Das Mittagsgeschäft ist längst vorbei. Nichtsdestotrotz sind einige Tische im Restaurant Brüelmatt in Birmensdorf besetzt. Ein Gast blättert in einer Zeitung. Zwei Frauen plaudern am Tisch daneben. Und in der Ecke am Fenster sitzt Myrtha Korpar und jasst mit drei Kollegen. 30 Jahre lang war sie um das leibliche Wohl der Gäste im Restaurant des Gemeindezentrums besorgt. Auch nach ihrer Pensionierung ist die ehemalige «Brüelmatt»-Betreiberin in der Beiz anzutreffen. «Ich wohne immer noch in der Wirte-Wohnung nebenan», sagt sie. Platz gemacht hat sie aber in der Gaststube. Seit dem ersten Mai-Wochenende führen Adélia und Koni Seglias das «Brüelmatt». Das Wirtepaar leitete zuvor 15 Jahre lang das Restaurant Steinerhof in Urdorf. Nun zog es die beiden ein Dorf weiter.

«Viele Gäste des ‹Steinerhofs› wohnen in Birmensdorf. Ihnen kommt es also ganz gelegen, dass wir jetzt hier sind», sagt Adélia Seglias. Der Start sei ihnen geglückt, findet sie. «Wir wurden in Birmensdorf sehr gut aufgenommen.» Ein paar Gäste seien schon zwei Mal vorbeigekommen. «Die bisherige Resonanz macht uns Freude», sagt die 49-Jährige. Besonders aufgefallen seien ihr die Gäste am Stammtisch. Sie habe selten so fröhliche und lustige Gespräche miterlebt. «Wir freuen uns auf das neue Kapitel in Birmensdorf und hoffen, dass wir auf der guten Kundschaft, die wir im ‹Steinerhof› hatten, aufbauen können», sagt Koni Seglias. Er verstehe aber auch, wenn nicht alle ihnen folgten.

Bis im Sommer will das Wirtepaar das Restaurant wie bisher nur werktags geöffnet haben. «Wir sind nach jahrelangen Sieben- und Sechstagewochen diesem Pensum natürlich nicht abgeneigt», sagt Adélia Seglias und lacht. Man werde sehen, ob man die Öffnungszeiten anpassen müsse, sagt ihr Mann. Wichtig ist den beiden, dass sie zumindest einen freien Tag pro Woche haben. Unterstützt werden die beiden durch Adélia Seglias’ Schwester Paula Loureiro und vier weitere Mitarbeiter.

Heller und moderner

Neu im «Brüelmatt» sind aber nicht nur die Gastgeber, sondern auch das Interieur. Die Betriebskommission des Gemeindezentrums hat das Lokal während vier Monaten renoviert. Der Raum ist heller und moderner geworden. Die dunkle Holzdecke ist verschwunden. LED-Leuchten zieren sie. Die Wände sind frisch gestrichen. Die Tische im Restaurant und das Mobiliar auf der Terrasse wurden ebenso erneuert. Der ovale Stammtisch ist aber derselbe geblieben. Er wurde frisch lasiert und steht nun als markantes, heimeliges Element in der Beiz. «Die Betriebskommission war sehr grosszügig und hat uns beim Umbau miteinbezogen», sagt Koni Seglias. So sei etwa die Erneuerung des Bodens geplant gewesen. «Wir fanden das aber nicht notwendig und so wurde darauf verzichtet», sagt Adélia Seglias.

Auf Wunsch der Wirte gibt es aber einen Windfang beim Eingang. Die Terrasse schmücken neu Blumen- und Kräuterkistchen. «Salbei, Thymian, Peterli und Basilikum kann mein Mann zudem gut in der Küche brauchen», sagt Adélia Seglias. Die Begrünung war ihre Idee. Und auch im Restaurant spürt man ihre persönliche Note. Auf jedem Tisch steht ein Pflanzentöpfchen. Wo früher Vereinsbilder hingen, verschönern heute Fotos von Gerichten, Gewürzen und Essen die Wände. «Viele Gäste, die das Restaurant nach der Renovation zum ersten Mal sehen, sind begeistert. Sie erkennen es kaum wieder», sagt Adélia Seglias. Sie erhalte zudem viele Komplimente für die Dekoration. «Einige Gäste merken beim Betreten des Restaurants sofort, dass das mein Werk ist.»

Für die Ästhetik und den Geschmack auf den Tellern sorgt Koni Seglias. Der 52-jährige gelernte Koch und Gastronom setzt wie bereits in Urdorf auf seine Cordon bleus. «In den letzten Jahren haben sie sich zur beliebtesten Speise auf der Karte entwickelt.» Daran wolle er festhalten. Auch sonst hat Seglias nicht vor, etwas an seinem Speisen-Konzept zu ändern. Mittagsmenüs und gutbürgerliche Schweizer Küche erwarten die Gäste. Vor allem am Abend wollen die neuen Wirte die Birmensdorferinnen und Birmensdorfer ins «Brüelmatt» locken.

Auf ein Bier oder ein Znacht

«Bisher kamen abends eher Vereine nach ihren Treffen auf ein Bier vorbei. Wir hoffen, dass wir sie und andere Gäste auch für ein Znacht begeistern können», sagt Koni Seglias. Ihnen sei wichtig, dass die Bevölkerung ein Restaurant habe, in dem sie gut essen und schöne Stunden verbringen könne. Offen sind die beiden auch für Bankette und Anlässe. «In der ersten Woche konnten wir bereits eine Hochzeitsgesellschaft bewirten und ein weiteres Vermählungsfest steht bald an», sagt Adélia Seglias. Sie selbst ist seit 30 Jahren mit ihrem Koni zusammen. Im Sommer feiern die beiden nach 25 Ehejahren ihre silberne Hochzeit. Kennen gelernt haben sie sich in den Bergen. «Wir arbeiteten in Laax im selben Betrieb. Sie im Service und ich als Chef der kalten Küche und der Patisserie», erzählt Koni Seglias. «Ich habe als Kind Heidi-Filme geschaut und von da an immer von den Schweizer Bergen und dem Geissenpeter geträumt», sagt Adélia Seglias, die aus der nordportugiesischen Kleinstadt Resende stammt. «Und tatsächlich habe ich meinen Geissenpeter gefunden», sagt sie und schaut zu ihrem Mann.

Nach Laax folgten weitere Saisonstellen im Bündnerland, bis es die beiden 1994 in den Kanton Zürich zog. 1998 kamen die Eltern zweier erwachsener Söhne nach Urdorf. Dort arbeiteten sie zwei Jahre lang als Angestellte im «Story Pub», bis sie die Beiz übernahmen. Das Paar sieht das «Brüelmatt» nun als letzte Station vor der Pensionierung. Ende Jahr werden die Wirte richtig am neuen Ort ankommen. Adélia Seglias verrät: «Wir wohnen immer noch in Urdorf. Doch auch privat zieht es uns nach Birmensdorf.»