Schlierefäscht

Schlieremer Stapi Markus Bärtschiger: «Ich werde jeden Tag am Fest sein»

Der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) freut sich besonders auf das Konzert von Marc Sway.

Der Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) über seine Schlierefäscht-Highlights und die Tram-2-Verlängerung.

Welche Erinnerungen haben Sie an vergangene Schlierefäschter?
Markus Bärtschiger: Zwar habe ich diffuse Kindheitserinnerungen, konkret erinnere ich mich aber vorwiegend an Schlierefäschter, die ich als Jugendlicher erlebte. Da früher nur Vereine mitmachen durften, gründeten wir Jungen damals den Verein Pro Schlieremer Jugend, um auch eine Veranstaltung durchführen zu können. Es war ein Rockkonzert in einer düsteren Garage unweit des Stadthauses. Ich mischte die Musik ab.

Heute beginnt das Fest. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Einen speziellen Programmpunkt kann ich nicht nennen, das wäre zu schwierig. Ich freue mich aber sehr auf die Begegnungen mit vielen Schlieremern und Heimweh-Schlieremern.

Angenommen, Sie müssten sich für einen Anlass entscheiden?
Ich habe mich für das Jahrgangstreffen angemeldet und freue mich sehr darauf. Auch das Marc-Sway-Konzert werde ich sicher besuchen, da er sein neues Album im Tonstudio vis-à-vis von meinem Wohnhaus aufgenommen hat. Er ist ja quasi Schlieremer. Ich werde aber sicher jeden Tag am Fest unterwegs sein und habe sämtliche Verpflichtungen ausser jene im Zusammenhang mit dem Kantonsrat auf die Zeit vor oder nach dem Fest verlegt.

Welche Funktion hat das Schlierefäscht für die Stadt?
Einerseits ist es schön, wenn sich die Einwohner, Politiker und Stadtangestellten mal in informellem Rahmen austauschen können. Das lockert auf. Solche Stadtfeste haben aber auch die Funktion, einen Zusammenhalt zwischen den Einwohnern zu schaffen. Da Schlieren im letzten Jahrzehnt stark gewachsen ist, hat diese Funktion eine besonders grosse Bedeutung.

Mit Schlieren wächst auch das Schlierefäscht. Das Budget beträgt rund 1,5 Millionen Franken, das Organisationskomitee arbeitet aber ehrenamtlich, was bereits für Kritik sorgte.
Die Arbeit des OKs wird von der Stadt sehr geschätzt und das Fest ist perfekt durchorganisiert. Mit dem OK-Präsidenten Rolf Wild hat die Stadt Glück, da er Freude an der Sache hat und bestens vernetzt ist. Wir wissen, dass solche Leute nicht auf dem Baum wachsen und es wird eine Herausforderung, eine Nachfolge für Rolf Wild zu finden, falls er entscheidet aufzuhören.

Besonders, wenn man dabei nichts verdient.
Obwohl die Mitgliederzahlen der Vereine sinken, ist es möglich, Leute zu finden, die sich projektbezogen engagieren. Gerade ein Schlierefäscht braucht aber einen langen Atem. Eine zu starke Kommerzialisierung darf nicht geschehen. Auch zwischen Festwirtschaften von Vereinen und professionellen Wirten muss die Mischung stimmen.

Wo liegt die richtige Mischung?
Allmählich haben die professionellen Gastwirte die Überhand, was jedoch nichts Schlechtes sein muss. Schliesslich ist es für die Besucher wichtig, dass sie ein ausgewogenes Angebot mit einer Spannweite von heimischer bis exotischer Küche haben.

Es werden rund 100 000 Besucher am Schlierefäscht erwartet. Grossanlässe wie die Streetparade und das Open Air St. Gallen verzeichneten aber einen Besucherrückgang. Sind Grossevents passé?
In den Medien wurde spekuliert, ob der Trend nun hin zu kleineren, exklusiveren Anlässen geht. Ob das wahr ist, wage ich zu bezweifeln, da kleinere Anlässe stets auch teurer sind. Das kann sich nicht jeder leisten. Viel eher könnte ich mir vorstellen, dass eine gewisse Übersättigung an Festen zu beobachten ist. Früher gab es beinahe nichts und heute kann man in den Sommermonaten an fast jedem Wochenende ein anderes Fest besuchen.

Mit der Einweihung des Zweier-Trams wird in Schlieren eine neue Ära eingeläutet. Welche Bedeutung hat dies für die Stadt?
Wenn das Tram durch die Stadt fährt, wird klar, dass sich Schlieren der Stadt Zürich noch mehr angenähert hat. Faktisch orientieren wir uns schon lange nach Osten. Dennoch: Wir sind und bleiben eine stolze und eigenständige Stadt, die nun noch ein Stück urbaner wird.
Laute Kritiker der Bahn stammen aus Schlieren. Sind diese zwischenzeitlich verstummt?
Ja, mehrheitlich. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass man vor den jeweiligen Urnengängen etwas zum Thema sagen konnte und wollte. Nun geht die Bahn in Betrieb und ich habe das Gefühl, die Kritiker haben resigniert oder mit der Bahn Frieden geschlossen.

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