Fussball

Unsichere Vorbereitung für den FC Dietikon: Mehr als rennen liegt nicht drin

Seit 2017 Dietikons Sportchef: der ehemalige Goalie Christian Müller.

Seit 2017 Dietikons Sportchef: der ehemalige Goalie Christian Müller.

Die Dietiker Fussballer trainieren seit dieser Woche wieder. Ob die 1.-Liga-Meisterschaft im Frühling weitergeführt wird, ist aber mehr als fraglich.

Seit vergangener Woche rollt der Ball wieder in der Schweiz. Allerdings nur auf den Plätzen der Profiklubs. Amateurvereine dürfen auch weiterhin keine Teamtrainings abhalten, geschweige denn Vorbereitungspartien absolvieren. Aufgrund der bundesrätlichen Bestimmungen ist an einen geordneten Trainingsbetrieb bis Ende Februar nicht zu denken. Und ob der Meisterschaftsbetrieb in den unteren Ligen tatsächlich nochmals aufgenommen wird, steht zurzeit in den Sternen. Beim 1.-Liga-­Klub FC Dietikon arbeiten die Verantwortlichen trotz aller Unsicherheiten mit Nachdruck hinter den Kulissen an einer wettbewerbsfähigen Mannschaft, die den Klassenerhalt sichern soll. Derweil bittet Chefcoach João Paiva die Akteure des Fanionteams dreimal wöchentlich zum Ausdauertraining.

Es kommt einem vor wie eine kleine Ewigkeit: Vor knapp drei Monaten, am 17. Oktober 2020, absolvierte der FC Dietikon letztmals eine 1.-Liga-­Meisterschaftspartie und verlor dabei auswärts gegen Eschen/Mauren mit 1:2. In den bisher neun Spielen der unterbrochenen Saison 2020/21 holten die Limmattaler vier Punkte. Sie stehen derzeit auf dem 13. und somit zweitletzten Rang. Der erste Nichtabstiegsplatz ist vier Punkte entfernt. Um sich bei einer erhofften Wiederaufnahme der Meisterschaft möglichst rasch aus dem Tabellenkeller zu verabschieden, haben Chefcoach João Paiva und Sportchef Christian Müller in den vergangenen Wochen das Kader mächtig durcheinandergewirbelt. Sieben Zuzügen stehen fünf Abgänge gegenüber.

«Mister Zuverlässig» ist schon wieder fort

Er war in den bisherigen Partien einer der beständigsten FCD-Akteure, der erst 19-jährige Linksverteidiger Tim Neziri. In einer Abwehr, die am meisten Gegentreffer der gesamten Gruppe 3 zugelassen hatte, ragte das unerschrockene Jungtalent heraus. Er war nicht nur defensiv stark, sondern lancierte immer wieder schnelle Gegenangriffe. Doch jetzt ist Neziri nicht mehr da. Er wurde von seinem Besitzer, dem Promotion-League-Spitzenklub SC Cham, nach nur einer halben Saison wieder in die Zentralschweiz zurückbeordert. «Ganz sicher ein Verlust für uns», sagt Dietikons Sportchef Müller. Ebenfalls nicht mehr das FCD-Trikot tragen werden künftig Goalie Calvin Heim, mit dem der laufende Vertrag aufgelöst worden ist und der bei Rapperswil-Jona im Gespräch sein soll, Tim Springmann, Fabio Russo und Jahoor Jalal.

Gleich sechs neue Gesichter werden sich im Frühling den FCD-Fans präsentieren, der siebte Zuzug ist ein alter Bekannter. Milan Marjanovic verabschiedete sich vor einem Jahr von der Dornau in Richtung Serbien in die zweithöchste Liga zu einem Verein namens Metalac. Nach sechs Monaten war der 23-jährige Mittelfeldakteur indes bereits wieder in der Schweiz und heuerte beim Erstligist FC Solothurn an. Nun ist er ins Limmattal zurückgekehrt. Des Weiteren holte der FCD von Brühl SG als Back-up für den bestandenen Goalie Alpay Inaner den 25-jährigen Silvano Kessler – ein 1,83-Meter-Hüne. Ebenfalls neu auf der Dornau: Offensivmann Roger Eschmann (28, Zug 94), ein weit gereister, ehemaliger Schweizer U17-Nationalspieler, Innenverteidiger Stefano Milani (29, Wohlen), Leandro Texeira (Linth 04), Faria Simao (27, SV 1910 Neuhof, Hessenliga Deutschland) und Filip Ilic (19, Rapperswil-­Jona). Ilic, Zwillingsbruder des bisherigen FCD-Akteurs David Ilic, soll in der Defensive den abgewanderten Neziri vergessen machen.

Gejoggt wird in Dreier- und ­Vierergruppen

Alles schön und gut. Aber wie sollen sich die vielen neuen Spieler in diesen speziellen Zeiten zu einer funktionierenden Mannschaft formen können? «Es ist nicht einfach, das steht fest», sagt Sportchef Müller, «aber was soll ich sagen? Es geht nicht nur uns in Dietikon so. Die Situation ist so, wie sie ist.» Weil bis auf weiteres im Amateursport bekanntlich keine Teamtrainings erlaubt sind, behelfen sich die Limmattaler seit Beginn dieser Woche mit Ausdauertrainings. «Die Jungs werden in stets gleichbleibenden Dreier- oder Vierergruppen joggen gehen», erklärt Müller. Alle müssen umgezogen anreisen und ohne zu duschen wieder abrauschen, die Garderoben auf der Dornau bleiben geschlossen. Müller: «Mehr können wir und die Spieler in der aktuellen Situation leider nicht machen.»

Mühsam und frustrierend ist der anhaltende Sport-Lockdown vor ­allem für die ganz jungen Akteure. Für jene, die ihre Karriere noch vor sich haben, die weiterkommen möchten und seit rund einem Jahr kaum mehr richtig trainieren und spielen können. «Für die Jungen ist die Situation besonders ­belastend», sagt Müller, «darum hat unser Trainer Paiva in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder freiwillige, individuelle Trainings ­angeboten.» Dem Vernehmen nach sollen diese Übungseinheiten sehr gut besucht worden sein.

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