Dietikon

Wo sind die Klimaretter? Die Stadt Dietikon bleibt auf rund 400 Bäumen sitzen

Gärtner Patrick Bräm, Abteilungsleiter Stephan Kündig und Stadtrat Lucas Neff verschenken 460 Jungbäume: Diese sollen das Lokalklima abkühlen.

Gärtner Patrick Bräm, Abteilungsleiter Stephan Kündig und Stadtrat Lucas Neff verschenken 460 Jungbäume: Diese sollen das Lokalklima abkühlen.

460 Bäume und Sträucher hatte die Stadtgärtnerei Dietikon in Töpfen vorbereitet, um sie gratis an die Bevölkerung abzugeben. Nach Ablauf der knapp dreiwöchigen Reservierungsfrist sind rund 50 Bestellungen eingegangen. Die Stadt ist dennoch zufrieden.

Rund 50 Dietikerinnen und Dietiker haben bei der Stadt einen Klimabaum reserviert, um diesen zu pflanzen und zu pflegen. Das Ziel der Aktion war es, dass es mehr Stadtbäume gibt und dass die Bevölkerung für das Thema Stadtklima sensibilisiert wird.

Die 50 über ein Online-Formular reservierten Bäume und Sträucher werden am Samstag am Wochenmarkt von 8 bis 12 Uhr und eine Woche darauf auf dem Werkhof der Stadt von 9 bis 12 Uhr abgegeben. Die Stadtgärtnerei wird an beiden Samstagen auch noch zusätzliche Bäume in Töpfen bereithalten. «Wer Interesse hat, kann auch spontan einen Baum mitnehmen», sagt Franziska Stössel, Projektleiterin bei der Infrastrukturabteilung.

50 Bäume sind nicht nichts

Bei der Lancierung der Aktion hatten Stadtrat Lucas Neff (Grüne) und Abteilungsleiter Stephan Kündig erklärt, dass sie im Voraus das Interesse an der erstmaligen Aktion nicht abschätzen könnten. Es sei ein Versuch, da sei alles möglich. Das Interesse ist nun aber doch etwas geringer ausgefallen als erhofft. Rund 460 Bäume und Sträucher hatte die Stadtgärtnerei in Töpfen vorbereitet, um sie gratis an die Bevölkerung abzugeben (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Enttäuscht zeigen sich die Projektverantwortlichen aber nicht: «Jetzt werden in Dietikon bald 50 Bäume mehr wachsen, das ist nicht nichts», sagt Franziska Stössel.

Die Aktion ist vergleichsweise kurz und ohne grosse Werbung durchgeführt worden. Vor weniger als drei Wochen wurde sie angekündigt, am vergangenen Montag lief nun die Online-Reservierungsfrist bereits wieder ab. Vielleicht sei der Herbst für viele Privatpersonen auch die falsche Zeit, sagt Stössel. Die Infrastrukturabteilung hatte die Bäume und Sträucher eigentlich bereits im Frühling abgeben wollen. Doch machten diesen Plan dann das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen zunichte.

Ein weiteres Problem der Aktion war den Verantwortlichen schon im Vorfeld bewusst: Eigenheimbesitzer haben ihren Umschwung in der Regel bereits gestaltet und verfügen für einen zusätzlichen Baum meist über zu wenig Platz. Und Mieterinnen und Mieter können nicht einfach so einen Baum auf einer Wiese bei ihrer Wohnüberbauung pflanzen. Dennoch seien gerade grosse Bäume wie die Sommerlinde stark nachgefragt gewesen, sagt Stössel. «Es gibt also in der Stadt durchaus Raum für grosse Bäume.» Zudem hätten sich auch rund zehn Verwaltungen gemeldet, die für ihre Mieter einen Baum bestellt hätten.

Die Bäume helfen, das Stadtklima zu regulieren

Die Infrastrukturabteilung setzt seit langem auf Stadtbäume. In Dietikon gibt es – neben dem vielen Wald – insgesamt 470 Allee- und 700 Parkbäume, wie die Infrastrukturabteilung genau weiss. Auf der Basis des städtischen Leitfadens «Natur im Siedlungsraum» werden stadteigene Strassen und ­ Plätze mit geeigneten Begrünungs- und Beschattungsmassnahmen ge­staltet. Angesichts der zunehmend heisser werdenden Sommer sind Stadtbäume wichtig. Diese helfen mit, das lokale Klima zu regulieren. Bäume spenden dabei nicht nur Schatten, sie kühlen die Umgebung durch das Verdunsten von Wasser aktiv ab.

Dabei werden kleine grüne Bijous nicht nur auf öffentlichen Plätzen ­immer wichtiger, sondern auf allen Grundstücken: Aus diesem Grund ­hatte die Infrastrukturabteilung die niederschwellige Klimabaum-Aktion lanciert. Die neun verschiedenen Arten, die sie zur Verfügung stellte, sind alle für ein wärmeres Klima gerüstet, sind einheimisch und bieten Vögeln und Insekten einen geeigneten Lebensraum.

Für den Kauf der über 460 Pflanzen hatte die Stadt rund 3000 bis 3500 Franken aufgewendet. Im Vergleich zu einem Stadtbaum sind dies geringe Kosten: Denn pflanzt die Stadt auf einem Platz einen Baum an, müssen ­dafür schnell einmal 3000 Franken aufgeworfen werden, wie Stadtrat Neff beim Aktionsstart erklärt hatte. Denn dann muss einerseits bereits ein älterer, grösserer und damit ­ teurerer Baum gekauft werden, andererseits sind für die Pflanzung oft auch umfangreichere Bauarbeiten ­notwendig.

Die Infrastrukturabteilung schliesst nicht aus, dass sie eine ähnliche Aktion im Frühling oder zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen wird. Die ­vorbereiteten Bäume und Sträucher, die nun keinen neuen Besitzer ge- funden haben, bleiben vorerst bei der Stadtgärtnerei. Sie werden an Waldrändern und in der Stadt an­gepflanzt, sagt Stössel. «Dietikon erhält mehr Bäume, das war das Ziel der ­Aktion.»

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