Der Stadtrat von Dietikon soll der Interessengemeinschaft «Pro Kultur Kanton Zürich» ein ausgefülltes Anmeldeformular einschicken: Dies schlägt SP-Gemeinderätin Kerstin Camenisch in einem Postulat vor, das zehn Parlamentarier aus den Reihen von SP, AL und Grünen mitunterzeichnet haben. Dietikon soll sich mit einer Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft dafür einsetzen, dass der Kanton auch in Zukunft die Kultur umfassend fördert, heisst es im Vorstoss.

Denn wie die Kultur im Kanton Zürich ab 2022 unterstützt wird, ist derzeit noch unklar. 2015 hatte der Kantonsrat für die Periode von 2017 bis 2021 einen Systemwechsel beschlossen: Er verwendet kein Geld mehr aus dem ordentlichen Budget, er greift vielmehr für alle Mittel für Betriebsbeiträge, Projektbeiträge, Werkbeiträge und Auszeichnungen in den prall gefüllten kantonalen Lotteriefonds.

Ausgenommen von dieser Regelung sind nur das Opernhaus Zürich, dessen Betriebsbeitrag gesetzlich verankert ist, und das Theater Kanton Zürich, das seinen jährlichen Beitrag auf der Basis eines Rahmenkredits erhält, den der Kantonsrat jeweils für sechs Jahre bewilligt.

«Ohne Seele»

Angesichts der Befristung muss die Finanzierung der Kulturförderung ab 2022 auf eine neue Grundlage gestellt werden. Kulturschaffende sorgen sich, der Kantonsrat könnte an der Sparschraube drehen. Während Opernhaus und Theater Kanton Zürich mit ihren Spezialregelungen nicht betroffen wären, würde bei der übrigen Kultur der Rotstift angesetzt, befürchtet auch Camenisch. Abgebaut würde «auf dem Land und dort, wo mit dem geringsten Widerstand gerechnet wird», schreibt die Gemeinderätin in ihrem Vorstoss. «Doch gerade dort in diesen Gemeinden, die von rasanten Veränderungen betroffen sind, spielt Kultur eine wichtige Rolle für die Identität und den Zusammenhalt der Gesellschaft sowie für die Integration von Zugezogenen.» Ohne eine Förderung dieses «gesellschaftlich elementar wichtigen geistigen Bodens würden diese Orte zu gesichtslosen Schlafgemeinden ohne Seele».
Mit einer Mitgliedschaft bei «Pro Kultur Kanton Zürich» könnte das kulturpolitische Gewicht der Interessengemeinschaft gestärkt werden, hält Camenisch fest. Ihr würde es so ermöglicht, sich für eine nachhaltige, umfassende Kulturförderung im Kanton und dessen Gemeinden einzusetzen.

Der 2018 gebildeten Interessengemeinschaft gehören Kulturschaffende, Kulturinstitutionen und Kulturvermittelnde im Kanton Zürich an. Sie sei die gemeinsame Stimme aller Sparten zu Stadt und Land, für die Breiten- und die Hochkultur, heisst es auf deren Internetseiten. Rund 50 Gemeinden – unter anderem Winterthur, Truttikon und Bülach – sind ebenfalls Mitglied. Aus dem Limmattal ist keine aufgeführt. «Derzeit sind zahlreiche weitere Anmeldungen von Städten und Gemeinden in Bearbeitung», heisst es aber auf der Website der Interessengemeinschaft weiter.

Die kantonale Direktion der Justiz und des Innern ist daran, ein Modell für die Kulturförderung ab 2022 zu erarbeiten. Sie will die Kulturförderung sichern – unter dem Motto «Erhalt des Bestehenden und Offenheit für Neues». Gleichzeitig sollen Zuständigkeiten und Kompetenzen vereinfacht und die Finanzierungsquellen transparent sein.