ihrer Rolle als Trainerin der Weininger Kunstturnerinnen.

Vieles änderte sich im Kunstturnen in den vergangenen fünf Jahrzehnten, ihr Feuer für die Förderung von jungen Kunstturnerinnen ist immer noch dasselbe. Dass nicht jede eine neue Ariella Kaeslin oder Simone Biles – seit letztem Sonntag erfolgreichste WM-Teilnehmerin aller Zeiten – werden kann, sei klar. «Es geht um die Freude am Turnen, nicht um das Streben nach Siegen», sagt Emmi Schmid.

Schweizer Meisterschaft als Riesenerfolg

Vier Trainings bietet die 74-Jährige ihren momentan 15 Mädchen pro Woche an. Dreimal in der Turnhalle, einmal bei ihr zu Hause im eigens dafür eingerichteten Trainingsraum in Hüttikon. «Hier haben wir alles, was wir benötigen», sagt Schmid.

Bevor sie für den Journalisten der Limmattaler Zeitung eine Führung durch ihr Reich machen kann, kommen schon die ersten beiden Turnerinnen durch die Tür. «Aufwärmen. Ihr wisst ja wie», gibt Schmid vor. Als schliesslich alle Mädchen der Donnerstags-Trainingsgruppe bereit sind, wird noch rasch ein Foto geschossen. Dann verabschiedet sich Emmi Schmid vom Besuch und widmet sich mit der ihr eigenen Hingabe ihren «Meitli», wie sie sie nennt. Das ehrgeizige Ziel für die nächste Saison steht: Die Weiningerinnen wollen wieder an die Schweizer Meisterschaft. Gleich mit vier Mädchen war man heuer dort vertreten. «Für unsere kleine Riege ein Riesenerfolg», freut sich Trainerin Schmid.

Auch wenn ein 50. Geburtstag ein Grund zum Feiern wäre, in Weiningen gibt es keine grosse Sause nach dem Ende der Wettkampfsaison. «Aber wir freuen uns auf unsere Auftritte am Chränzli des Turnvereins», sagt Schmid. Zudem sei ein «Weihnachtsturnen» für alle Angehörigen geplant.

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