Birmensdorf

Orgel und Schlagzeug machen französischen Electro kirchentauglich

Organist Wolfgang Bolsinger und Schlagzeuger Rob Steinicke bei den Proben in der St. Martin-Kirche in Birmensdorf.

Organist Wolfgang Bolsinger und Schlagzeuger Rob Steinicke bei den Proben in der St. Martin-Kirche in Birmensdorf.

Das Konzert «Organ Meets Drums» wird am Sonntagabend aus der St.-Martin-Kirche in Birmensdorf auf YouTube übertragen.

Orgelspiel ertönt in der Kirche normalerweise zum Gottesdienst. Doch morgen Sonntagabend wird in der katholischen Kirche St. Martin in Birmensdorf gerockt statt gebetet. Einer der Birmensdorfer Kirchenmusiker, Wolfgang Bolsinger, gibt dann nämlich acht Stücke des französischen Electro-Musikers Jean-­Michel Jarre zum Besten – mit der Unterstützung des Schlagzeugers Rob Steinicke. «Organ Meets Drums» heisst das gemeinsame Konzert, das um 20 Uhr auf dem YouTube-Kanal «Vox Sacra» ausgestrahlt wird.

Eine atypische Kombination zwar, doch genau diese anfängliche Ungewissheit habe kreatives Potenzial freigesetzt, wie Bolsinger meint: «Rob und ich wollten Jean-Michel Jarre nicht bloss covern, sondern das Ganze von der rockigen Seite angehen.» Dies sei ihnen gut gelungen. «Rob ist ein erfahrener Schlagzeuger mit einem enormen situativen Gefühl. Er hat meine Intentionen genau richtig erfasst», schwärmt der Württemberger, der ein grosser Fan von Jarres Musik ist. So hat er dessen Stücke schon öfters für die Orgel arr­angiert. «Seine Musik hat etwas Zeitloses, die Klanggemälde sind grandios.» Als Weltstar habe Jarre fast hundert Mil­lionen Platten verkauft. Auch wenn viele die Lieder nicht beim Namen kennen würden, seien seine Melodien den meisten geläufig. «Und die audio­visuellen Effekte bei Jarres Konzerten sind schlicht einzigartig», ergänzt Bolsinger.

Auch während «Organ Meets Drums» soll das Auge nebst dem Ohr auf seine Kosten kommen. Dafür sorgen wird ein Filmteam um die Birmensdorfer Manfred Darm und Ilja Barisic. Letzterer ist für das Licht und die visuellen Effekte verantwortlich. Jarres Stücke werden kurz vor der Übertragung live eingespielt und so geschnitten, dass die Pausen zwischen den einzelnen Titeln wegfallen. Dass das Konzert auf YouTube gezeigt wird, hat laut Bolsinger zwei Gründe: «Wir Künstler sind aktuell mit teils existenziellen Fragen konfrontiert. Das Konzertgeschehen ist seit dem Lockdown kaum noch existent.»

Das Bewusstsein wurde erweitert

So ist der YouTube-Stream zwar gratis und für alle zugänglich. Trotzdem hofft Bolsinger auf Spenden der Zuschauerinnen und Zuschauer als Zeichen der Anerkennung. Er und Steinicke seien bemüht, etwas Anspruchsvolles zu kreieren. Denn leider biete YouTube auch «recht viel Niveauloses». Dass Zuschauer nicht physisch zugegen sein werden, stimmt ihn traurig. «Mir fehlt die persönliche Interaktion», sagt der Birmensdorfer Kirchenmusiker. Doch er könne sich vorstellen, Streaming- Dienste auch in Zukunft als Plattform zu ­nutzen. «Ich denke, die Coronapandemie hat hinsichtlich der Darbietung von Musik unser Bewusstsein merklich erweitert.» Ob es dann wieder eine Kombination aus Orgel und Schlagzeug sein wird? Das sei zumindest gut möglich, sagt Bolsinger. Es gebe unzählige Optionen, mit diesen beiden Instrumenten etwas Spannendes zu machen. «Und Jean-Michel Jarre hat ja noch viele weitere Hits geschaffen.»

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