Die Zeichen, dass es mit den Familiengärten im Betschenrohr bald vorbei ist, verdichten sich. So sieht es zumindest Ronald Mücke, der den Verein präsidiert. «Natürlich ist es wünschenswert, was am Limmatbogen geplant ist, doch sollte auch Platz für die Familiengärten bleiben», sagt er.

Auf dem rund 3,2 Kilometer langen Flussabschnitt zwischen der Autobahnbrücke an der Schlieremer Stadtgrenze zu Zürich und der Überlandstrasse-Brücke soll die Natur aufgewertet werden. Dies ist bereits im kantonalen wie auch im regionalen Richtplan festgehalten. Unter der Federführung des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft wurde Ende Juni eine sogenannte Begleitgruppensitzung durchgeführt. Neben Vertretern von Naturschutzverbänden und Behörden der Städte Schlieren und Zürich sowie der Gemeinden Ober- und Unterengstringen waren auch Anrainer geladen. Dies ist einer Teilnehmerliste zu entnehmen, die dieser Zeitung vorliegt.

Ziel ist es, die Limmat wieder als Lebensraum für Flora und Fauna und als Erholungsgebiet für die Menschen zu gestalten. Nach der Kanalisierung des Abschnitts im vorletzten Jahrhundert war der Fluss als Lebensraum stark eingeschränkt, da sich keine Kiesbänke und Inseln bilden konnten. «Die Limmat präsentiert sich heute als ökologisch verarmtes Gewässer, das sowohl für die Natur als auch als attraktiver Raum für Menschen grosses Aufwertungspotenzial in sich birgt», heisst es in der Einladung.

Keine Einladung zur Begleitgruppe für die Gärtner

Seit Februar läuft ein Vorprojekt, in dessen Rahmen Varianten geprüft werden sollen. Hier kommt die Begleitgruppe ins Spiel. Mit ihr soll eine Bestvariante festgelegt werden, die bis Ende Jahr auf die Stufe Vorprojekt ausgearbeitet wird, wie es in der Einladung heisst. Vertreter der Familiengärten Betschenrohr waren zum Begleitgruppe-Treffen nicht geladen. Über Wochen habe man keine Antwort erhalten auf die Frage, warum keine Garten-Vertreter eingeladen waren, so Mücke. Beim Kanton, der für die Planung verantwortlich ist, heisst es: «An der erwähnten Begleitgruppensitzung werden die Interessen der Schlieremer Bevölkerung durch die Stadtbehörden vertreten. Dies trifft auch auf das Familiengartenareal zu, welches sich mehrheitlich im Eigentum der Stadt befindet.» Aktuell befinde man sich auf Terminsuche für einen Austausch mit dem Verein, heisst es von der Stadt auf Anfrage.

Dass der Verein Federn lassen muss, steht schon lange fest. Rund 150 bis 170 der total 350 Gärten sollen der Renaturierung weichen, sagt Mücke. «Das wissen wir schon seit Jahren. Die Einträge im regionalen Richtplan geben aber Grund zur Annahme, dass es weitaus mehr sein sollen», sagt er. Dort sei ein grösserer Teil für den Auenpark ausgeschieden als angenommen. Mücke findet, ein Teil solle für die Familiengärten bestimmt bleiben. Und er wünscht sich auch eine offene Kommunikation. «Uns wurde versprochen, dass man uns auf dem Laufenden hält. Über Umwege erfuhren wir nun von dieser Begleitgruppe. Das ist nicht die feine Art.» Aber: Zwischenzeitlich habe sich die Stadt für die Nicht-Einladung entschuldigt. Und: Man treffe sich im September.

Was am Limmatbogen genau entstehen soll, ist noch offen, wie es beim Kanton heisst. «Beim Vorprojekt, das derzeit erarbeitet wird, werden diverse Varianten geprüft und bewertet. Bis zum Abschluss sind keine Aussagen möglich», heisst es beim Kanton. Zu Mückes Befürchtung, die Ausdehnung des Projektperimeters könnte sich verbreitert haben, geben die Verantwortlichen Entwarnung: «Der Richtplan zeigt nur die ungefähre Verortung des Vorhabens, dessen Ausdehnung kann nicht daraus abgelesen werden. Es ist also vorderhand noch offen, welche Parzellen mit einbezogen werden sollen», heisst es weiter. Ende Jahr soll das Vorprojekt stehen und die Baudirektion werde es publizieren.