Weiningen

Reptilien in den Reben: Sie bauen eine Wellnessoase für Zauneidechsen im Weinberg

Vom 23. bis 27. März setzen sie das Projekt zur Förderung der Zauneidechse im Weininger Rebberg um: Polier Manuel Köpfli (links) und Biologe Walter Schaffner (Mitte) mit den Lernenden Aleksandar Milovanovic, Carlos Alves, Lars Meienberg und Burim Bajrami (von links).

Vom 23. bis 27. März setzen sie das Projekt zur Förderung der Zauneidechse im Weininger Rebberg um: Polier Manuel Köpfli (links) und Biologe Walter Schaffner (Mitte) mit den Lernenden Aleksandar Milovanovic, Carlos Alves, Lars Meienberg und Burim Bajrami (von links).

Lernende der Walo Bertschinger AG erstellen im Weininger Rebberg Hasleren Steinlinsen. Reptilien und die lokale Weinkultur sollen davon profitieren.

In den Sonnenhängen Weiningens werden seit Jahrhunderten Reben angebaut. Die Weinberge sind nicht nur Naherholungsgebiet und Arbeitsort von Weininger Winzerfamilien, sondern auch Lebensraum für verschiedene Reptilien. Die dort heimische Zauneidechse wird nun mit einem Projekt bedacht. Sechs Lernende des Dietiker Bauunternehmens Walo Bertschinger werden drei bis vier Steinlinsen im Rebberg Hasleren errichten. Die eineinhalb Meter hohen und rund vier Meter langen Steinhaufen kommen an der Wiesenböschung beim Kehrplatz an der Haslerenstrasse in der Nähe des Restaurants Winzerhaus zu stehen.

Initiantin des Projekts ist die Kommission Standortmarketing Weinbau der Gemeinde Weiningen, die sich «Wein.Kom» nennt. «Unser Anliegen ist es, Weiningen als Weinbaudorf zu stärken und die Biodiversität der Kulturlandschaft zu fördern», sagt Kommissionsmitglied Elisabeth Hintermann. Bis 2011 winzerte sie selbst. Nun verpachtet sie ihren 70 Aren grossen Weinberg. «Wir setzen uns dafür ein, dass auch junge Winzerfamilien eine Zukunft in Weiningen haben.»

Zu Beginn habe man die Idee gehabt, eine Trockensteinmauer zu erstellen. Diese habe man jedoch schnell wieder verworfen. «Die Mauer ist keine optimale Lösung, weil es in Weiningen keine geplatteten Steine gibt. Diese müssten tonnenweise aus einem entfernten Steinbruch herangeführt werden», sagt Hintermann. Das sei ein kostspieliges und unökologisches Vorgehen. Zur Förderung der Zauneidechse eigneten sich Steinlinsen weit besser.

Lernende werden von Winzerfamilien verpflegt

In der Wiesenböschung mit Altgrasbesatz leben diverse Insekten, die den Eidechsen als Nahrungsmittel dienen. «Die Trockensteinmauer sieht zwar schön aus, bietet für die Tiere aber ungenügende Nahrungsmöglichkeiten», so Hintermann. Die «Wein.Kom» kann bei ihrem Vorhaben auf tatkräftige Unterstützung zählen. «Die Firma Walo Bertschinger hat sich grosszügig bereit erklärt, das Projekt umzusetzen. In Rechnung gestellt werden nur die Arbeitsstunden des Poliers, die Maschinen zu Selbstkosten sowie anfallende Materialkosten», sagt Hintermann. Die Lernenden werden während einer Woche im Rebberg tätig sein. Für die Verpflegung sorgen die ansässigen Winzerfamilien.

Die Steinlinsen im Rebberg Hasleren sollen den vor Ort vorkommenden Zauneidechsen zugute kommen. In der Wiesenböschung mit Altgrasbesatz leben diverse Insekten, die den Eidechsen als Nahrungsmittel dienen.

Zauneidechse

Die Steinlinsen im Rebberg Hasleren sollen den vor Ort vorkommenden Zauneidechsen zugute kommen. In der Wiesenböschung mit Altgrasbesatz leben diverse Insekten, die den Eidechsen als Nahrungsmittel dienen.

Geplant ist der Bau in der Woche vom 23 bis 27. März. «Wir sind extrem erfreut und berührt, dass Walo Bertschinger sich für unser Projekt engagiert und die Lernenden ihre Büez gratis zur Verfügung stellen», sagt Mario Okle (parteilos). Der Weininger Gemeindepräsident ist ebenso Mitglied der Kommission. Für ihn ist klar: «Ohne den Beitrag des Bauunternehmens gäbe es das Projekt nicht.» Man habe bereits am Anfang der Planung gemerkt, dass das Budget wohl nicht ausreichen wird. «Wir haben uns aber dafür entschieden, nicht aufzuhören. Zum Glück, denn nun ist doch alles aufgegangen. Das haben wir auch den anderen Sponsoren zu verdanken», sagt Okle.

Die Arbeiten begleiten wird auch Walter Schaffner aus Weiningen. Der Biologe und Eidechsen-Spezialist wird den Lernenden beratend zur Seite stehen. In einer Präsentation in den Räumen von Walo Bertschinger in Dietikon führte Schaffner die Jugendlichen am Donnerstagabend bereits in die Welt der Zauneidechsen und anderer heimischer Reptilien ein. Er freut sich auf das Projekt. «Es ist eine gute Sache. Ich bin gespannt, wie lange es geht, bis die Tiere das wunderbare neue Zuhause entdecken und nutzen.»

Lernende können Arbeiten von A bis Z selbst ausführen

Gespannt auf die Arbeit im Weinberg ist auch Polier Manuel Köpfli. Er wird die Lernenden beim Bau der Steinlinsen betreuen. Er habe zwar schon einige Lehrlingslager geleitet und dabei Natursteinbauarbeiten ausgeführt. «Es ist aber das erste Mal, dass wir ein Projekt für Eidechsen realisieren», sagt er. Das Vorhaben sei etwas nicht Alltägliches. «Die Lernenden haben die Möglichkeit, sämtliche Arbeitsschritte von A bis Z selbst zu erledigen.» Für die Jugendlichen ist der Bau der Steinlinsen eine willkommene Abwechslung zum Alltag im Ausbildungsbetrieb. «Dank des Projekts komme ich aus der Werkstatt raus und sehe die Schweiz, das ist cool», sagt Lars Meienberg aus Muri, der sich zum Baumaschinenmechaniker ausbilden lässt. Ähnlich sieht es Carlos Alves aus Baden. «Ich freue mich auf das Projekt, weil ich draussen im Freien arbeiten darf», sagt der angehende Industrie- und Unterlagsbodenbauer.

Markus Popp ist bei Walo Bertschinger verantwortlich für die Lernenden. Er hatte sofort ein offenes Ohr für die Idee der «Wein.Kom». «Unserer Firma ist Nachhaltigkeit wichtig, dies auch im Hinblick auf unsere Lernenden und das Limmattal. Wir freuen uns darauf, Nachhaltiges im Bereich Diversität in Weinigen zu schaffen und den Zauneidechsen eine Wellnessoase zu bauen.»

Autor

Sibylle Egloff

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