Viele Mitglieder des Zürichsee-Landschaftsschutzes (ZSL) hatten ihr Kommen an der Generalversammlung wieder abgesagt. «Wahrscheinlich wegen des heissen Sommerwetters», vermutete Thomas Isler, ZSL-Präsident aus Rüschlikon, am Samstagnachmittag zu Beginn der Versammlung im Saal des Schulhauses Riedwies wohl richtig. Vor rund 20 Vereinsmitgliedern wurden in der Folge die Traktanden zügig abgehandelt, die Jahresrechnung und der Revisorenbericht 2018 erhielten einstimmig Zuspruch.

Im Jahresbericht 2018 ging Isler näher auf den geplanten Seeuferfussweg zwischen dem Wädenswiler Seeplatz und der Halbinsel Giessen ein. «Für uns ist es wichtig, dass der Uferschutz in der jetzigen Form bestehen bleibt.» An dieser Stelle meldete sich der Männedörfler Berufsfischer Kurt Weidmann zu Wort. Er befürchtet einen weiteren, schrittweisen Verlust eines Arbeitsplatzes. «Entlang dieser Strecke gibt es vorläufig noch einige gute Orte für den Netzfang.»

Isler sprach sich auch gegen die Züri-Bahn der Zürcher Kantonalbank aus. Die Seilbahn soll zum 150-Jahr-Jubiläum der Bank ab 2020 bis 2025 das Seebecken überspannen. Der ZSL hat eine Einwendung gegen das Projekt formuliert. Der Tenor: Der Zürichsee biete für die Bevölkerung jetzt schon unzählige Möglichkeiten, das Leben am See zu geniessen.

Grösstes brachliegendes See-Areal

Danach war die Reihe am Ehrengast, an der Uetiker Gemeinderätin Heidi Mühlemann (parteilos). Sie referierte über die Zukunft der ehemaligen Chemiefabrik in Uetikon – das derzeit grösste brachliegende Areal der Schweiz, das direkt an einem See liegt. Es ist rund 750 Meter lang und bis zu 140 Meter breit. «Die Eigentümer, der Kanton Zürich und die Gemeinde Uetikon planen mit Bedacht, was dort entstehen soll», sagte Mühlemann. Dies geschehe seit einiger Zeit auch unter Einbezug von Bevölkerungsgruppen, die ihre Ideen und Wünsche einbringen könnten.

Ein Masterplan sieht vor, dass ab dem Jahr 2028 gut 1500 Gymnasiasten auf dem neuen Areal zur Schule gehen sollen. Zudem werden in Wohnbauten 600 bis 800 Personen unterkommen. Allein das damit verbundene Verkehrsaufkommen beschäftigt die Planer. «Die Gespräche mit den SBB und dem Zürcher Verkehrsbund sind angelaufen», sagte Mühlemann.

Eine Möglichkeit sei, dass jeder Gymnasiast via Alte Landstrasse über eine Passerelle fast direkt in sein Schulzimmer laufen könne, sagte die Gemeinderätin. «Für die Konstruktion der Passerelle schreiben wir einen Architekturwettbewerb aus.»

«Als Zeugen vergangener Zeiten sollen einige bestehende Gebäude erhalten bleiben», fuhr die Referentin fort. «So der denkmalgeschützte Düngerbau.» Das Bahngleis, das diagonal über die Seestrasse führt und für Velofahrer eine heikle Passage bedeutet, verdankt seine weitere Daseinsberechtigung dem Umstand, dass es zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder gehört.

Alles in allem verdiene der Masterplan seinen Zusatz «Chance Uetikon», schloss Mühlemann. Ihre Schlussforderung stiess beim ZSL auf Beifall. «Ihr müsst diese Chance nutzen», betonte Isler. Eine Stimme forderte, dass auch der Biodiversität Rechnung getragen werden müsse. Und Isler nannte ein konkretes Beispiel, wie es der Fauna, Flora und den Menschen besser ergehen könnte. «Am Hafenbecken fällt die Mauer satte neun Meter senkrecht ins Wasser.» Schön wäre es, dort ein Flachufer zu erstellen. «Doch das dürfte aus Kostengründen kein Thema werden.»