Räbeliechtliumzüge

Nur ein Umzug findet statt: Die Räben leuchten dieses Jahr zu Hause

Fast überall im Limmattal muss coronabedingt auf die Räbeliechtliumzüge verzichtet werden. Doch es gibt Alternativen.

In der Stadt Schlieren wäre es ein grosser Umzug geworden: «Insgesamt wären es 1200 Personen gewesen», sagt Rolf Wild, Präsident des Vereins Event Schlieren. Zum ersten seit langem hätten die einzelnen Schulanlagen nicht mehr einzeln kleine und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Räbeliechtliumzüge durchgeführt, sondern einen gemeinsamen, grossen. Dieser hätte auf der Pischte 52 mitten im Stadtzentrum geendet. Doch dieser Umzug, der von «Event Schlieren» unter Mithilfe des Elternforums Schlieren hätte durchgeführt werden sollen, findet nicht statt. Die Schulpflege hat ihn abgesagt. Angesichts der Coronapandemie lässt er sich nicht durchführen. Auch in anderen Gemeinden fallen die Umzüge mit Räben und Kerzen aus.

In Uitikon hätte am 3. November der Räbeliechtliumzug stattfinden sollen. «Die beiden Umzüge der jeweiligen Schulhäuser wären getrennt durch das Dorf gegangen», sagt Andreas Brugger vom Elternrat Uitikon. Die Schulklassen wären mit entsprechendem Abstand mitgelaufen, es seien Zwischenstopps für die Räbeliechtlilieder geplant gewesen.

Eltern und Anwohner hätten den Umzug vom Strassenrand aus in gebührendem Abstand verfolgen können. «Auf die Ausgabe von Essen und Getränken an die Schulkinder wäre verzichtet worden», sagt Brugger. Allerdings wurde der Umzug trotz geplanter Massnahmen nun abgesagt. Aufgrund der aktuellen Situation sei es nicht möglich gewesen, dass die Schulleitung eine Durchführung unterstützte.

Schulen und Elternvereine sind zu Absagen gezwungen

In Oberengstringen sagte das Organisationskomitee den Räbeliechtliumzug vom 13. November ebenfalls ab. Die Vorstandsmitglieder des Elternvereins Oberengstringen (EVO) entschieden, dass das Führen einer Teilnehmerliste schlicht nicht möglich sei, sagt Cornelia Rutz vom EVO. «Den Umzug hätten wir wie jedes Jahr durchgeführt», sagt Rutz. Die Teilnehmerzahl schätzt Rutz in etwa auf 560 Personen. Da die Strecke offen und für jedermann zugänglich sei, könne die Teilnehmerzahl aber nur grob geschätzt werden.

In Bergdietikon hätte der Räbeliechtliumzug am 5. November stattgefunden. Laut Schulleiter Tamer Pisirici hatte die verantwortliche Arbeitsgruppe zusammen mit der Schulleitung eine entsprechende Planung vorgenommen. «Dazu hätten wir auf den Kinderchor verzichtet, bei dem die Zuschauer normalerweise eng beieinanderstehen. Ausserdem hätte es keinen Grillstand gegeben», erklärt Pisirici.

Die Eltern hätten auf der Route zuschauen, aber nicht mitlaufen dürfen. Gerne hätte Pisirici den Kindern das Erleben der Tradition trotz der schwierigen Umstände ermöglicht. Allerdings musste nun die Schulpflege zusammen mit der Schulleitung aufgrund der aktuellsten Entwicklung den Anlass doch ganz absagen.

Der Räbeliechtliumzug in Urdorf wurde ebenso abgesagt. Dieser Entschied fällte die Schule Urdorf. Geplant wäre ein gemeinsamer Start gewesen, bei dem begleitet von der Harmonie Urdorf drei Lieder gesungen worden wären. Danach wären die Kindergarten- und Schulklassen hintereinander und mit Abstand zwischen den Klassen losgelaufen. Eine Verpflegung zum Schluss – mit weiterer musikalischer Begleitung der Harmonie Urdorf – wäre ebenso geplant gewesen. «Es wären bestimmt mehrere hundert Leute gekommen», schätzt Sonja Sendor vom Räbeliechtli-Organisationskomitee.

Viele Umzüge waren bereits komplett geplant

«Das 40. Räbeliechtli vom 5. November wird nicht stattfinden», sagt auch Bernadette Saner vom Elternrat der Primarschule Birmensdorf. Die aktuelle Situation lasse eine Veranstaltung dieser Art leider nicht zu. Es sei schon alles organisiert, die Konzepte geschrieben und die Bewilligungen eingeholt gewesen, erklärt Saner. Es wäre ein Rundlauf geplant gewesen, die Tambouren der Kreismusik Limmattal wären aufgetreten und die Harmonie Birmensdorf hätte ein Platzkonzert vor dem Altersheim gegeben. Nun hofft die Arbeitsgruppe Räbeliechtli, dass die eine oder andere Räbe stattdessen ins Fenster gestellt wird.

Auch in Unterengstringen wurde eine Absage des Räbeliechtliumzugs beschlossen. Organisiert hätte den Umzug das Elternforum der Primarschule Unterengstringen, die Schulpflege hatte aber den Entschluss gefasst. Laut Schulpflegerin Katiuscia Melis Bonello wäre der Umzug nicht mit dem Schutzkonzept der Schule vereinbar gewesen.

Laut Incoronata Sonetto vom Elternforum Unterengstringen war man mit der Planung schon sehr weit. Sie sei dabei von einer normalen Durchführung, aber ohne Verpflegung, ausgegangen. «Es ist schwierig, den Abstand einzuhalten mit Kerzen und mit Masken», findet Sonetto. Erwartet habe sie über 300 Personen. Dieses Jahr sogar eher mehr, da es mehr Schulkinder als in anderen Jahren seien.

Die Kinder sollen nicht komplett auf die Räben verzichten müssen

In Aesch wird ebenfalls auf einen Umzug verzichtet. «Es gibt stattdessen einen Räbeliechtliabend. Wir haben Räben zum Schnitzen bestellt», sagt Marlene Dobaj vom Organisationskomitee. Die grösseren Kinder werden die Räben in der Schule schnitzen, die kleineren zu Hause. Ein Flyer wird darauf aufmerksam machen, dass die Dorfbewohner am 13. November mit den Räben ihre Gärten und Häuser dekorieren und individuell auf Erkundungstour gehen können. Menschenansammlungen wolle man so vermeiden. Es gäbe vielleicht kleinere Kinder-Grüppchen, die durch die Strassen ziehen und die Lieder singen, hofft das Komitee.

Auch in Weiningen wurden die Umzüge abgesagt. «In den Nachbargemeinden wurde alles gestrichen, darum entschieden wir uns auch gegen eine Durchführung», sagt Brigitte Schai von der Primarschule Weiningen. Dies betrifft den Umzug in Weiningen Dorf, der am 30. Oktober vom Elternverein organisiert worden wäre, und den Umzug in der Fahrweid, der vom Quartierverein am 5. November durchgeführt worden wäre. «Das Ziel des Umzugs war jeweils das Altersheim, darauf hätte dieses Jahr leider sowieso verzichtet werden müssen», sagt Schai. Darum wurden beide Umzüge gestrichen.

Der gemeinsame Umzug der beiden Schulhäuser in Oetwil und Geroldswil musste ebenfalls abgesagt werden. «Wir haben gemerkt, dass wir die Einhaltung des Schutzkonzepts nicht garantieren können», sagt Miriam Rohner von der Primarschule Oetwil-Geroldswil. «Wir haben trotzdem Räben bestellt, die können die Kinder zu Hause zusammen mit den Eltern schnitzen», erklärt Rohner. Diese würden dann bei den Häusern ausgestellt. Einzelne Familien könnten so einen Spaziergang durch das Dorf machen und sich trotzdem an den Räben erfreuen.

Eine Schuleinheit in Dietikon führt den Umzug durch

In Dietikon musste aufgrund der Vorgaben des Kantons und des Bundesamtes für Gesundheit auf Alternativen ausgewichen werden. Laut Pier A. Chalfajew, Leiter Bildung der Stadt Dietikon, führen die Schulen nun klasseninterne Anlässe als Ersatz durch. Drei von fünf Schuleinheiten stellten laut Chalfajew ausserdem auf Laternen um, die für kleinere Umzüge im Klassenverband hergestellt werden.

Zwei dieser Schuleinheiten haben den Umzug nun aber ebenfalls abgesagt. Am 3. November wird damit voraussichtlich als einziger Anlass der Laternenumzug der Unterstufe im Schulhaus Steinmürli stattfinden. Es werden nur die Primarschüler den Umzug durchführen, für die Kinder des Kindergartens ist er abgesagt. Der Umstieg auf Laternen hänge mit der Herstellung zusammen, erklärt Toni Spillmann, Schulleiter der Schule Steinmürli. Normalerweise würden die älteren Schulkinder den jüngeren beim Schnitzen helfen, dies sei wegen Corona nicht möglich. Deshalb werden die Schulkinder auch klassenweise mit den jeweiligen Lehrpersonen laufen. Der Umzug wird ausserdem ohne Eltern stattfinden. «Wenn keine weiteren Coronamassnahmen kommen, kann der Anlass durchgeführt werden», sagt Spillmann. Es werde aber im Jahr 2021 wieder an diese Tradition angeknüpft, da diese ein Teil der Lern- und Erlebniswelt der Kinder sei.

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