Sabine Harbeke charakterisiert sich selbst als neugierigen und offenen Menschen, mit breit gefächerten Interessen und viel Energie. «Ich komme leicht ins Gespräch und schaffe es, positive Energie und Freude zu versprühen.» Ihr sei bewusst, sich in einer verändernden Welt und Gesellschaft zu befinden, für die man Positionen beziehen müsse, gerade als Frau. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war für sie und ihren Mann immer gelebte Selbstverständlichkeit. «Allerdings haben wir hierfür viel Optimismus und Kraft gebraucht, denn leider sind wir in der Schweiz noch weit davon entfernt, dass Arbeitsmarkt und soziale Strukturen auf ein gemeinschaftliches Familienleben ausgerichtet sind», sagt Harbeke.

Aufgewachsen ist sie in Affoltern am Albis. Harbeke liess sich an der ETH Zürich zur Sportlehrerin ausbilden. Danach belegte sie an der Hochschule Luzern visuelle Kommunikation und lebte von 1996 bis 2001 in New York, wo sie an der School of Visual Arts Filmregie studierte. Für ihren ersten Film recherchierte sie am New Yorker Fulton-Fischmarkt, setzte sich mit dem sozialen Mikrokosmos auseinander, kombinierte alles mit ihrer Fantasie und entwickelte so ein fiktives Szenario, eine eigene Perspektive.

Stücke als Versuchsanordnungen

Als Theaterschaffende hat sie die Arbeitsweise der Autorenfilmerin übernommen und weiterentwickelt. Meist bekommt sie Stückaufträge von Theatern, sodass sie spezifisch für eine Stadt und ein Ensemble schreibt. «Meine Stücke sind Versuchsanordnungen und das Inszenieren und die Arbeit im künstlerischen Team ist eine Fortsetzung des Schreibens mit anderen Mitteln.»

Bislang konnte Harbeke 16 eigene Stücke verfassen, die sie unter anderem in Hamburg, Kiel, Bochum, Bonn, Basel und Zürich inszeniert hat und die in viele andere Sprachen übersetzt wurden. Sie liebt ihre Arbeit am Theater, weil dem Theater noch immer eine unmittelbare Kraft innewohnt. «Es kann Gemeinschaft erfahrbar machen, gleichzeitig unterhalten, befragen, anstiften und trösten. Der relevante Punkt ist immer das Hier und Jetzt. So gibt es für meine Theaterstücke meist einen zeitgenössischen Konflikt oder eine politische Situation als Auslöser.» Harbeke recherchiert, interviewt, hört zu oder schaut hin und erschafft dann eine auf Tatsachen beruhende, erfundene Geschichte.

Für das Stück «kalter hund», das sie für den Fünfteiler «Das Schweigen der Schweiz» am Theater St. Gallen geschrieben hat, griff sie auf ihre Erfahrungen in Aesch zurück und verarbeitete die Frage des Mechanismus in der direkten Demokratie einer Wohngemeinde auf witzige und bissige Art. Dieses Stück bescherte ihr eine Einladung zum Schweizer Theatertreffen.

Über Jahre hat die Regisseurin zusammen mit ihrem Mann, einem Bühnenbildner und Fotografen, gearbeitet, der heute als Lehrer an Theatern im europäischen Raum tätig ist. Das bedeutete, dass sie mit ihrer Familie jeweils für zwei Monate in anderen Städten lebte. Dort besuchten ihre Kinder Kitas oder Schulen, was fordernd und bereichernd war.

Nach all den Reisen sind alle vier immer wieder gerne in das Elternhaus ihres Mannes nach Aesch zurückgekommen. Über 10 Jahre hat Sabine Harbeke sich als Mädchenriegenleiterin engagiert und viele für Sport und Bewegung begeistern können. «Ich selbst liebe auch Bewegung und geniesse es sehr, hier im Grünen zu leben, zu joggen oder mit meiner Familie in den Wald zu einer Feuerstelle zu gehen,» sagt die 53-Jährige.