Stadtentwicklungsdialog

Positive Stimmen im «Studio Dietikon»: «Bist du einmal hier, willst du nicht mehr weg»

Wie wollen Sie leben? Um das herauszufinden, ging das «Studio Dietikon» erstmals raus zu den Menschen und fragte nach. Der Stadtentwicklungsdialog ist damit auf dem Kirchplatz angekommen.

Gemütlich über den Kirchplatz schlendern, sich auf dem Frischmarkt mit Lebensmitteln eindecken und anschliessend bei einem warmen Tee mit den Stadträten über die Entwicklung Dietikons plaudern. Diese Gelegenheit bot sich Besuchern am Samstag dank dem Anlass «Auf einen Tee mit …», bei dem Mitarbeiter des Büros Denkstatt erstmals mit ihrem mobilen «Studio Dietikon» auf die lokale Bevölkerung zugingen.

Neben Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) diskutierten die Stadträte Reto Siegrist (CVP), Philipp Müller (FDP) und Lucas Neff (Grüne) mit Passanten vor Ort. Auch Stadtrat Anton Kiwic (SP) war gekommen, um sich als Bürger am Dialog zu beteiligen.

Mit dem «Studio Dietikon», einem Gefährt mit Stellwand und grosser Stadtkarte, fährt das Büro in den nächsten zwei Monaten in die Quartiere und auf den Frischmarkt, um Stimmen aus der Bevölkerung auf Video aufzunehmen. Daraus soll ein 45-minütiger Film entstehen. Die Anlassreihe ist Teil des Stadtentwicklungsdialogs. Im Oktober starteten die Vorbereitungen für das Projekt, für das im Budget 200'000 Franken bewilligt sind.

Mit dem Stadtentwicklungsdialog will die Stadt die Bevölkerung stärker in den Prozess der Stadtentwicklung einbeziehen. Durchgeführt wird das Projekt von den darauf spezialisierten Büros Denkstatt und Buser aus Basel, in Koordination mit einer vom Stadtrat einberufenen Begleitgruppe.

Bei «Auf einen Tee mit …» geht es um die Befindlichkeit der Bevölkerung. Und diese lässt sich am Samstagvormittag nicht zweimal bitten, viele Passanten sind am Austausch interessiert. «Der Anklang ist grösser als erwartet. Ich habe einige neue Gesichter kennen gelernt», sagt Stadtrat Müller. Sein Amtskollege Neff hält fest: «Sonst spricht man eher mit der Partei oder zu einem bestimmten Thema zur Bevölkerung. Mit dieser Dialogform ist man als Gremium präsent.» Die Ausgangslage sei sehr offen, ungezwungen und ohne Verpflichtungen, so Neff. So kämen eher Initialzündungen für neue Ideen als im Labor.

«Weltmeister im Zuhören»

Ähnlich sieht es Stadtpräsident Bachmann: «Die Leute schätzen den Dialog mit Politikern auch ausserhalb des Wahlkampfs. So erhalten sie Hintergrundinformationen nicht nur von offiziellen Amtsdokumenten, sondern in der Sprache der Leute im persönlichen Gespräch.» Zudem könne die Politik so Rückmeldungen bekommen, an die sie nicht gedacht hat.

Zur Freude Bachmanns schaut auch seine ehemalige Kindergärtnerin Monika Schmucki kurz vorbei. «Eine gute Sache», hält sie fest. Dieser Meinung ist auch Reto Siegrist. Trotzdem bleibt er ein wenig selbstkritisch: «Dietikon ist damit Weltmeister im Zuhören. Jetzt müssen wir noch Weltmeister im Tun werden, sozusagen vom Know-how zum Do-how gehen.»

Die Mitarbeiter der Denkstatt beteiligen sich ebenfalls an den Gesprächen, filmen und machen sich Notizen. «An diesem ersten Anlass haben sich mehrere Themenfelder herauskristallisiert, die die Bewohner Dietikons beschäftigen», bilanziert Ben Pohl von der Denkstatt im Anschluss. Der Dialog mit der Politik, das Engagement der Zivilbevölkerung, Mobilität, Verkehr und Wohnen sowie Treffpunkte und Begegnungsräume.

Basierend auf den Rückmeldungen wiesen zudem der Bahnhofplatz und der Rapidplatz Veränderungspotenzial auf, so Pohl. Auch die Umwelt läge den Dietikern am Herzen: Anliegen wie Biodiversität, klimagerechte Quartiere und Pflanzen in Freiräumen seien immer wieder erwähnt worden. Trotz viel Verbesserungspotenzial sei die Zufriedenheit grundsätzlich sehr hoch. Bezeichnend findet er das Votum eines Dietikers: «Bist du einmal in Dietikon, willst du nicht mehr weg. Denn wir verstehen uns hier sehr gut.»

Insgesamt gehe es beim Projekt darum, Qualitäten aus Vergangenheit und Gegenwart herauszuarbeiten, um zu entscheiden, was man mit in die Zukunft nehmen wolle, sagt Pohl. «Das Medium Film eignet sich besonders, um komplexe Themen auf den Punkt zu bringen. Wie sonst kann man 30 verschiedene Menschen auf die Bühne holen und zu Wort kommen lassen?»

Schon im Vorfeld wurden Filmaufnahmen in Cafés, Läden und Kiosken gemacht. Am 13. April findet im alten Bauamt der Auftakt zu einer weiteren Reihe von Austauschmöglichkeiten mit der Bevölkerung, Vereinen und Quartieren statt. Dann wird auch ein Zusammenschnitt der Filmaufnahmen gezeigt.

Die Limmattaler Zeitung hat ebenfalls ein paar Passanten befragt. Klicken Sie sich durch die Antworten:

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