Schlieren

Leimgrübler und Viridén: Es kommt zur Kampfwahl ums Friedensrichteramt

Adrian Leimgrübler (parteilos) und Songül Viridén (GLP) kandidieren fürs Schlieremer Friedensrichteramt.

Schlichten statt richten: Das wollen sowohl Songül Viridén (GLP) als auch Adrian Leimgrübler (parteilos). Sie kandidieren für die Nachfolge der langjährigen Friedensrichterin Eliane Graf (SVP).

In ihrem 22. Jahr als Schlieremer Friedensrichterin tritt Eliane Graf diesen Sommer ab. Die Pensionierung ruft. Da die derzeitige Amtsperiode von 2015 bis 2021 dauert, kommt es zu einer Ersatzwahl für den Rest der Amtszeit.

Schon länger bekannt ist die Kandidatur der Schlieremerin Songül Viridén (Jahrgang 1973). Die diplomierte Marketing- und Kommunikationswirtin ist bekannt als grünliberales Mitglied des Gemeindeparlaments und sitzt dort auch in der Rechnungsprüfungskommission. Zudem ist die zweifache Mutter im Vorstand der Musikschule Schlieren. «Das Amt als Friedensrichterin interessiert mich sehr», sagt Viridén. «Ich liebe es, wenn sich Menschen vertragen. Und Schlieren liegt mir sehr am Herzen, darum würde es mich freuen, wenn ich mich als Friedensrichterin für ein gutes Miteinander engagieren könnte», sagt sie. Es sei ihr Naturell, dass sie gerne schlichte. «Das habe ich schon als Kind gerne getan.» Für sie spreche auch ihre Sozialkompetenz, so Viridén. Bevor sie Marketing und Kommunikation studierte, habe sie zudem mehrere Semester Jura belegt. Und in ihrer Ausbildung zur HR-Fachfrau hat sie sich auch mit dem Arbeitsrecht beschäftigt.

Kandidatur innert zweiter Frist

Nun erhält sie bekannte Konkurrenz. Denn jetzt hat auch Adrian Leimgrübler (1960) seine Kandidatur eingereicht. Der parteilose Jurist war lange in der FDP und amtete von 2001 bis 2015 als Bezirksratspräsident und Statthalter des Bezirks Dietikon. Zudem war er 2018 im Organisationskomitee des 26. Zürcher Kantonalschützenfests im Limmattal. «Die andere Kandidatur ist zwar in Ordnung. Aber für die Stimmbürger ist es besser, wenn sie eine Auswahl haben und sich auch für einen bürgerlichen Kandidaten entscheiden können», begründet Leimgrübler seine Kandidatur. «Das Amt interessiert mich sehr und dank meines Werdegangs bin ich die ideale Besetzung. Schon als Staatsanwalt und später als Statthalter gehörte das Vermitteln und das Finden einer gütlichen Lösung zu meinen Aufgaben.»

Mit den Kandidaturen von Viridén und Leimgrübler kommt es also zur Kampfwahl ums Schlieremer Friedensrichteramt. Sie soll am 19. Mai 2019 stattfinden. Dann stehen auch zwei nationale Abstimmungen an. Erstens das Bundesgesetz über die Steuerreform und die Finanzierung der Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV). Zweitens stimmt das eidgenössische Volk über die Genehmigung und Umsetzung der neuen EU-Waffenrichtlinie ab.

Was machen Friedensrichter? Ihr Grundsatz lautet: «Zuerst schlichten, dann richten.» Sie vermitteln zwischen Parteien, die im Streit liegen oder sich nicht einig sind. Scheitert der obligatorische Schlichtungsversuch, kommt es zu einem Entscheidverfahren. In diesen Verhandlungen geht es mitunter um Geldstreitigkeiten, arbeitsrechtliche Klagen, Unterhaltsklagen, erbrechtliche Klagen, Persönlichkeitsverletzungen oder Nachbarschaftsklagen. Neben den Verhandlungen obliegen den Friedensrichtern insbesondere die Anfertigung von Protokollen, Verfügungen, Urteilen, Urteilsvorschlägen und Klagebewilligungen. Weiter gilt es, die Buchhaltung und das Inkasso über die Gebühren zu führen und Statistiken zu erstellen.

Das empfiehlt der Verband

Wie der kantonale Friedensrichterverband in seinem Anforderungsprofil für Friedensrichter weiter schreibt, ist die ideale Person dafür unabhängig, authentisch, vertrauenswürdig, verschwiegen belastbar, geduldig und hat Durchsetzungsvermögen. Auch Organisationstalent und genügend Zeit sind nötig.

Zudem ist es von Vorteil, wenn man die Grundzüge des Zivilprozessrechts und des Betreibungsverfahrens kennt und sich in Zivilgesetzbuch und Obligationenrecht zurechtfindet. Ein Jus-Studium oder dergleichen ist keine Voraussetzung. Es gibt kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten.

Es ist nicht unüblich, dass dem Limmattaler Volk bei der Besetzung der Friedensrichterämter eine Auswahl geboten wird. Dies war zum Beispiel auch letztes Jahr bei den Kommunalwahlen in Weiningen der Fall. Dort setzte sich Enrico Denicolá (SVP), der auch in Geroldswil als Friedensrichter amtet, gegen Hans-Ulrich Furrer (Quartierverein Fahrweid) durch.

Eliane Grafs grosse Leistungen

Wer auch immer in Schlieren gewinnt, tritt in sehr grosse Fussstapfen. Die heutige Friedensrichterin Eliane Graf (SVP) trat ihr Amt im Jahr 1997 an und verfügt über einen eindrücklichen Leistungsausweis. Ab 1998 war sie Vorstandsmitglied im Verband der Friedensrichter des Bezirks Dietikon, den sie später auch präsidierte. Heute ist Enrico Denicolá Präsident.

Ebenfalls 1998 wurde sie Vorstandsmitglied im kantonalen Friedensrichterverband, wo sie bei der internen Verbandszeitschrift mithalf und sich für Weiterbildungen einsetzte. Als dann 2002 die erste Vernehmlassung zur neuen schweizerischen Zivilprozessordnung begann, war sie an vorderster Front dabei. Und gründete gleich auch noch den Schweizerischen Verband der Vermittler und Friedensrichter, in dem sie bis 2010 als Vizepräsidentin amtete. Heute ist sie – wie Enrico Denicolá auch – Ehrenmitglied dieses Verbands.

Durchschnittlich handelt es sich beim Amt der Schlieremer Friedensrichterin beziehungsweise des Schlieremer Friedensrichters um einen 80-Prozent-Job. «Zwischenzeitlich können es auch mal 90 oder 100 Prozent sein», sagt Graf. Als Schlieremer Friedensrichterin bearbeite sie zwischen 150 und 200 Fälle pro Jahr.

Neue Regeln seit 2011

Scheidungen gehören nicht mehr dazu. Die Zuständigkeit dafür wechselte mit der Einführung der neuen Zivilprozessordnung im Jahr 2011 an die Gerichte. Dafür kamen bei den Friedensrichtern andere Aufgaben hinzu.

Bevor sie Friedensrichterin wurde, besuchte Graf die Handelsschule, machte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete in einer internationalen Logistikfirma, ehe sie für sechs Jahre auf dem Steueramt der Stadt Schlieren arbeitete. Dann, 1997, startete die Ära Graf auf dem Schlieremer Friedensrichteramt.

So wie Graf sind auch die Friedensrichterinnen Christa Maag (Dietikon), Claudia Hafner (Urdorf), Evelyne Müller (Uitikon) und Gabriela Kleiner (Oetwil) für genau eine Gemeinde zuständig. Geroldswil und Weiningen haben hingegen mit Enrico Denicolá beide den gleichen Friedensrichter gewählt. Ebenfalls für zwei Dörfer zuständig sind Edith Schleifer (Birmensdorf und Aesch) und Beat Lustenberger (Oberengstringen und Unterengstringen). Zentralistischer ist es im Aargau: Bergdietikon gehört zum mit vier Friedensrichtern besetzten Aargauer Friedensrichteramt Kreis IV, dieser umfasst Bergdietikon, Spreitenbach, Killwangen, Wettingen und Würenlos.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1