Forest-Office

Waldbesuche sind zum Corona-Trend geworden – brauchen wir jetzt selbst im Unterholz Wifi?

Das Coronavirus verleitet die Limmattaler und Limmattalerinnnen vermehrt zu einem Waldbesuch. Der Kolumnist Thomas Pfann macht sich seine Gedanken dazu. (Symbolbild)

Das Coronavirus verleitet die Limmattaler und Limmattalerinnnen vermehrt zu einem Waldbesuch. Der Kolumnist Thomas Pfann macht sich seine Gedanken dazu. (Symbolbild)

Der Musiker und Journalist, Thomas Pfann, beschäftigt sich mit der Thematik, ob die Limmattaler Bevölkerung auf Wifi im Wald angewiesen ist.

Es ist kein Geheimnis, dass sich seit Mitte März viel mehr Menschen im Wald aufhalten als früher. Kaum hatte die Meldung über die Seuche die Runde gemacht, gaben viele dem Gehölz den Vorzug gegenüber dem Gedränge. Das war auch kein Problem, denn einerseits stieg das Thermo­meter bereits im Frühfrühling auf zweistellige Werte, geschifft hats fast nie und man hat ja schliesslich atmungsaktive Kleider.

Normales Velo: «old fashion»

Sei es Honeret, Guggenbühl oder Röhrenmoos ob Dietikon: Der Bäume sind da massenhaft, Tümpel und Teiche liegen neben Buche und Eiche, unzählige Wege und Pfade machen Spaziergänge niemals fade. Am schönsten aber ist die Waldesruh. Und genau diese hat das Kronenvirus offensichtlich auch im Visier, nicht nur unsere Atemwege. Quarantänebewusst, wie alle Limmat­talerinen und Limmattaler sind, fliehen sie alle ins D­ickicht. Alle. So viele wie noch nie. Und weil so mancher Weg zwischen den Bäumen durchführt, entdeckt man lauter Spaziergänger überall. Es gibt auch zahlreiche Spazierfahrer, natürlich auf schnittigen E-Bikes. Das normale Velo ist so was von «old fashion» – mit dem kannst du dich nun wirklich nicht mehr blicken lassen!

Rund um den Egelsee oder an den Ufern des Franzosenweihers: An jeder Ecke gehen und hocken sie. Früher vor der Kiste gesessen nach Feierabend, wurde die Natur neu entdeckt. Aber so ganz ohne Zivilisation gehts dann doch nicht. Unterhaltung und ­Konnektivität sind zwingend – und wer über ein mieses ­Mobil-Abo verfügt, hat im Forst verloren. Kaum ein Grillplatz, wo es an trockenen Tagen – also an den meisten – nicht aus einer Soundbox wummert, kaum Spaziergänger, die nicht mitten im Tannenhain aktuelle Börsenkurse diskutieren, kaum eine Kinderschar, die nicht an ihren Smartphones herumtöggelet.

Ich finde, wenn es im Limmattal schon so grosse Waldflächen hat – in Dietikon sind es rund ein Viertel der ganzen Stadtfläche – und es ein so gut gelegtes Wegnetz gibt, muss man die Chance jetzt nutzen. Der Wald gehört mit Netzwerkanschlüssen und Wi-Fi versehen und – das fordere ich gleich dazu – mit genügend Ladestationen für alle Elektrodrahtesel ausgestattet. Lange genug hat man die grüne Baumoase Rehkitz und Füchslein überlassen. Home-Office ist alter Hut, wir wollen endlich unsere Forest-Office!

Zur Person:

Thomas Pfann ist Musiker und Journalist. Er lebt in Dietikon.

Thomas Pfann ist Musiker und Journalist. Er lebt in Dietikon.

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