Zürich

«Sensibilisierung» bei Grossverteilern nützte nichts – die Ungeduld im Zürcher Kantonsrat wächst

Der immergrüne Kirschlorbeer verdrängt einheimische Arten, wird aber immer noch verkauft.

Der immergrüne Kirschlorbeer verdrängt einheimische Arten, wird aber immer noch verkauft.

Obwohl diese gebietsfremde Pflanzenart die einheimische Pflanzen verdrängen, werden invasive Neophyten im Kanton Zürich immer noch zum Verkauf angeboten.

Wer einen immergrünen Kirschlorbeer oder einen winterharten Sommerflieder im eigenen Garten anpflanzen möchte, wird bei Grossverteilern rasch fündig.

Viele Gartencenter haben nach wie vor auch invasive Neophyten im Angebot. Das sind nicht-einheimische Pflanzen, die einheimische Arten verdrängen und damit die Biodiversität bedrohen. Sie können auch gesundheitsschädigend sein oder Schäden an Bauwerken und der Infrastruktur verursachen. Mehrere Dutzend solcher Arten stehen in der Schweiz auf einer schwarzen Liste, nur bei einem Teil besteht ein Verkaufsverbot.

Wie der Zürcher Regierungsrat in einer aktuellen Antwort schreibt, kann er gegen diesen Umstand auch weiterhin nicht viel ausrichten. Zwar wird im Kanton ein Massnahmenplan gegen die schädlichen Pflanzen umgesetzt. Es läuft das vierjährige Pilotprojekt «Gemeinsam gegen Neophyten» und eine Sensibilisierungskampagne zum Verkauf der Pflanzen. Aber eben: «Schwierigkeiten bestehen bei den Grossverteilern, dem Direktimport und dem Internethandel», schreibt der Regierungsrat. Er moniert, die Pflanzen seien weiterhin im Verkauf und würden einzig gemäss der geltenden Informationspflicht beschriftet.

Das lange Warten auf Bern

Ob Gespräche zwischen dem Kanton und den Grossverteilern laufen, ist nicht bekannt. Die Zürcher Baudirektion sagt auf Anfrage nur, man sei «via eine interkantonale Arbeitsgruppe der kantonalen Neobiotafachleute im Dialog mit dem Handel inklusive Grossverteilern». Der Regierungsrat geht aber davon aus, dass künftig alle invasiven Neophyten, die heute auf der schwarzen Liste stehen, nicht mehr verkauft werden dürfen. Diese Hoffnung basiert auf der Revision des Umweltschutzgesetzes in Bern. Der Revisions-Vorschlag des Bundesrats wurde im Frühling präsentiert, bis vor einer Woche konnten die Kantone Stellung nehmen. Wann und in welcher Form das Gesetz aber seine Wirkung entfalten kann, ist derzeit völlig offen, obwohl der grundsätzliche Missstand seit Jahren bekannt ist.

Die Warterei stösst den drei Kantonsrats-Mitgliedern Erika Zahler (SVP, Boppelsen), Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon) und Robert Brunner (Grüne, Steinmaur) sauer auf. Sie waren es, die das Thema mit ihrer Anfrage beim Regierungsrat aufs Tapet gebracht hatten. Darauf warten, bis aus Bern klare Regeln kommen, wollen sie nicht mehr.

«Es braucht wohl ein Verkaufsverbot»

Erika Zahler sagt auf Anfrage: «Es ist doch ein riesiger Widerspruch, dass wir die invasiven Neophyten ständig bekämpfen müssen, aber den Verkauf einfach weiterlaufen lassen.» Zwar anerkennt Zahler die Bemühungen des Kantons der letzten Jahre, aber sie fordert mehr. «In einem solchen Fall braucht es wohl ausnahmsweise ein Verkaufsverbot auf kantonaler Ebene.»

Wie das rechtlich umzusetzen wäre, will Zahler nun im Kantonsrat erarbeiten. Im Weg steht dabei das Schweizer Binnenmarktgesetz, welches Unternehmen den Marktzugang über die Kantonsgrenzen hinweg sichert. Es brauche jedenfalls so schnell wie möglich verpflichtende Regeln, findet Zahler. «Für den Handel ist das ja grundsätzlich kein Problem, es gibt genug Alternativen.»

Dass Grossverteiler noch immer invasive Neophyten im Angebot haben, kann auch GLP-Kantonsrat Thomas Wirth nicht nachvollziehen. «Der Kanton gibt viel Geld aus für die Bekämpfung der Neophyten, dabei wäre eine Einschränkung oder im Notfall ein Verbot des Verkaufs der Hebel, der am stärksten wirken würde.»

Aus Sicht von Wirth soll der Kanton sich parallel zur Revision des Umweltschutzgesetzes um eine Zürcher Lösung bemühen und allenfalls den Verkauf innerhalb der Kantonsgrenzen verbieten. Und der grüne Robert Brunner sieht «juristisch kreative Möglichkeiten» im Bereich des kantonalen Landwirtschaftsgesetzes oder kommunaler Verordnungen als möglichen Weg. Der «Königsweg» zur Beendigung des «unsäglichen Zustands» führe aber über ein nationales Verbot.

Mirko Plüss

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