Schlieren

Sie gehört zu den grössten der Schweiz: Biogas-Anlage «Möösli» heizt täglich eine Million Liter Wasser auf 23 Grad

Im Bio-Bad Im Moos in Schlieren verzichtet der Badmeister auf Chlor und heizt mit Biogas. Seither tummeln sich die Badegäste in vier grünen Becken.

Das Wasser ist grün. Grün wie in einem See, in dem nebst den Steinen am Grund auch Algen sichtbar sind. «Wer zu uns kommt, den erwartet kein blaues Bad, denn wir brauchen kein Chlor», sagt Mihajlo Nikic, Badmeister des Bio- und Gartenbads Im Moos in Schlieren. Er ist seit 30 Jahren Badmeister und arbeitete jahrelang in konventionellen Bädern, die mit Chlor gereinigt wurden.

Vor acht Jahren hat das Bad in Schlieren komplett auf Bio umgestellt. Das zeigt sich nicht nur am grünen Wasser, sondern auch in den Kellergewölben. Den Platz, der früher die Stromheizung einnahm, füllt heute ein Blockheizkraftwerk, das mit Biogas betrieben wird, aus. «Dank dieser Maschine können wir jeden Tag eine Million Liter Wasser heizen und alle elektrischen Geräte mit Strom versorgen», sagt der Badmeister und fährt mit dem Finger über die Anzeige der gelben Maschine. Es stand auch eine Solaranlage zur Auswahl, doch die Schlieremer Bevölkerung wählte Biogas: «Damals war das die günstigste Lösung», sagt Nikic. Die Biogas-Heizung ist laut den Daten vom Bundesamt für Energie (BFE) die einzige im Bezirk Dietikon. Sie wird von der Gasleitung gespeist, die durch Schlieren verläuft.

Nebst Solaranlagen gibt es laut der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) noch viele andere Möglichkeiten, um die Häuser zu heizen. Doch viele Ressourcen werden gar nicht erst erkannt: Laut den Wissenschaftlern sind beispielsweise Abfall, Hofdünger und Holz wichtige Energielieferanten. Sie haben zwei Karten zusammengestellt, die zeigen, in welchen Gebieten wie viel nachhaltige verholzte und nichtverholzte Biomasse steckt. Dietikon führt die Limmattaler Gemeinden mit 68,06 Terajoule (TJ) nichtverholzter Biomasse an, gefolgt von Schlieren mit 44,57 TJ. Spitzenreiter der ganzen Schweiz ist Zürich mit 815 TJ, wobei dies mit der Bevölkerungszahl und der Lage von Gewerbe- Industriebetrieben zusammenhängt.

Die wenigsten Badegäste des Freibads Im Moos schauen hinter die Kulissen des warmen Freibads. «Wenn interessierte Leute kommen, sind es eher solche, die ebenfalls ein Bad bauen wollen», sagt Nikic. So sei letztes Jahr eine Delegation aus Bern da gewesen, um die Heizung zu besichtigen. Da das «Möösli» zu den grössten Bio-Badis der Schweiz gehört, dient es auch als Modell für andere Gemeinden.

Auch wenn das Schlieremer Bio-Freibad von der Bevölkerung abgesegnet wurde, brauchte es besonders bei der Einführung immer wieder Aufklärungsarbeit. «Die einen dachten, sie werden krank wegen den Algen im Bad», sagt Nikic. Die anderen fanden es schlechthin «eine Katastrophe». Doch das nimmt der Badmeister gelassen. «Die Werte im Wasser waren alle in Ordnung und wir säubern das Bad jeden Abend», sagt er. Überdies kaufe man an manchen Orten sogar Algen als Kosmetika.

Zum Chlor will er nicht mehr greifen. Das sei nicht nur ökologisch schädlich, sondern auch ökonomisch nicht sinnvoll. Denn selbst mit zusätzlichen Arbeitskräften sei es noch günstiger, als wenn sie für alle vier Becken Chlor kaufen müssten.

Unter 10 Grad wird es knapp

Nebst den Reinigungskräften, die jeden Abend die Wände der Becken schrubben, hat der Badmeister noch ein anderes wirksames Mittel gegen die unwillkommenen Lebewesen im Wasser: «Wir heizen das Bad nur bis auf 23 Grad», sagt er. Denn ab dieser Temperatur vermehren sich die Algen noch viel stärker. Momentan schafft es das Blockheizkraftwerk aber kaum, das Wasser auf die gewünschte Temperatur zu heizen. Denn fällt die Aussentemperatur unter 10 Grad, ist die Maschine nicht genug stark. «Es gäbe wohl noch stärkere Maschinen, doch die Stadt Schlieren hat sich für diese entschieden», sagt Nikic. An sonnigen Tagen dagegen generiert die Biogas-Anlage gar einen Energieüberschuss. Dann wird das Wasser von der Sonne gewärmt und der produzierte Strom wird direkt ins Elektrizitätsnetzwerk eingespeist.

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