Schlieren

«Platzspitzbabys» von heute: Die regionale Suchtpräventionsstelle bricht ein Tabu im Shoppingcenter

Karin Aeberhard und Jana Affolter (von links) wollen die Schlieremer Bevölkerung im Einkaufscenter für das Thema Kinder mit suchtkranken Eltern sensibilisieren.

Karin Aeberhard und Jana Affolter (von links) wollen die Schlieremer Bevölkerung im Einkaufscenter für das Thema Kinder mit suchtkranken Eltern sensibilisieren.

In einer Ausstellung im Lilie-Zentrum in Schlieren werden Kinder von suchtkranken Eltern in den Fokus gerückt.

Einkaufswagen rollen durch die Ladenpassage im Lilie-Zentrum in Schlieren. Besucher heben Geld am Postomat ab. Daneben steht ein Tisch mit Broschüren und sechs farbigen Papp-Figuren. Auf den Umrissen von Kindern sind Sprechblasen zu erkennen. «Ich würde gerne meine Freunde nach Hause einladen, aber ich schäme mich für meinen Papa» oder «Wenn mein Vater trinkt, sagt meine Mutter, dass das nichts macht, aber ich leide doch darunter» ist zu lesen. Es sind Aussagen von Kindern und Jugendlichen mit suchtkranken Eltern.

Die Suchtpräventionsstelle der Bezirke Affoltern und Dietikon rückt das Thema anlässlich der zweiten nationalen Aktionswoche für Kinder suchtkranker Eltern vom 10. bis 16. Februar in den Fokus. Mit einer kleinen Ausstellung im Lilien Zentrum, die bis Samstag dauert, versucht sie die Öffentlichkeit in Schlieren zu sensibilisieren. «Im Einkaufszentrum gibt es viele Passanten, die wir sonst nicht erreichen. Unser Ziel ist es, die breite Bevölkerung auf das Thema aufmerksam zu machen. Dabei dienen die Figuren als Blickfang», sagt Karin Aeberhard. Die Präventionsfachfrau leitet die regionale Fachstelle in Schlieren und organisiert die Aktion im Einkaufscenter mit Praktikantin Jana Affolter sowie zwei weiteren Fachstellen des Sozialdiensts Limmattal, der Jugendberatung Blinker und der Beratung in Suchtfragen.

Die Figuren dienen im Lilie-Zentrum als Blickfang.

Die Figuren dienen im Lilie-Zentrum als Blickfang.

Sucht ist eine Krankheit und keine Willensschwäche

In der Schweiz wachsen rund 100'000 Kinder in einem Elternhaus auf, das von Alkohol oder anderen Substanzen schwer belastet ist. «Ein Drittel dieser Kinder entwickelt im späteren Leben selbst eine Sucht. Es ist wichtig, dass über das Thema gesprochen und es nicht totgeschwiegen wird», sagt Aeberhard. Mit dem Einsatz versucht die regionale Suchtpräventionsstelle das Tabu zu brechen. «Nach wie vor haben viele das Gefühl, dass es sich bei einer Sucht um eine Charakter- und Willensschwäche handelt. Das stimmt nicht. Eine Sucht ist eine psychische Erkrankung», sagt Aeberhard. Im Idealfall laufe ein betroffenes Kind an der Ausstellung vorbei und merke so, dass es mit seinen Sorgen nicht alleine ist und es sich Hilfe holen darf. «Wir wollen Unterstützung bieten, auch für die Eltern.» Es gehe nicht darum, sie in ein schlechtes Licht zu stellen. «Suchtkranke Eltern lieben ihre Kinder und wollen gute Eltern sein. Jedoch ist es wichtig, dass sie deren Bedürfnisse wahrnehmen und für sich selber, aber auch für ihre Kinder Hilfe holen.» Aus diesem Grund liegen Broschüren und Ratgeber auf einem Tisch bereit.

Im Idealfall laufe ein betroffenes Kind an der Ausstellung vorbei und merke so, dass es mit seinen Sorgen nicht alleine ist und es sich Hilfe holen darf, sagt Präventionsfachfrau Karin Aeberhard. Broschüren liegen nicht nur zum Thema Suchterkrankung, sondern auch zum Thema psychische Erkrankungen auf.

Im Idealfall laufe ein betroffenes Kind an der Ausstellung vorbei und merke so, dass es mit seinen Sorgen nicht alleine ist und es sich Hilfe holen darf, sagt Präventionsfachfrau Karin Aeberhard. Broschüren liegen nicht nur zum Thema Suchterkrankung, sondern auch zum Thema psychische Erkrankungen auf.

Passanten haben zudem die Möglichkeit, auf einem Bildschirm fünf Kurzfilme von betroffenen Kindern und Jugendlichen anzuschauen. «Die Erfahrungsberichte konzentrieren sich nicht nur auf die Suchtproblematik, sondern drehen sich auch um psychische Erkrankungen», sagt Aeberhard. Sie hofft, dass möglichst viele Passanten stehen bleiben und die Ausstellung auf sich wirken lassen.

Passanten haben zudem die Möglichkeit, auf einem Bildschirm fünf Kurzfilme von betroffenen Kindern und Jugendlichen anzuschauen.

Passanten haben zudem die Möglichkeit, auf einem Bildschirm fünf Kurzfilme von betroffenen Kindern und Jugendlichen anzuschauen.

Auch in Schlieremer Schulen könnte das Thema diese Woche im Unterricht behandelt werden. «Wir haben der Schule Lektionsvorschläge und Bücher zur Thematik abgegeben. Lehrkräfte können der Klasse daraus vorlesen und anschliessend können die Schüler darüber diskutieren», sagt Aeberhard. Überdies bieten die Stadt- und Regionalbibliothek Dietikon und die Bibliothek Schlieren Thementische mit Büchern, Broschüren und Filmen an.

Autor

Sibylle Egloff

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