Trotz seiner 46 Jahre hat sich Michael von der Heide seinen spitzbübischen Humor bewahrt. Das zeigt er auch bei seinem Auftritt in Dietikon am Samstagabend. In einer mit Blumen bestickten Samtjacke und sportlichen weissen Sneakers springt der Sänger auf die Bühne. Kaum hat ihn das Scheinwerferlicht erfasst, verfällt das Publikum in tosenden Applaus. Er nutzt die gute Stimmung, stimmt direkt das erste Lied an und hat die Zuhörer l damit schon fest im Griff. Die klatschenden Hände sind ununterbrochen dabei, im Takt mitzuwirken. Einige Besucher singen sogar, die Melodie ist bekannt. Als von der Heide nach den ersten beiden Titeln die Anwesenden im «wunderschönen Gemeinderatssaal» begrüsst, verfällt die Menge in gemeinsames Kichern. «Sie haben diesen Saal noch nicht bei Tageslicht gesehen, da ist er noch viel schöner», doppelt von der Heide mit einem Augenzwinkern nach.

Der Sänger ist nicht nur aufgrund seiner Stimme beliebt, sondern auch wegen seines Umgangs mit dem Publikum. Einige Witze wirken einstudiert, andere wiederum müssen spontan passieren. So auch bei diesem Auftritt. Als mitten im Programm ganz unerwartet die Trychlergruppe am Stadthaus vorbei zieht, ist das Improvisationstalent des Musikers gefragt. Beim Lärm der Trychler zu singen, das hat offensichtlich wenig Sinn. Zuerst kann von der Heide das Geräusch aber nicht einordnen. Ob das Ausserirdische seien, will er vom Publikum wissen. «Wahrscheinlich kommen sie uns holen», fügt er an. Wieder lacht die Menge und klärt ihn über die gleichzeitig stattfindende Sichlete auf.

Der Sänger wird persönlich

Und so plaudert von der Heide munter aus dem Nähkästchen, erzählt Persönliches über sich, seine Vorliebe für Männer und die Jugend im beschaulichen Amden. Zwischendurch fällt ihm auf, dass der Flügel nicht poliert ist, und hilft prompt mit dem Ärmel seiner Samtjacke nach. Den Pianisten Daniel Gisler freut’s. Er geniesst während den Showeinlagen des Sängers eine kurze Verschnaufpause. Es muss anstrengend sein, so in die Tasten zu hauen, wie er es tut. Überhaupt sind alle drei Männer auf der Bühne – komplettiert wird das Trio von Gitarrist Martin Buess – ganz in ihrem Element. Ob zu dritt, alleine oder im Duett – das Zusammenspiel funktioniert wie selbstverständlich.

Die Melodien der Refrains sind jeweils so eingängig, dass sie nach der zehnten Wiederholung auch die hintersten Reihen mitsingen können. Von der Heide tänzelt ununterbrochen auf der Bühne hin und her, schwingt sein Bein hoch bis über die Schultern und kippt die Hüfte abwechselnd nach links uns rechts. Über zweieinhalb Stunden unterhält er mit seinem neuen Programm «Hinderem Berg». Hits wie «Stets i Truure» oder das kabarettistische «Eusereine chönnt das au» von Margrit Rainer, dürfen dabei nicht fehlen. Auch französische Stücke kommen nicht zu kurz.

Als Zugabe präsentiert der Musiker gar ein spanisches Stück. Diese Vielfalt seines Repertoires wird vom Publikum geschätzt. Barbara und Bruno Steinegger aus Dietikon verlassen den Saal nach insgesamt drei Zugaben strahlend. «Michael von der Heide ist ein Allrounder. Er schafft es, schweizerdeutsche Lieder genau so gut zu singen, wie solche in gepflegtem Hochdeutsch», sagt sie. Ihr Mann fügt an: «Du vergisst die französischen Titel, das sind die schönsten von allen.»