Oberengstringen

Nach langen Diskussionen: Anwohner sind erleichtert über Ja zu Tempo 30

Dieses Jahr standen zwischenzeitlich bereits befristete Tempo-30-Tafeln an der Eggstrasse.

Dieses Jahr standen zwischenzeitlich bereits befristete Tempo-30-Tafeln an der Eggstrasse.

Die Eggstrasse in Oberengstringen wird nach einem Hin und Her definitiv zur 30er-Zone. Das hat die Oberengstringer Gemeindeversammlung entschieden. Das emotionale Thema brachte so viele Leute zur Gemeindeversammlung wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Der zweitgrösste Applaus des Abends gebührte einem Bürger, der nach über einer Stunde mit vielen Voten für und gegen Tempo 30 genug hatte. «Ich denke, die Meinungen sind gemacht», begründete er seinen Antrag auf sofortige Abstimmung. Dieser wurde von der Oberengstringer Gemeindeversammlung grossmehrheitlich gutgeheissen. ­Anschliessend stimmten über dreiviertel der Bürgerinnen und Bürger für den 90000-Franken-­Kredit, mit dem auf der Eggstrasse und dem unteren Teil der Rütihofstrasse eine 30er-Zone eingeführt wird. Und lösten damit den grössten Applaus des Abends aus.

Das Thema bewegte die ­Gemüter im Dorf. 178 Stimmberechtigte waren am Montagabend im Zentrumssaal erschienen, obwohl die Gemeindeversammlung wegen Corona mit Schutzkonzept durchgeführt werden musste. Seit der Baukredit für das Schulhaus Lanzrain im November 2015 260 Stimmberechtigte motivierte, an der Gemeindeversammlung teilzunehmen, waren nie mehr als 100 Personen erschienen.

«Tempo 30 steigert auch die Wohnqualität»

Vor der Diskussion hob Gesellschaftsvorstand Andreas Leupi (SVP), der als Gemeinderat erstmals ein Geschäft an einer Gemeindeversammlung präsentierte, die Vorteile des Tempo-30-Projekts nochmals hervor. Er erinnerte unter anderem an den Durchgangsweg aus dem Staldenquartier, der als beliebter Schulweg direkt auf die Strasse mündet, an unübersichtliche Stellen und an die zusätzlich entstandenen Häuser auf der nördlichen Strassenseite. «Tempo 30 steigert auch die Wohnqualität in einem Quartier», ergänzte er.

Die baulichen Massnahmen, die gut die Hälfte der 90000 Franken ausmachen, habe die Gemeinde möglichst einfach und günstig umsetzen wollen. Und dabei bewusst auf sogenannte Berliner Kissen verzichtet, die Lärm verursachen würden und eine mechanische Belastung fürs Auto seien. «Mir wäre es auch lieber, wenn wir einfach 30er-Tafeln aufstellen könnten», sagte Leupi. Aber für die Umsetzung der 30er-Zone sei die Bewilligung der kantonalen Sicherheitsdirektion nötig, und diese gebe bauliche Massnahmen vor.

Kaum Spielraum wegen kantonaler Vorgaben

Ein kritischer Bürger, der Tempo 30 grundsätzlich in Ordnung fand, echauffierte sich über die «völlig überrissenen» Massnahmen und verwies auf die Stadt Zürich, wo auch viele 30er-Zonen nur mit Signalisationen auskommen. Zürich und Winterthur seien die einzigen Ausnahmen, die verkehrstechnisch nicht dem Kanton unterstellt seien und deshalb selbst über die Umsetzung verfügen können, erklärte Leupi.

Von den rund 15 Wortmeldungen aus dem Publikum, darunter viele von Anwohnern der Eggstrasse, befürwortete eine Mehrheit das Anliegen. Ein Votant erinnerte an den viel kürzeren Bremsweg bei 30 km/h. Ein anderer erzählte von Lieferwagenfahrern, die mit Blick aufs eigene Handy durch die Strasse fahren. Sie sei immer angespannt, wenn ihre Kinder draussen spielen, sagte eine Frau: «Wir können heute ein Zeichen setzen, dass wir die Sorgen und die Sicherheit der Anwohner ernst nehmen.» Ein Anwohner der Rebbergstrasse, auf der Tempo 30 gilt, berichtete davon, dass die Lärmbelastung dank der Geschwindigkeitsreduktion massiv zurückgegangen sei. Die Eggstrasse sei eindeutig ein Wohnquartier, deshalb sollte die Lebensqualität wichtiger sein als eine möglichst schnelle Durchfahrt für Autos, befand ein weiterer Befürworter.

Gefahr wegen Slalom-Parcours

Ein Gegner argumentierte, dass die aktuell übersichtliche Strasse zum Slalom-Parcours verkomme. «Ich bin überzeugt, dass dann mehr Unfälle passieren», sagte er. Ein Bürger plädierte dafür, lieber zielgerichtete Einzelmassnahmen umzusetzen, um die Übersicht an einzelnen kritischen Stellen zu verbessern. Und führte die beiden Fussgängerstreifen, die wegen der 30er-Zone aufgehoben werden müssen, als Argument gegen das Projekt auf. Es sei noch nie etwas Schlimmes an der Eggstrasse passiert, argumentierte ein anderer. Deshalb gehe es gar nicht um den Schutz von Leib und Leben, sondern maximal um Lärmschutz für die Anwohner.

Immer wieder spendeten die Anwesenden für die Voten von Befürwortern und Gegnern Applaus. Obwohl das emotionale Thema bewegte, fiel das Resultat klar aus. Von den 172 bis zum Ende gebliebenen Stimmberechtigten sprachen sich 133 für und 37 gegen die Vorlage aus. Zwei Personen enthielten sich. «Ich danke ihnen für die anständige und faire Diskussion», sagte Ge­meindepräsident André Bender (SVP). Er rechnet damit, dass Tempo 30 auf der Eggstrasse bis Januar oder Februar nächsten Jahres endgültig umgesetzt werden kann.

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