Fussball

Zwischenbilanz zur 1., 2. und 3. Liga: FC Dietikon und FC Urdorf haben noch etwas Luft nach oben

Kaum ein Durchkommen für Dietikons Miguel Ferreira (Mitte, blaues Trikot) gab es am 14. September gegen die Übermacht von Winterthur II. Löst sich nun heute gegen Eschen/Mauren der Knopf?

Kaum ein Durchkommen für Dietikons Miguel Ferreira (Mitte, blaues Trikot) gab es am 14. September gegen die Übermacht von Winterthur II. Löst sich nun heute gegen Eschen/Mauren der Knopf?

In der regionalen Fussballmeisterschaft zeichnen sich erste Tendenzen ab. Eine erste Bilanz zur 1., 2. und 3. Liga.

FC Dietikon, 1. Liga

Bilanz: 8 Spiele/7 Punkte/13:16 Tore/Rang 13 (Abstiegsplatz, Gruppe 3).

Ausgangslage: Ausgerechnet just vor dem Kellerduell von heute Samstag auswärts gegen Eschen/Mauren (16 Uhr, Sportpark Eschen) zog der FCD die bislang schwächste Leistung der Saison ein. Beim 0:1 gegen Gossau vor einer Woche zeigte der Liganeuling wenig Erbauliches. «Das war unbestritten das schlechteste Spiel seit langem», urteilt denn auch FCD-Sportchef Christian Müller mit klaren Worten. Wenig Spirit, wenig Kampfgeist – so gehe das definitiv nicht in der 1. Liga. Dem gegenüber strotzen die Liechtensteiner nur so vor Selbstvertrauen – sie gewannen bei Red Star mit 4:2 und liegen in der Tabelle neu knapp vor den Limmattalern.

Stimmungslage des Sportchefs: Könnte natürlich besser sein. Auch wenn Müller sagt: «Bis jetzt haben es die Jungs nicht schlecht gemacht.» Kein Thema sei laut Müller die Position von Trainer João Paiva. «Ich stehe täglich in telefonischem Kontakt mit ihm, er macht einen guten Job.» Auf die Frage, ob er nach einer Niederlage auch schon in der Kabine getobt habe, meint Müller schmunzelnd: «Nein, nein, das halte ich nicht für angebracht.» Wie es aussehen wird, sollte der sportliche Kriechgang anhalten, kann Müller indes nicht sagen: «Sollte einmal so richtig Feuer unterm Dach sein, sähe die Sache anders aus.»

Erfreulich: Die Dietiker weisen das jüngste Durchschnittsalter aller 14 Teams ihrer Meisterschaftsgruppe auf, nimmt man die beiden U21-Equipen von Winterthur und St. Gallen aus. Da liegt noch viel Steigerungspotenzial brach. Einem wie dem erst 17-jährigen Innenverteidiger Moreno Cincera gehört die Zukunft.

Enttäuschend: Es müssen mehr Tore her, keine Frage. Die Chancenauswertung ist momentan noch nicht 1.-Liga-würdig.

Das Fragezeichen: Viel hängt vom Verlauf des heutigen «Ländlespiels» ab. Bei einem positiven Resultat kann das Pendel für den weiteren Verlauf der Vorrunde auf die Seite der Dietiker kippen. Kehren sie mit leeren Händen zurück aus Liechtenstein, ist das Trainerduo Paiva/Jakob noch mehr in der Pflicht.

Prognose: Der FC Dietikon zwingt heute Nachmittag das Glück auf seine Seite und entführt einen Zähler nachhause. Nach der Vorrunde steht das Team im hinteren Mittelfeld.

FC Schlieren, 2. Liga

Bilanz: 6 Spiele/11 Punkte/16:11 Tore/Rang 4 (Gruppe 1). Im Regionalcup in der 2. Vorrunde ausgeschieden gegen Drittligist Kloten.

Erfreulich: Mit elf Punkten aus fünf Partien sind die Schlieremer nach Wunsch aus den Startlöchern gekommen. Es gab auch einen lockeren 6:2-Erfolg im Derby gegen Urdorf zu feiern. «Die erste Phase war wirklich gut», urteilt Trainer Besnik Ramadani. Am vergangenen Wochenende wurden den FCS-Akteuren jedoch schonungslos die Limiten aufgezeigt – 1:6-Klatsche im Spitzenspiel gegen Leader YF Juventus II. «Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht» sagt Ramadani.

Enttäuschend: Das unerwartete Aus im Cup gegen die unterklassigen Klotener hat Ramadani lange beschäftigt. Und nicht nur ihn. «Meine Spieler haben den Gegner ganz einfach unterschätzt. Sie mussten sich in der Woche danach einige deutliche Worte anhören», so der Trainer.

Das Fragezeichen: Wie stark wirkt die Klatsche gegen YF Juventus II nach? War es wirklich nur ein «Ausrutscher», wie Trainer Ramadani sagt?

Fazit des Trainers: Grundsätzlich ist Ramadani mit den ersten Wochen der neuen Saison zufrieden. Die Mannschaft «funktioniert», die Resultate stimmen grösstenteils. Nur etwas nervt Schlierens Übungsleiter: «Wir kassieren einfach zu viele Karten. Das müssen wir sofort ändern.»

Prognose: Die Schlieremer werden eine relativ ruhige Meisterschaft absolvieren und den Ligaerhalt früher sichern als letzte Saison.

FC Urdorf, 2. Liga

Bilanz: 6 Spiele/4 Punkte/5:17 Tore/Rang 12 (Gruppe 1, Abstiegsplatz). Im Regionalcup in der 2. Vorrunde ausgeschieden nach einem 0:1 gegen Viertligist (!) Langnau am Albis.

Erfreulich: Wer nach sechs Runden auf einem Abstiegsrang liegt und gegen einen zwei Klassen tiefer spielenden Gegner aus dem Cup geflogen ist, hat wenig Grund zur Freude. Dennoch sagt FCU-Trainer Dragan Filipovic: «Trotz des resultatmässig schlechten Starts herrscht im Team und im Verein Ruhe. Wir arbeiten seriös, die Jungs ziehen mit – es macht trotz allem Spass.»

Enttäuschend: Die ersten Wochen und Monate im FC Urdorf waren für Filipovic nicht einfach. Der langjährige Trainer des FC Affoltern am Albis hatte Mühe, für die ersten beiden Meisterschaftsspiele aufgrund von Ferienabsenzen überhaupt eine Mannschaft zusammenzubringen. Die Resultate fielen entsprechend aus – 2:6 im Revierderby gegen Schlieren, 0:5 gegen Witikon. Seither gehe es Schritt für Schritt aufwärts, so Filipovic. «Hätten wir einen torgefährlichen Stürmer im Team, würden wir mehr Punkte auf dem Konto haben.» In der vergangenen Runde schnupperten die «Stiere» gar am Sieg gegen Red Star II, führten bis zur 75. Minute mit 1:0. Die Stadtzürcher gewannen schliesslich dank zwei späten Toren mit 2:1, doch diese Partie habe aufgezeigt, so Filipovic, «dass wir auf dem richtigen Weg sind.» Die Moral würde stimmen.

Das Fragezeichen: Wann gelingt der Exploit, der beim Team die Verkrampfung löst?

Fazit des Trainers: «Der Start in die Meisterschaft ist in die Hosen gegangen. Aber jetzt klappt es von Spiel zu Spiel besser», resümiert Filipovic.

Prognose: Fruchten die Einzelgespräche des Trainers mit seinen Spielern und schlägt die «Seelenmassage» an, wird der FCU in den kommenden sieben Partien bis zur Winterpause den Sprung ins Mittelfeld der Tabelle schaffen. Wenn nicht, gilt auf dem Chlösterli höchste Abstiegsgefahr.

FC Oetwil-Geroldswil, 3. Liga

Bilanz: 5 Spiele/9 Punkte/12:9 Tore/Rang 4 (Gruppe 1). Im Regionalcup dank eines 4:0-Siegs gegen Viertligist Centro Lusitano Qualifikation für die 3. Vorrunde. Am 24. Oktober heisst dort der Gegner Unterstrass (2. Liga).

Erfreulich: Nach einem veritablen Rumpelstart mit zwei verlorenen Partien scheint der FCOG in die Spur gefunden zu haben, zuletzt resultierten drei Siege mit einem Gesamtskore von 10:3. «Team und Trainer mussten sich erst aneinander gewöhnen, das ist ganz normal», sagt der neue Übungsleiter Reto Schöni, «jetzt klappt das schon ganz gut.» Der neue Mann, der nach drei Jahren bei der 3.-Liga-Mannschaft des FC Wil SG ins Limmattal wechselte, hat sich beim FCOG nach eigenen Angaben sehr gut eingelebt. «Es ist ein familiär geführter Verein, das gefällt mir.» Auch die Vereinsphilosophie, mit möglichst vielen eigenen Junioren das Fanionteam zu bestücken, sagt Schöni zu. «Wir haben bis auf einen Spieler alles Akteure im Kader, die die Ausbildung bei Oetwil-Geroldswil genossen haben.»

Enttäuschend: Bislang habe er noch nichts Negatives erlebt, so der Trainer.

Fazit des Trainers: Nach drei Jahren in der Ostschweizer 3. Liga kann Reto Schöni den Vergleich mit der Zürcher 3. Liga ziehen. «Der Unterschied bezüglich Niveau und Intensität ist in meinen Augen nicht sehr gross», sagt er. Auch der Trainingsaufwand sei in etwa gleich. Beim FCOG werde auf Wunsch des Vorstandes zweimal wöchentlich trainiert. Das hat Schöni akzeptiert, auch wenn er durchblicken lässt, dass er nicht abgeneigt wäre, ab und zu auch ein drittes Training abzuhalten.

Prognose: Der FCOG ist auf gutem Weg, in der laufenden Saison ein Team zu formen, das in der kommenden Saison den Aufstieg in die 2. Liga anvisieren kann.FC Engstringen, 3. Liga

Bilanz: 5 Spiele/10 Punkte/12:6 Tore/Rang 4 (Gruppe 2). Im Regionalcup dank eines 1:0-Siegs gegen den Viertligisten FC Knonau-Mettmenstetten Qualifikation für die 3. Vorrunde. Am 24. Oktober heisst dort der Gegner SV Schaffhausen (2. Liga).

Erfreulich: In seiner vierten Saison an der Seitenlinie des FCE habe er eine «Riesentruppe» beisammen, sagt Trainer Roger Balmer. Die erfahrenen Akteure wie beispielsweise der ehemalige U19-Nationalspieler Etienne Manca (27, spielte 2013 bei Wohlen in der Challenge League) oder der 23-jährige Goalie Maverick Plüss (absolvierte zwei Partien in der 2. Liga inter für Blue Stars) bilden mit den «jungen Wilden» wie Balmers 20-jährigem Sohn Joel oder Janick Duske eine ideale Kombination. «Die Mischung stimmt hundertprozentig», freut sich Balmer.

Enttäuschend: Wäre nur die Chancenauswertung einen Deut besser! «Wir machen es uns immer wieder selber schwer, Partien zu entscheiden. Wir müssen vor dem gegnerischen Tor konsequenter sein», fordert Balmer. Wie zuletzt beim 1:0-Minisieg gegen den Tabellenvorletzten Croatia. Balmer: «Da hätten wir nicht bis in die Schlussminuten um die drei Punkte bangen müssen.»

Das Fragezeichen: Wie reagiert die erfolgsverwöhnte Mannschaft auf einen ersten Dämpfer?

Fazit des Trainers: Roger Balmer ist von der aktuellen Performance seines Teams keineswegs so überrascht wie manch ein Aussenstehender. «Wären wir schlechter in die Saison gestartet, hätte mich das ehrlich gesagt gewundert.» Balmer ist ein alter Hase im Geschäft, war unter anderem vor nunmehr 14 Jahren Captain jener Mannschaft des FC Oetwil-Geroldswil, welche erstmals in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die 3. Liga schaffte. Ihn kann nichts mehr erschüttern, er hat schon alles gesehen. In seiner vierten Saison an der Seitenlinie beim FCE habe er ein absolut kompetitives Kader. «Es macht Spass mit den Jungs. Die routinierten und die jungen Spieler ergänzen sich ideal.»

Prognose: Bleiben die Engstringer Himmelsstürmer ab sofort von grösseren Verletzungen verschont, werden sie die Saison im kommenden Frühling in den Top 3 abschliessen. An den beiden Aufstiegsaspiranten Wiedikon und Affoltern am Albis wird das Team von Trainer Balmer voraussichtlich nicht vorbeikommen. Im Cup dürfte die 3. Vorrunde für den FCE Endstation bedeuten.

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