Bertha Schenker ist 82 Jahre alt und lebt mit ihrem 83-jährigen Ehemann Isidor seit zwei Jahren in einer Wohnung in der Alters- und Pflegeresidenz «Senevita» im Limmatfeld in Dietikon. Sie könne nicht klagen, habe sie doch ein schönes Zuhause, keine Schmerzen und sei grundsätzlich zufrieden, sagt sie. «Ich hatte ein erfülltes Leben und bin dankbar für alles.» Doch an der Welt und den Menschen zweifle sie manchmal schon. «Der Egoismus und die Geldgier beunruhigen mich», sagt die Dietikerin.

Umso mehr freute sich Schenker über den Vorfall in der Migros beim Rapidplatz vergangene Woche. «Das zeigt mir, dass es doch noch so viel Gutes auf der Welt gibt», sagt sie. Da die Seniorin das Ereignis so rührte, wollte sie es mit der Leserschaft der Limmattaler Zeitung teilen und meldete sich bei der Redaktion. «Es stehen genug schlechte Nachrichten in der Zeitung. Da ist meine Geschichte eine willkommene Abwechslung», sagt sie.

Schoggi für Kalabrien

Die Schenkers erwarteten Besuch aus Kalabrien. «Ein Bekannter wollte vorbeikommen und uns Olivenöl mitbringen. Als Dankeschön wollte ich ihm Schweizer Schoggi schenken», erzählt die Seniorin. Sie sei deshalb mit ihrem Mann in die Migros gegangen. Auch wenn der Weg dahin nicht weit ist, ist es für die 82-Jährige nicht so einfach, Besorgungen zu erledigen.

«Mein Mann leidet an Demenz. Ich muss aufpassen, dass er die Waren in das richtige Wägeli legt und dass er den Leuten nicht den Einkaufskorb leer räumt», sagt sie. Das Einkaufen klappte an besagtem Tag jedoch problemlos. Bis die beiden an der Kasse ankamen. «Ich merkte, dass ich zu wenig Geld eingepackt hatte. Ich konnte nur eines der beiden Schoggi-Bibeli bezahlen, das ich im Einkaufswagen hatte.»

Die Kassiererin habe die Schoggi-Figur zur Seite gestellt. «Es hat mir schon etwas gestunken, nochmals in die Migros gehen zu müssen», gibt Schenker zu. Doch sie hatte keine andere Möglichkeit. «Zudem war mir das Ganze etwas unangenehm, blockierte ich doch die Kasse.»

Bertha Schenker möchte den zwei Frauen danken.

Als hätten die beiden Frauen, die hinter Schenker an der Kasse anstanden, die Gedanken der Seniorin lesen können, übernahmen sie kurzerhand den Betrag von 8.90 Franken. «Ehe ich mich versah, stand das Bibeli wieder in meinem Einkaufswagen und die Kassiererin teilte mir mit, dass die beiden Frauen hinter mir die Schoggi bezahlt hätten», sagt Schenker. Sie sei von dieser Geste tief berührt gewesen.

«Ich habe die Frauen umarmt und geweint.» Schliesslich handelte es sich nicht um einen oder zwei Franken. So etwas Schönes sei ihr schon lange nicht mehr widerfahren, sagt Schenker. «Ich möchte mich nochmals bei den beiden bedanken und ihnen sagen, dass die Schoggi-Bibeli wohlbehalten in Kalabrien angekommen sind.»